Körpersprache-Tricks im Bewerbungsgespräch Ober grüßt Unter

Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache und Kommunikation. Der Redner, Trainer und Autor verbindet seine Kenntnisse aus jahrelanger Aktivität im freien Theater mit seinen Erfahrungen in Marketing und Verkauf. Seit 2000 lehrt und unterrichtet er an der Kasseler Akademie für Absatzwirtschaft.
Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache und Kommunikation. Der Redner, Trainer und Autor verbindet seine Kenntnisse aus jahrelanger Aktivität im freien Theater mit seinen Erfahrungen in Marketing und Verkauf. Seit 2000 lehrt und unterrichtet er an der Kasseler Akademie für Absatzwirtschaft.

Fachkompetenz allein reicht im Bewerbungsgespräch nicht - mehr als Hälfte unserer Wirkung auf andere erzielen wir durch unsere Körpersprache. Kommunikationsexperte Jan Sentürk erklärt, worauf es im Gespräch mit dem Personalchef ankommt.

Die Wirkung beginnt bereits an der Bürotür des Personalchefs. Wenn Sie anklopfen: Machen Sie nach dem „Herein“ einen Schritt in das Büro und bleiben Sie zunächst dort stehen. Verstecken Sie sich nicht hinter einer halb geöffneten Tür, doch schließen Sie diese auch nicht. Dies könnte so aussehen, als hätten Sie ungefragt beschlossen, dort zu bleiben. Dies kommt jedoch einem Bewerber nicht zu. Lassen Sie sie also geöffnet und schließen Sie sie erst, wenn man Sie ausdrücklich bittet, näher zu kommen. Dies ist dann auch der Moment, in dem es üblicherweise zum Handgruß kommt: Da man sich als Bewerber automatisch im Tiefstatus befindet, also in einer situationsbedingt untergeordneten Position, gilt, unabhängig von Alter und Geschlecht, die Regel „Übergeordneter grüßt Untergeordneten“. Das bedeutet: Sie strecken nicht die Hand zum Gruß hin, sondern warten, bis man Ihnen die Hand anbietet. Bietet der Bewerber von sich aus den Handgruß an, nimmt er dem Personalchef damit die Entscheidungsfreiheit, den Zeitpunkt selbst zu wählen.

Oft taucht an dieser Stelle die Frage auf: „Was tun, wenn der Personalchef diese Regel nicht kennt und den ausbleibenden Handgruß als Unhöflichkeit deutet?“ Wenden Sie dann folgenden Körpersprache-Trick an: Während Sie Ihr Gegenüber verbal begrüßen, halten Sie Ihren rechten Arm in zum Gruß gebeugter Stellung direkt vor Ihren Körper. Ihr Gegenüber wird diese Geste unbewusst wahrnehmen und dadurch animiert, Ihnen seinerseits die Hand zum Gruß zu reichen. Und wenn nicht? Dann lassen Sie es trotzdem! Fremdes Territorium akzeptieren
Dass man sich erst dann hinsetzt, wenn man einen Platz angeboten bekommen hat, ist für jeden Bewerber ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Doch es gibt noch andere Fallstricke in Sachen Distanz- und Höflichkeitsverhalten. So wird ein gut vorbereiteter Bewerber beispielsweise immer einen Block und einen Stift dabei haben, um sich während des Gespräches ggf. Notizen machen zu können. Wer diese und weitere Unterlagen jedoch zu selbstverständlich auf dem Tisch des Personalchefs ausbreitet, eignet sich unerlaubt fremdes Territorium an. Der Tisch ist nämlich dessen „Eigentum“ und gehört damit zum Machtbereich des Personalers. Diesen sollten wir ihm nicht streitig machen, sondern unsere Tasche oder Mappe entweder neben uns abstellen oder zumindest fragen, ob wir sie auf den Tisch legen dürfen.

Auch die Sitzposition trägt ihren Teil zum Gesprächsverlauf bei. Zwar ist in den meisten Fällen davon auszugehen, dass man dem Bewerber einen Platz zuweist, der dem des Personalchefs gegenüber liegt. Haben Sie jedoch - beispielsweise in einem Besprechungs- oder Konferenzraum – die Wahl, sich einen Platz auszusuchen, dann wählen Sie doch mal die „Über-Eck“ Position. Warum? Wer sich gegenüber sitzt, begegnet seinem Gesprächspartner zwangsläufig konfrontativ. Zudem ist im Wort „gegenüber“ auch das Wort „Gegner“ verborgen. Es ist durchaus möglich, dass der Gesprächspartner darauf zunächst überrascht reagiert; einfach, weil diese Position eher selten gewählt wird. Dabei erlaubt sie bei Bedarf einen gemeinschaftlichen Blick in Unterlagen und bietet dennoch die Möglichkeit, sich mittels Verrücken der Stühle gegenüber zu sitzen, ohne dabei den Tisch als eindeutig trennendes Element zwischen beide Seiten zu bringen.

Sitzen Sie entspannt. Entweder mit beiden Beinen nebeneinander oder – auch das ist erlaubt, wenn das Gespräch gut verläuft und Sie sich sicher genug fühlen – mit übereinander geschlagenen Beinen. Allerdings nicht in der amerikanischen Variante, bei der der Knöchel auf dem Knie und der Genitalbereich frei liegt. Nutzen Sie Ihre Hände, um Aussagen zu untermalen und hervorzuheben. Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen, die ihre Aussagen mit Händen unterstreichen überzeugender, sympathischer und kompetenter (!) wirken, als andere.

Wer sich lehrbuchgerecht verhalten will, wirkt leicht gekünstelt. Allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man überzeugend wirkt, wenn man es nicht übt. Wer also kein Naturtalent ist, der sollte sich unbedingt auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten und zwar nicht nur inhaltlich, sondern mindestens ebenso gut auf die körpersprachliche Wirkung. Denn ob wir es nun glauben oder nicht: Dieser Bereich ist wesentlich aussagekräftiger.