Persönlichkeiten Mit Paranoia zum Boss

Ein gewisses paranoides Verhalten kann für Führungskräfte durchaus eine positive Eigenschaft sein.
Ein gewisses paranoides Verhalten kann für Führungskräfte durchaus eine positive Eigenschaft sein.

Paranoia fördert den beruflichen Aufstieg. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Niels Van Quaquebeke, Professor an der Kühne Logistics University (KLU). Das hohe Misstrauen anderen gegenüber und die damit einhergehende ständige Aufmerksamkeit helfen Menschen aufzusteigen.

»Merkmale einer paranoiden Persönlichkeit sind unter anderem das Gefühl, von anderen hintergangen und ausgenutzt zu werden. Die Betroffenen vermuten überall um sie herum feindselige Haltungen ihnen gegenüber«, erklärt Van Quaquebeke.

Das führt zu einer genauen Beobachtung der sozialen Umgebung und einer häufig wechselnden Einteilung in Freund und Feind. Paranoide Menschen sind bestrebt, Beziehungen so zu managen, dass ihre vermeintlichen Widersacher wenig Angriffspunkte haben.

Und das hilft der Karriere, sagt Van Quaquebeke: »Um nach oben zu kommen, muss man sich einerseits immer wieder richtig positionieren. Andererseits ist es aber auch wichtig, sich aus Situationen heraus zu halten, die schädlich für die Karriere sein können. Beides gelingt Menschen mit paranoiden Wesenszügen besonders gut.«

In seiner Studie hat Van Quaquebeke 441 Angestellte in unterschiedlichen Bereichen über ein halbes Jahr hinweg befragt. Sie beantworteten Fragen zu ihrer Position im Unternehmen und zu der Zahl ihrer Mitarbeiter. Darüber hinaus füllten sie einen Fragebogen zu paranoiden Vorstellungen aus. Das Ergebnis: Höhere Grundwerte in paranoider Persönlichkeit sagten den Aufstieg im Unternehmen voraus.

Paranoide besser auf Digitalisierung vorbereitet?

»Ein gewisses paranoides Verhalten kann für Führungskräfte durchaus eine positive Eigenschaft sein«, stellt Van Quaquebeke klar. »Paranoiker sind ständig auf das Schlimmste gefasst und entwickeln Strategien, um sich dagegen zu wappnen.« 

Das kann sich auf das Verhalten von Mitarbeitern und Kollegen beziehen, auf die Absichten von Geschäftspartnern oder auf vermeintliche Sabotageversuche am Unternehmen und seinen Produkten.

Als Beispiel für eine paranoide Führungspersönlichkeit nennt Van Quaquebeke den früheren Intel-Chef Andrew Grove. Dieser habe sich permanent Gedanken über die Qualität der Produkte, die Leistungsfähigkeit der Fabriken, die Arbeitsmoral seiner Angestellten und die Pläne seiner Konkurrenten gemacht. Und sei damit für viele Situationen bereits im Vorwege gerüstet gewesen.

»Die Wirtschaftswelt wird immer unsicherer«, konstatiert Van Quaquebeke, »wir sehen Wirtschaftskrisen, globalen Wettbewerb, und neue disruptive technologische Entwicklungen. Menschen mit paranoiden Eigenschaften sind auf solche Herausforderungen häufig besser vorbereitet, weil sie in Gedanken diese Szenarien schon durchgespielt haben.«

Die Forschungsarbeit können Sie hier in Englisch studieren.