Open Innovation: Innovationen aus dem Mitmach-Web

Weil heute alle Welt im Internet unterwegs ist, trifft man dort mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Experten, mit deren Wissen sich der eigene Ideenfundus anreichern lässt. Denen wäre man anderswo vielleicht nie begegnet, das ist das wirklich Innovative an Open Innovation. Die Elektronikbranche hält sich bislang noch zurück – zu groß ist die Angst vor Ideenklau.

Natürlich ist die Elektronikwirtschaft innovativ, keine Frage. Allerdings in Grenzen. Selbst dort, wo man den Geschäftserfolg von übermorgen im Blick hat, werden Erfindungen und Problemlösungen lieber als Eigengewächse gezüchtet denn von fremden Stämmen aufgepfropft. Die Wände der eigenen Entwicklungsabteilung verlässt man allenfalls mit exklusiv und vertraglich geregelten Entwicklungspartnerschaften. Gar nicht mal aus Kostengründen, sondern aus Furcht, den Wettbewerb vorzeitig auf den Plan zu rufen. Und ganz im Geiste des Wilhelminischen Wirtschaftsabsolutismus: »Gute Ideen haben wir selbst.«

Welche Beweggründe auch immer vorherrschen, das Web 2.0 bringt sie ins Wanken. Denn in den Kundenbranchen rund um die Elektrotechnik, vor allem im Automobilbau, in der Chemie und in der Computertechnik, stehen weltweit schon etwa 50 webgestützte Ideensauger in Stellung, die gegen Honorar oder Beteiligung an der Nutzung der Idee das Wissen aus den Köpfen externer Fachleute abgreifen. Ob das in Form eines Appells an den Wettbewerbsgeist geschieht, ob ein üppiges Honorar winkt oder ob das im eigenen Betrieb verkannte Genie angestachelt werden soll – egal, es scheint zu funktionieren.

Konkret muss man sich Open Innovation so vorstellen: Ein Unternehmen annonciert im Internet eine bestimmte Aufgabenstellung an eine große, offene und undefinierte Gruppe von Experten. Den Empfängern des Aufrufs bleibt es überlassen, ob sie an der Lösung mitwirken wollen oder nicht (»Selbstselektion«), mit einiger Wahrscheinlichkeit reichen sie aber wenigstens das Problem an vermeintlich interessierte Kollegen weiter. Ideenmakler wie innocentive.com gewährleisten die Anonymität des Suchenden, so dass die Konkurrenz nicht mit der Nase darauf gestoßen wird, auf welchen Zukunftsfeldern ein bestimmter Hersteller arbeitet. Sie erfährt nur, dass auf diesem Gebiet geforscht wird. Und auch die Namen der Ideengeber werden erst dann weitergeben, wenn sich Unternehmen und Know-how-Lieferant einig geworden sind. Auf diese Weise erschließt sich dem suchenden Unternehmen eine weit größere Menge potenzieller Lösungslieferanten, als es auf konventionellem Weg finden und befragen kann.