Flexibles Arbeiten »Noch vor zehn Jahren wäre all das nicht machbar gewesen«

»Noch vor zehn  Jahren wäre all das nicht machbar gewesen«.
»Noch vor zehn Jahren wäre all das nicht machbar gewesen«. Moderne IT und lebensphasenorientiertes Personalmanagement ermöglicht orts- und zeitunabhängiges Arbeiten. Das gibt Punkte auf dem Familienkonto.

Der Elektroingenieur für Nachrichtentechnik Sven Schneider ist »Evangelist und Innovation Manager« bei einem großen deutschen Konsumgüterhersteller. Seit der Geburt seiner ersten Tochter arbeitet der 44-jährige jeden Montag von zuhause aus.

Montags morgens wirft sich Sven Schneider (Name geändert) nicht in Schale, Anzug und Kravatte bleiben im Schrank hängen. Denn Montags ist Hausarbeit angesagt, da trinkt Schneider seinen Kaffee nicht im Büro, sondern am Rechner zuhause.

Bevorzugt legt er auf diesen Tag Arbeiten, für die er ein wenig Ruhe braucht. Unterbrechungen durch Kollegen oder Flurfunk braucht er zuhause nicht zu befürchten, Telefonanrufe hingegen schon.

Schneiders Handy ist eigentlich nur während längerer Urlaube aus, sonst ist er immer zu erreichen. »Das hat Vor- und Nachteile. Arbeit und privates sind in meinem Beruf nicht immer exakt zu trennen«, erklärt er. »Manche Ideen entstehen bei mir in der Freizeit, dann investiere ich natürlich sofort Zeit, um die Idee zu Ende zu denken und zu fixieren.«

Anruf eines Kollegen während eines gemeinsamen Zoobesuchs mit den Töchtern? »Völlig normal«, sagt Schneider, »Vieles lässt sich sofort abhandeln, wenn es länger dauert, verlege ich den Termin aufs Büro.«

Das zeitlich und örtlich flexible Arbeiten liegt dem Familienvater, auch dank der modernen IT-Ausstattung, die solch ein mobiles Arbeiten erst ermöglicht. »Noch vor zehn Jahren wäre all das nicht machbar gewesen«. Arbeitsphasen wechseln sich regelmäßig mit Freizeit ab, häufig gibt es auch Abendtermine, etwa wenn eine Videokonferenz anberaumt ist.

Sein Arbeitgeber ist weltweit mit Niederlassungen präsent, und Schneider steht international in regem Austausch. »Konferenzen mit den USA finden aufgrund der Zeitverschiebung etwa häufig am Abend statt, für China muss man manchmal etwas früher aufstehen.«

Ein Gleitzeitkonto hat Schneider natürlich auch, das ist heute zumindest in Großunternehmen Standard. Auf diesem können Stunden angespart oder auch »auf Kredit« genommen werden.

Klingt gut, doch nicht immer ist es ganz einfach für Schneider, eine strikte Unterscheidung zwischen Arbeit und Privatem herzustellen.

Deshalb profitiere sein Arbeitgeber letztlich davon, seine Mitarbeiter an der langen Leine arbeiten zu lassen. »Ich schreibe doch nicht jede Minute mit. Und wenn ich mal einen Urlaubstag für berufliches investiere, etwa wenn ich ein neues Tool ausgiebig teste, fällt das auch häufig unter den Tisch.«

Ein wenig kann er Bosse wie Marissa Mayer verstehen, die Ihre Leute im Büro sehen will. »Die Kommunikation leider schon ein wenig, bzw. ändert sich.« So richtig Abschalten – das kann und will Sven Schneider selten, dafür liebt er vielleicht auch seinen Job zu sehr. Nur im Urlaub bleibt das Handy aus.