Markt&Technik Spitzentreffen Narzissmus - Spiegel unserer Gesellschaft?

Dem österreichischen Gerichtspsychiater und Neurologen Prof. Reinhard Haller ist keine Perversion fremd. Er untersuchte unter anderem den Inzest-Fall Josef Fritzl und das Attentat von Winnenden. Am zweiten Tag des »Markt&Technik Spitzentreffens« referierte er über die »Die Narzissmus-Falle« und erklärte, warum Narzissten heute ausgezeichnete Karrierechancen haben.

Nicht nur der moderne Internet-Konsum lässt manchmal in menschliche Abgründe blicken. Auch in Chefetagen lässt sich zuweilen Pathologisches finden. Hier die Zusammenschau der beiden Vorträge, die am zweiten Tag des »Markt&Technik Spitzentreffen« stattfanden.

Es gibt Bilder und Videosequenzen, die möchte man nicht sehen: ekelerregend, grausam, verstörend – man findet sie alle mühelos im Internet. Ein paar davon hatten die ersten beiden Referenten auf dem »Markt&Technik Spitzentreffen« am bayerischen Tegernsee eingebaut.

»Menschen sagen und machen Dinge im Internet, die sie in der Offline-Welt nicht würden«, erklärt Prof. Spörrle vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation an der TU München. Das erzeuge eine neue Dimension, sowohl im positiven Sinne als auch im negativen: Da trollt so mancher durchs Netz und lebt in der vermeintlichen Anonymität seine Neurosen enthemmt und nach Herzenslust aus, diffamiert, beleidigt, hetzt, lügt und mobbt.

Was in der Realität vermutlich schnell sanktioniert würde, nicht aber in den Weiten des Netzes.

Klar, fast jeder kennt Harmloses wie die lustigen Katzenvideos, die sich viral über facebook verbreiten. Aber Spörrle und sein »Sidekick«, Verlagsleiter Matthäus Hose zeigten auch Beispiele, die den Zuschauer im Konferenzsaal »Wessensee« etwas ratlos zurücklassen: Folterszenen in Computerspielen, die schon 10-jährigen bekannt sind - das Virtual-Reality-Computerspiel »Grand Theft Auto« beispielsweise gehört zu den meistverkauften Spielen überhaupt -, entwürdigende Darstellungen von Menschen, die den Fremdschäm-Reflex wecken, bis hin zu Grausamkeiten, auch unter Kindern.

Cyber-Mobbing, also die Diffamierung, Belästigung, Bedrängung oder Nötigung mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel ist mittlerweile ein drängendes Problem: Einer Studie der Universität Münster und der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2011 zufolge waren oder sind bereits 32 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Opfer von Cybermobbing, 21 % der Befragten können sich vorstellen, selbst Täter im Internet zu sein. Manche Opfer leiden so stark, dass sie sich umbringen, wie der Fall von Amanda Todd gezeigt hat.

Dass das Internet enthemmt, ist wissenschaftlich gut untersucht: You Can't See Me (invisibility), See You Later (asynchronicity), It's Just a Game (dissociative imagination), We're Equals (minimizing authority) und You Don't Know Me (dissociative anonymity): in der virtuellen Welt scheint die Moral manchmal über die Klippe zu springen.