Was raten Experten? Neu im Team: Aller Anfang ist schwer

Als neuer Kollege in ein bestehendes Team einzutreten, heißt, auf einem schmalen Grat zu wandeln: Wer sich allzu schmiegsam gibt, wird als Schleimer geächtet, und wer sich auf Kosten der anderen profiliert, sitzt bald allein in der Kantine. Auch die goldene Mitte ist in diesem Fall nichts Halbes und nichts Ganzes. Was raten Experten?

Diplom-Ingenieur Müller-Lüdenscheidt wird herausgefordert. Bei der Begrüßung am ersten Tag fordert der Vorgesetzte den 27-Jährigen auf, energisch nach vorn zu preschen: »Offenbar haben Sie ja gute Ideen. Dann zeigen Sie uns mal, was Sie draufhaben. Nur keine falsche Zurückhaltung. Ran an den Speck.«

Den möchte Müller-Lüdenscheidt gerne haben, er weiß nur nicht so recht, wie er drankommen soll. Denn die Entwicklertruppe, der er nun schon seit acht Wochen angehört, schätzt es gar nicht, wenn einer den Kopf weiter als die anderen herausstreckt und sich als ehrgeizig zu erkennen gibt. Aus klimatischen Gründen hält sich Müller-Lüdenscheidt deshalb zurück.

Der Ingenieur kommentiert lieber die Vorschläge seiner Kollegen, als dass er eigene liefert. Bei Teammeetings lässt er den anderen den Vortritt. Er selbst findet sich in der Rolle des stillen Denkers gar nicht mal so übel. Bis ihn eine dahingeworfene Bemerkung des Chefs ins Grübeln bringt: »Sie haben sich so nahtlos in die Gruppe eingefügt, dass ich manchmal denke, Sie gehörten schon ewig zu uns.« Ist das jetzt gut oder schlecht?

»Eher schlecht«, urteilt die Frankfurter Personalberaterin Heide Huck ohne Erbarmen. »Von einem Neuen erwartet jeder Vorgesetzte einen zusätzlichen Input für das Team, sei es an Ideen, Fähigkeiten oder an Persönlichkeitsmerkmalen, die in der Gruppe bisher fehlten. Natürlich sollen die Leute nicht das Team sprengen. Aber Führungskräfte wollen eine positive Veränderung sehen, und wenn die ausbleibt, dann fragen sie sich, was die oder der Neue eigentlich bewirkt hat – abgesehen davon, dass sich die Arbeit auf mehr Hände und Köpfe verteilt.« Hätte sich der Neue also doch sturmspitzengleich ins Gefecht werfen sollen?