Stark wachsender Bedarf an Elektroingenieuren Neues Stromzeitalter beschert exzellente Karrierechancen

"Ausgerechnet in dem Zeitkorridor, in dem man mit deutscher Ingenieurkunst in wichtigen Zukunftsmärkten durchstarten sollte, könnten uns die dafür nötigen exzellent qualifizierten Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik fehlen", warnt VDE-Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer (Mitte).

Der Mangel an Ingenieuren wird deutlich unterschätzt, so die Ergebnisse der VDE-Ingenieurstudie 2010. Bis 2020 wird allein der Ersatzbedarf von derzeit knapp 8.000 Elektroingenieuren um 22 Prozent steigen. Zu geringe Studienanfänger- und Absolventenzahlen und steigende Ruheständler führen laut VDE spätestens ab 2020 zu einer deutlichen Fachkräftelücke in der Elektro- und Informationstechnik.

Alle fünf Jahre veröffentlicht der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) eine Studie zu Trends, Studium und Beruf von Elektroingenieuren. Während das frisch veröffentlichte Ergebnis den Nachwuchs freut, könnte es manchen Unternehmen Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Denn bis 2020 soll allein der Ersatzbedarf von jährlich knapp 8000 Elektroingenieuren um 22 Prozent steigen, die Zahl der Hochschulabsolventen (2010: 8300) dagegen um 11 Prozent sinken. Elektromobilität, Smart Grids und Telemedizin – so lauten die lukrativen Zukunftsmärkte für die Elektronikindustrie. Für den VDE beginnt damit nicht weniger als ein »zweites Stromzeitalter«, das der Industrie volle Auftragsbücher bescheren und den Bedarf an fachlich versierten Elektroingenieuren über den demografischen Ersatzbedarf hinaus drastisch erhöhen soll.

Bereits in diesem Jahr würden Unternehmen 3500 zusätzliche Stellen für Elektronikingenieure schaffen, so der VDE – wenn sie sie adäquat besetzen könnten. Der VDE-Vorstandsvorsitzende Dr. Hans Heinz Zimmer: »Wir werden 2010 etwa 8.500 Absolventen, aber nach unseren Prognosen etwa einen Bedarf von 12.000 Elektroingenieuren haben. Dieser Bedarf setzt sich zusammen aus dem Ersatz für die ausscheidenden Ingenieure (circa 7.500) und dem Zusatzbedarf. Nicht alle Absolventen stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Ausländeranteil in der Elektrotechnik mit 17 Prozent an den Fachhochschulen und 30 Prozent an den Universitäten relativ hoch ist. Kehren die ausländischen Absolventen in ihre Heimatländer zurück – und davon ist mehrheitlich auszugehen -, verstärkt sich der Expertenmangel in Deutschland zusätzlich.«

Ein weiteres Problem sei die hohe Studienabbrecherquote, zur Zeit knapp 40 Prozent an den Fachhochschulen und etwa 50 Prozent an den Universitäten. Zimmer: »Schaut man etwas weiter in die Zukunft und berücksichtigt den demographischen Wandel mit einer deutlichen Abnahme von Abiturienten, so wird sich die Situation ab 2020 nochmals verschärfen.« Zu geringe Studienanfänger- und Absolventenzahlen und steigende Zahlen aus dem Berufsleben ausscheidender Ingenieure sollen dann spätestens ab 2020 zu einer deutlichen Fachkräftelücke in der Elektro- und Informationstechnik führen.

Zimmer findet angesichts der neuen Zahlen warnende Worte auf der VDE-Pressekonferenz in Münchens feinem Hotel Bayerischer Hof: »Ausgerechnet in dem Zeitkorridor, in dem man mit deutscher Ingenieurkunst in wichtigen Zukunftsmärkten durchstarten sollte, könnten uns die dafür nötigen exzellent qualifizierten Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik fehlen«, warnt er.

Dabei seien die Zukunftsaussichten für Absolventen äußerst Erfolg versprechend. Laut VDE-Studie herrscht auf dem Arbeitsmarkt für Elektroingenieure mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent praktisch Vollbeschäftigung. Die Bundesländer Baden Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern haben die meisten offenen Stellen. Elektromobilität, Vernetztes Wohnen oder Telemedizin bieten exzellente Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten.

Die Arbeitslosenquote blieb auch während der Krise unter drei Prozent und werde bald auf unter zwei Prozent sinken. Besonders gesucht: Elektroingenieure im Bereich Engineering/Projektierung und Forschung/Entwicklung.