Fehler vermeiden Personalabbau ist Stress pur für alle Beteiligten

Wenn Personal abgebaut wird, leiden natürlich die gekündigten Mitarbeiter am meisten. Aber auch auf die Personen, die bleiben, kommen Mehrbelastungen zu. Eine Bestandsaufnahme.

»Hoffentlich ist die Wirtschaftskrise bald vorüber – zumindest insoweit, dass wieder neue Aufträge hereinkommen und wir unser Personal auslasten können.« Dieses Stoßgebet senden zurzeit viele Unternehmensführer gen Himmel. Denn sie wissen: Wenn nicht bald Geld in die Kasse kommt, müssen sie Personal abbauen. Diese Entscheidung trifft kein Unternehmensführer gern. Auch weil er weiß: Das bedeutet »Stress pur« für alle Beteiligten – auch für die nicht gekündigten Mitarbeiter. Entsprechend wichtig ist es, sich vor einer solchen Entscheidung die hieraus resultierenden Mehrbelastungen bewusst zu machen. Das hilft, Fehler zu vermeiden.

1. Die Entscheider

Die Mitglieder des Vorstands oder der Geschäftsleitung sind in Großunternehmen meist nicht in das operative Umsetzen des Personalabbaus involviert. Sie tragen aber die Verantwortung für den Erfolg der Maßnahme, mit der viele Gefahren verbunden sind. Deshalb sollten sie vor ihrer Entscheidung genau abwägen: Ist der Personalabbau wirklich unumgänglich? Und: Ist der hierdurch erzielte Gewinn größer als der Schaden? Führt am Personalabbau kein Weg vorbei, sollten die Entscheider folgende Maximen beachten:

• Offen kommunizieren: Die Mitarbeiter sollten möglichst genau über die Gründe für den Personalabbau, die damit verbundenen Ziele und den geplanten Ablauf informiert werden.

• Hängepartien vermeiden: Nichts ist nervenaufreibender, als sich monatelang qualvoll zu fragen: Was geschieht mit mir? Diese Situation sollte schnell überwunden werden, damit der Blick wieder nach vorne gerichtet werden kann.

• Den Personalabbau fair und sozialverträglich gestalten: Das hilft auch, überflüssige Kosten zu vermeiden.

• 4-Augen-Gespräche mit den Leistungsträgern führen: Ihnen sollten ihre Perspektiven verdeutlicht werden, um ein Abwandern zu vermeiden.

2. Die »Vollstrecker«

Die Personen, die den Personalabbau- Beschluss umsetzen, stehen an der emotionalen Front. Ihre Situation ist durch eine hohe Arbeitsbelastung aufgrund zusätzlicher Aufgaben gekennzeichnet: Trennungsgespräche führen, Aufhebungsverträge abschließen, Arbeitszeugnisse verfassen usw. Außerdem stehen sie unter einem hohen emotionalen Stress, weil sie die unmittelbaren Ansprechpartner der betroffenen Mitarbeiter sind. Hiermit umzugehen, fällt vielen Führungskräften und Mitarbeitern der Personalbereiche schwer – auch weil sie auf die Aufgabe Personalabbau kaum vorbereitet sind. Außerdem durchleben sie ein Wechselbad der Gefühle. Sie empfinden Mitgefühl mit den Betroffenen. Zugleich befürchten sie oft selbst, mittelfristig arbeitslos zu werden. Denn wenn die Zahl der Mitarbeiter sinkt, sinkt auch der Bedarf an Führungskräften und Personalfachleuten.

3. Die Gekündigten

Wenn ein Personalabbau angekündigt wird, verfolgen die Mitarbeiter oft zunächst eine »Vogel-Strauß-Taktik« in der Hoffnung, dass der Kelch an ihnen vorüber geht. Erfahren sie dann von ihrer Kündigung, reagieren die Betroffenen unterschiedlich – manche gefasst, andere geschockt. Anschließend suchen sie meist Hilfe beim Betriebsrat, der Gewerkschaft und/oder einem Anwalt. Viele Gekündigte sind wütend auf das Management. Das artikulieren sie auch im Gespräch mit Kollegen. Sie haben zudem Angst vor der Zukunft, weil sie wissen: Wer heute seinen Arbeitsplatz verliert, findet oft nur schwer einen (gleichwertigen) neuen. Viele wissen zudem nicht, wie sie bei der Jobsuche vorgehen sollten, da sie sich schon lange nicht mehr beworben haben. Außerdem können sie oft nicht einschätzen: Wird meine Qualifikation am Arbeitsmarkt gebraucht? Entsprechend rat-, mut- und perspektivlos sind sie.