Social Media Recruiting Per Facebook und Twitter zum Wunschkandidaten?

„High Potentials werden Mangelware“, „Deutschen Firmen gehen die Ingenieure aus“ – die Hiobsbotschaften über den außer Tritt geratenen Arbeitsmarkt überschlagen sich. Sollten die Recruiter deshalb nicht dorthin gehen, wo sich die begehrten Talente offenbar in Scharen tummeln – ins Internet, in die Social Media?

Meike Braun ist 26 Jahre jung und Doktorandin in der Fakultät Maschinenbau am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT). Spätestens 2015 wird sie ihre Promotion in der Tasche haben, dann will sie in die Wirtschaft. Wie sie dorthin kommt, hat sie schon geübt. „Als ich mit meinem Studium fertig war, habe ich auch Angebot über Xing, Absolventa und das Karriereforum der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW) bekommen. Davon habe ich mir auch einiges näher angesehen.“

Letztlich entschied sich die junge Frau aber dann doch für die Promotion am Lehrstuhl in Karlsruhe. „Social Media kommen für berufserfahrene Ingenieure weniger in Frage“, glaubt die Doktorandin, „weil sie in der Regel über ein großes Netzwerk verfügen und die Face-to-Face-Kommunikation eine größere Bedeutung hat. Damit stehen ihnen meist andere Berufsperspektiven offen.“

Die Suche und Direktansprache potenzieller Kandidaten über soziale Netzwerke wie Facebook, XING, LinkedIn und Twitter führt die Personalabteilung auf ein neues Terrain. Laut Umfragen haben mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen Probleme, ihre Wunschkandidaten für sich zu gewinnen.

Aktuell besonders rar: Ingenieure und IT-Spezialisten sowie Naturwissenschaftler und andere Professionals für Research & Development. Das aber, so Michael Schanz, Experte für Arbeitsmarkt und Beruf beim VDE, sind nur die Vorläufer: „Ab 2020 wird der Mangel an Ingenieuren erst richtig gravierend.“

Das dürfte Personalverantwortliche in den Unternehmen Sorgen bereiten.

„Selbst schuld“, meint HR-Professor Armin Trost von der Hochschule Furtwangen und wirft den Unternehmen vor, schlecht vorbereitet in den drohenden „War for Talent“ zu gehen. „Die meisten Unternehmen arbeiten noch mit Methoden, die aus einer Zeit stammen, als es mehr Bewerber als offene Stellen gab.

Viele glauben noch, dass die guten Bewerber von selbst an ihre Tür klopfen.“ Das sei jedoch ein gefährlicher Trugschluss. Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter könnten es sich jetzt schon leisten, passiv abzuwarten, bis man auf sie zukäme.

Daher müssten sich Arbeitgeber schleunigst an den Gedanken gewöhnen, ebenso aktiv wie um Kunden auch um Mitarbeiter zu werben. Dazu gehöre eine aussagekräftige Arbeitgebermarke und die verstärkte Nutzung von Social Media.