Mobile Media Recruiting Noch hinter den Erwartungen

Immer mehr Menschen nutzen Smartphones und Tablet-Computer, vor allem die begehrte Generation Y. Führt das nun dazu, dass "Online-Recruiting" zu "Mobile Recruiting" wird? Beispiele "zum Anfassen" gibt es bislang kaum. Wir haben mal die Nachrichtenlage recherchiert.

Recruiting und Kandidatenansprache sollen in Zukunft über mobile Endgeräte erfolgen. Zumindest wird darüber eifrig in einschlägigen Blogs und Zirkeln diskutiert. Und es spricht ja auch einiges dafür, auf den Zug aufzuspringen: Immerhin ist das Handy inzwischen der ständige Begleiter von fast 50 Millionen Deutschen,  besagt eine aktuelle Studie des BITKOM. „Geldbeutel, Schlüssel, Handy – diese drei Dinge hat fast jeder fast immer dabei“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

So manche Firma ist sich noch nicht mal sicher, ob es nun einer Facebook-Präsenz bedarf oder nicht – und nun soll das  Ganze auch schon fürs Handy optimiert werden? So empfiehlt der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) die Talentsuche in sozialen Netzwerken. Das Schalten von Stellenzeigen in Online-Jobbörsen und das Warten auf qualifizierte Bewerbungen („post & pray“) allein genüge nicht mehr, um den Bedarf an IT-Fachpersonal zu decken, heißt es beim größten Verband der Internetwirtschaft in Europa.

Es gelte, eingetretene Pfade zu verlassen und künftige Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sich aufhalten: Auf Nischen-Stellenbörsen, im Social Media-Umfeld, auf dem mobilen Endgerät und besonders häufig im Internet. Um gleich wieder einzuschränken: „Entscheidend wird aber nicht sein, auf welchem Kanal wir künftig um neue Mitarbeiter werben, sondern wie attraktiv wir uns im „war of talents“ als Arbeitgeber positionieren.

Okay, um den Kanal geht es also nicht, eher um das Auftreten? Das zumindest erscheint nicht neu.

"Es geht darum, ob wir es verstehen, vielversprechende Talente für uns zu begeistern und ob wir mutig genug sind, auch als Arbeitgeber neue Visionen zu entwickeln“, erläutert Lucia Falkenberg, HR Managerin bei eco. Als Beispiele nennt sie das sich Öffnen für neue Bewerbergruppen, das Entwickeln von Arbeitszeitmodellen, mit deren Hilfe sich Job und Privatleben erfolgreich vereinbaren lassen und Arbeitsinhalte, die die Mitarbeiter begeistern und Raum für individuelle Entwicklung lassen.

„HR Sourcing heißt der neue Trend“, erklärt Lucia Falkenberg und spricht von einer Umkehr der Verhältnisse. „Statt sich zu präsentieren und Kandidaten anzulocken, dürfen die Unternehmen die aktive Suche nach neuen Kandidaten im digitalen Raum nicht länger vernachlässigen“, rät sie. Die Personalabteilungen namhafter deutscher Konzerne hätten das längst erkannt und seien bereits mit HR-Sourcing-Teams in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Der Mittelstand habe den Trend zum Social Recruiting in weiten Teilen jedoch noch nicht entdeckt, sagt ihr Kollege Matthias Olten, Leiter der eco Kompetenzgruppe E-Recruiting.

Als probates Mittel für aktives Social Recruiting werden vom eco Verband Incentive-Programme für HR-Empfehlungen genannt. Hierbei erhalten beispielsweise aktive Facebook-Nutzer, die konkrete Tipps für potenzielle Kandidaten geben, als Anerkennung eine (kleine) Vergütung von beispielsweise 100 Euro pro Empfehlung. „Für Studierende ist das ein attraktives Zubrot, für Unternehmen kann es einer der besten Wege sein, mit jungen IT-Talenten ins Gespräch zu kommen“, fügt Lucia Falkenberg hinzu.

