Absturz Personalberater im Umsatztief

2008 feierte die Personalberatungsbranche sich selbst, ein historisches Rekordjahr, die Korken knallten. Dieses Jahr Ernüchterung: Die Umsätze dürften dieses Jahr um fast 20 Prozent abstürzen, gab der Verband auf dem 11. Deutschen Personalberatertag bekannt. Insider vermuten allerdings weit kräftigere Einbußen und eine Konsolidierung der Branche.

Wenn derzeit Stühle gerückt werden, dann von Jobwechslern, die sich eine besondere Expertise mit Krisensituationen und Konsolidierungsprozessen erarbeitet haben. So hat Personalberaterin Renate Schuh-Eder soeben einen Vertrag unterzeichnet, der die Vermittlung eines 61-jährigen Analog-Spezialisten besiegelte. Es hätte auch jüngere gegeben, wohlgemerkt. Verkehrte Welt?

Die alten Hasen, so erklärt es die Headhunterin, brächten eben neben solider technischer Expertise auch eine gehörige Portion Erfahrung und ein Netzwerk mit, was in der derzeitigen Situation sehr gefragt sei. »Es ist ja nicht ihr erster Abschwung.« Die Zunft der deutschen Personalberater hat durch ihren Fachverband im BDU gerade neueste Zahlen herausgegeben – und die sind alles andere als berauschend.

Die Klienten rekrutieren derzeit nur das Nötigste, weshalb für das laufende Jahr auf dem Branchentreff auf dem Petersberg ein Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent prognostiziert wurde. Ein Absturz aus luftiger Höhe, wohlgemerkt: 2008 stellten die Headhunter bis dato einen historischen Rekord auf, bis Weihnachten legte der Umsatz noch mal bis auf 1,49 Milliarden Euro (2007: 1,37 Milliarden Euro) zu.

»Manche kleinere Beratungen machen derzeit gar keinen Umsatz!«

Insider bezweifeln allerdings, dass 20 Prozent minus ausreichen. »50 Prozent minus ist weit realistischer, manche kleinere Beratungen machen derzeit gar keinen Umsatz!«, so eine Stimme vom Personalberatertag. Weniger Teilnehmer seien es gewesen, weniger Nadelstreifen, dafür sei aber eine kreative Aufbruchsstimmung zu spüren gewesen. »Die Branche verändert sich, packt an, wird kreativer«, lobt der Besucher.

Das Anforderungsprofil der Kunden hat sich ja auch kräftig gewandelt: In den vergangenen Boomjahren und bis Mitte 2008 waren besonders Fach- und Führungskräfte mit Marketing- und Vertriebsqualifikationen gefragt. 31,7 Prozent der Suchaufträge in der Personalberatung entfielen im letzten Jahr auf diese Positionen (2007: rund 28 Prozent). Auch Entwickler und Produktions-Spezialisten waren gefragt. In knapp einem Fünftel aller Suchprojekte standen geeignete Kandidaten für technische Positionen auf der Wunschliste (2007: 14,4 Prozent).

Doch im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 hat sich das Nachfrageverhalten der Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft deutlich verschoben. »Angesichts der großen Herausforderungen der Unternehmen hinsichtlich Liquidität, Ertragsverbesserung und strategische Neuausrichtung sind aktuell vor allem hoch qualifizierte Führungskräfte gefragt, die belastbare Nachweise ihrer Qualifikation in diesen Themenstellungen vorweisen können«, sagt Dr. Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung.

 

Personalpolitik auf »hold« gestellt

Ab Mitte des Jahres 2008 – und besonders im letzten Quartal – machten den Personalberatern die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu schaffen. Die Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft haben schnell reagiert und ihre Personalpolitik auf »hold« gestellt. Ende 2008 und zu Beginn des laufenden Jahres wurden Suchaufträge nur sehr zögerlich vergeben. Im vergangenen April hat sich die Situation zuletzt leicht verbessert.

Gut ein Viertel der befragten Personalberatungsunternehmen erwartet für die kommenden sechs Monate eine günstigere Geschäftsentwicklung, 52 Prozent prognostizieren gleich bleibende Rahmenbedingungen. 2008 wurden mehr als 71.000 Such- und Auswahlprojekte von den Klienten in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung in Auftrag gegeben. Im Jahr 2007 hatte die Zahl bei knapp 67.000 und im Jahr 2006 bei knapp 58.000 gelegen. Die Bandbreite des durchschnittlichen Unternehmenswachstums in der Personalberatungsbranche lag 2008 je nach Größenklasse zwischen sieben und zehn Prozent.

Der Branchenumsatz legte 2008 zum fünften Mal in Folge zu und hat seit 2003 ein Plus von 72 Prozent zu verzeichnen. 88,4 Prozent des Gesamtumsatzes in der Personalberatungsbranche entfielen 2008 auf die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften (2007: 90,4 Prozent), dies entspricht in absoluten Zahlen einem Umsatz von knapp 1,32 Milliarden Euro (2007: 1,24 Milliarden Euro). An der Personalberater-Marktstudie beteiligten sich im März/April 2009 rund 300 auf die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften spezialisierte Beratungsunternehmen, darunter 60 Prozent der TOP-20-Personalberatungen.