Leistungselektronik Mit Power aus der Nische

Die 3,4-MW-WEA »3.4M104« von REpower Systems, ein Schwestermodell der »3.0M122«
Vor allem die Bereiche Energieeffizienz und Erneuerbare Energien ziehen Leistungselektronik-Spezialisten an - zum Leidwesen von "altgedienten" Branchen wie Aufzug, Schienenverkehr oder Weiße Ware. Den Elektroingenieur kann das freuen - seine Aussichten sind prächtig.

Über Jahrzehnte als Nischensegment für Spezialisten bekannt, hat sich die Leistungselektronik-Branche mit einem stetig wachsenden Anwendungsfeld dynamisch weiterentwickelt.

Ob Aufzug, Schienenverkehr, Antriebstechnik, Automotive-Anwendungen, Weiße Ware oder E-Mobility-Träume, ohne Leistungselektronische Lösungen würde sich unsere Arbeits- und Lebensumgebung wesentlich unkomfortabler gestalten. Der Bedarf an entsprechenden Spezialisten ist darum nicht nur im Bereich der angestrebten Energiewende ungebrochen. Über Jahrzehnte als Nischensegment für Spezialisten bekannt, hat sich die Leistungselektronik-Branche spätestens seit Ende der 1990er Jahre mit einem stetig wachsenden Anwendungsfeld dynamisch weiterentwickelt.

Verantwortlich dafür war die fortschreitende Durchdringung ursprünglich mechanischer, pneumatischer oder mechatronischer Lösungen mit immer kompakteren und performancestärkeren Leistungshalbleiterlösungen. Ob es um die Regelung von Elektromotoren und damit beispielsweise um die Inverterisierung der Weißen Ware geht, oder die leistungselektronische Komplettierung und Optimierung des Autos im Hinblick vor allem auf Komfort und Antriebsstrang, die Entwicklungsanstrengungen in Richtung E-Mobility, oder um effiziente Energieerzeugung und –management, ohne entsprechende Leistungselektronik wäre dies ein hartes Brot.

»Ohne intelligente Leitungshalbleiter kann die Energiewende nicht gelingen«, so die Überzeugung von Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon Technologies. Er hat seinen Worten auch Taten folgen lassen. Infineon stiftete nicht nur einen Lehrstuhl für Leistungselektronische Systeme an der TU München, das Unternehmen wird ab diesem Jahr auch als weltweit erstes Unternehmen in Villach und Dresden CoolMOS-Produkte und zu einem späteren Zeitpunkt IGBTs auf 300-mm-Dünnwafern produzieren. Eine Entwicklung, die so vor einigen Jahren wohl nur die Wenigsten für möglich gehalten hätten.

»Wer sich für eine Tätigkeit im Bereich Leistungselektronik entscheidet«, so Thomas Grasshoff, Leiter Produktmanagment bei Semikron, »trifft eine Entscheidung für eine krisensichere, zukunftsfähige Fachrichtung«. Dass es in den letzten Jahren noch einmal schwieriger geworden ist, trotz der guten Einkommensmöglichkeiten Interessenten für freie Stellen zu finden, führt er vor allem auf den wachsenden Bedarf im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zurück. Eine gewisse Entlastung haben hier nach seinen Erfahrungen Ingenieure aus Osteuropa und Spanien gebracht.

 

Dass die Zahl der Interessenten bei weitem nicht den Bedarf der Firmen deckt, bestätigt auch Werner Obermaier, Head of Product Marketing bei Vincotech. Nach seiner Einschätzung, wird der Bedarf an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern auch in Zukunft das Angebot an Interessenten aller Voraussicht nach überschreiten. »Da Wissen in der analogen Schaltungstechnik im Allgemeinen und in der Leistungselektronik im Besonderen nicht so schnell altert, wie in der Digitaltechnik«, betont Obermaier, »steigert Erfahrung in diesem Marktsegment den Marktwert«.

Für Wolfgang Ademmer, CEO von CT-Concept Technologie, spitzt sich die Suche nach entsprechend qualifizierten Fachleuten vor allem für kleinere, mittelständische Unternehmen zu. Hier führt der Weg zum neuen Wunschmitarbeiter im Allgemeinen nur über Personalvermittler oder Headhunter, in manchen Fällen helfen auch Online-Portale. Von der weiterhin dynamischen Entwicklung im Leistungselektronik-Bereich zeigt auch er sich überzeugt: »Leistungselektronik ist eine Schlüsseltechnologie, um den angestrebten Wandel von einer verbrauchenden zu einer regenerativen Energieerzeugung zu gestalten«!

Ob Projektleitung oder möglicher Weise Führungsaufgaben, bei mittelständischen Unternehmen, wie etwa Stromversorgungsherstellern, warten interessant Aufgaben auf Leistungselektroniker. »Bei der Suche nach entsprechend qualifizierten neuen Mitarbeitern, müssen sich die Unternehmen mit ihrer Ausrichtung auf die Generation Y einstellen und das Angebot entsprechend anpassen«, weiß Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile zu berichten, »Work-Live Balance, unkomplizierte und zudem flache Hierarchien sind da nur als einige entscheidende Kriterien für den Interessenten zu nennen«.

Dass die Dynamik des Leistungselektronik-Bereichs derzeit auch »Unfälle« verzeiht, zeigt das Beispiel des amerikanischen SiC-JFET-Pioniers SemiSouth. So hatte der ehemalige Senior Vice President Sales & Marketing, Dieter Liesabeths, für das Unternehmen bis zur Mitte letzten Jahres ein Team von sechs Mitarbeitern am Standort München aufgebaut. Nach dem Aus von SemiSouth Ende letzten Jahres dürfte nicht nur Liesabeths, der nun als Director Power Sales EMEA bei Cree tätig ist, relativ problemlos eine neue Tätigkeit im Leistungselektronik-Bereich gefunden haben. (eg/sc)