Jobbörsen wie Monster und Xing stellen derweil tatsächlich ihre Plattformen auf mobile Endgeräte ein: „Unsere jetzt gelaunchte mobile Webseite bietet Arbeitgebern wie auch Jobsuchenden die gewohnt inhaltlich und optisch hohe Qualität unserer Stellenanzeigen, egal mit welchem Endgerät sie die Services nutzen, sagt Bernd Kraft, Vice President General Manager der Monster Worldwide Deutschland GmbH. „Wir sind sicher, dass der Einsatz von Smartphones bei der Jobsuche drastisch ansteigen wird – das zeigen unsere Prognosen.“

Im selben Tenor auch Katja Hilbold, Leiterin Personalmarketing bei der Agentur Königsteiner: „Karriere-Website, Social Media Kanäle, Stellenanzeigen: Wer seinen Arbeitgeber-Auftritt nicht mobilfähig gestaltet, verliert die Mehrheit der internetaffinen Generation Y.“

Stimmt das? Einer Untersuchung von Stepstone zufolge möchten deutsche Arbeitnehmer offenbar nur ungern in sozialen Netzwerken auf Jobs angesprochen werden. Zumindest erhalten Unternehmen auf Recruiting-Anfragen in Social Media nur schlechte Resonanz: Sieben von zehn Arbeitgebern haben die Erfahrung gemacht, dass Kandidaten eher nicht reagieren, wenn sie von Personalern über Social Media zu Recruiting-Zwecken direkt kontaktiert werden.

Und auch eine weitere Studie lässt zum jetzigen Zeitpunkt an mobile recruiting zweifeln: Mobile Websites fallen bei jedem zweiten Smartphone-Nutzer durch, meldet die Fachgruppe Mobile im BVDW zusammen mit Google und TNS Infratest. Gemeinsam haben sie eine Studie zur Nutzung und Akzeptanz von mobilen Endgeräten und mobilen Branchen-Websites publiziert.

Zwar sei „mobile“ nicht mehr  aufzuhalten, jedenfalls nicht bei den Verbrauchern. Die Nutzung von Smartphones sei in den letzten zwei Jahren um 122 Prozent angestiegen und der Nutzungsanteil in der deutschen Bevölkerung liegt aktuell bei 40 Prozent.

Auf Unternehmensseite scheint dieser Trend jedoch noch nicht angekommen zu sein, mobile Websites bleiben hinter den Erwartungen der User zurück. Von den befragten Smartphone-Nutzern geben 52 Prozent eine negative Bewertung der mobilen Websites ab.

Allerdings soll sich das ändern: Jeder Zweite, der ein Smartphone besitzt, nutzt es inzwischen täglich. Das sind 41 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Vor allem Frauen und Personen im Alter zwischen 35 und 54 Jahren haben in den letzten zwei Jahren bei der Smartphone-Nutzung aufgeholt. Zudem planen 12 Prozent der Besitzer eines einfachen Handys sich im nächsten halben Jahr ein Smartphone anzuschaffen.

„Die Studie zeigt deutlich, dass der Gebrauch mobiler Endgeräte stetig zunimmt. Während sich die Smartphone-Nutzung in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat, ist die Nutzung von Tablets innerhalb der letzten zwölf Monate sogar auf das Dreifache angestiegen.“, macht Jens Redmer, Head of New Products and Solutions Development bei Google, deutlich.

Walter Freese, Head of Mobile bei TNS Infratest ergänzt: „Parallel zum stark wachsenden Smartphone-Besitz in der Bevölkerung nehmen auch die Zugriffe auf Internetseiten über mobile Devices zu. In den Augen der User entsprechen aber viele Marken- und Corporate-Seiten nicht ihren Ansprüchen und Erwartungen. In Sachen ‚Optimierung für Mobile‘, aber auch bei der Frage des relevanten Contents gibt es noch Nachholbedarf.“

Die Befragungsdaten zur Nutzung des mobilen Internets zeigen, dass über alle untersuchten Branchen hinweg noch deutlicher Verbesserungsbedarf hinsichtlich der vorhandenen mobilen Websites besteht. Die Performance vieler Angebote wird den Anforderungen und Erwartungen der Nutzer nicht gerecht. Die Gründe für die schlechte Bewertung der mobilen Websites unterscheiden sich je nach Branche. Über alle Branchen hinweg, wird von den Usern vor allem bemängelt, dass die Seiten unübersichtlich (58 Prozent) und nicht benutzerfreundlich sind (36 Prozent).

Auch dass man viel scrollen muss, kommt nicht gut an. (26 Prozent).