Bosch Mindestalter: 60

Mittlerweile sind bei Bosch 880 Pensionäre über 60 weltweit im Einsatz. Sie erwirtschafteten letztes Jahr 13 Millionen Euro.

Vor zehn Jahren gründete Bosch den »Bosch Management Support« (BMS) - mit dem Ziel, das Wissen von Bosch-Pensionären zwischen 60 und 75 Jahren weiterhin nutzen zu können. Letztes Jahr gab es 580 Einsätze mit insgesamt mehr als 20.000 Beratertagen für die ergrauten Experten. Boschs Senioren sind überall dort gefragt, wo es bei Engpässen kurzfristigen, aber sehr professionellen Bedarf gibt. Dies kann beim Anlauf einer Fertigungslinie in einer Auslandsgesellschaft, bei der Reorganisation des Rechnungswesens in einem Geschäftsbereich oder der Qualitätssicherung in einer Produktionsstätte sein.

All diese früheren Bosch-Beschäftigten, vom Meister bis zum Manager, haben gemeinsam, dass sie freiwillig, professionell und gut vernetzt an ihre Aufgabe gehen. Spezifisches Fach- und Führungswissen, fundierte Kenntnis des Unternehmens und der Kultur ermöglichen ihnen, bei Beratungsaufträgen gleich voll einzusteigen – lange Einarbeitungszeiten sind hinfällig.
Die zusammengezählt 26.000 Jahre Know-how der Pensionäre bringen Bosch viel. Die Abteilungen würdigen vor allem die Kompetenz der ehemaligen Kollegen. »Jeder verfügt über 30 bis 40 Jahre Bosch-Erfahrung. Dies ist ein unschätzbarer Wert, den wir unbedingt so lange wie möglich an Bord halten wollen«, sagt Dr. Alfred Odendahl, der sich zusammen mit Thomas Heinz die Geschäftsführung von BMS teilt. Beide sind selber Bosch-Pensionäre und üben ihr Amt in Teilzeit aus.

Die Vorteile des deutschlandweit einzigartigen Ansatzes: Schlüsselqualifikationen und Erfahrung bei Bosch bleiben im Haus, aktive Senior-Experten erfahren Wertschätzung nach ihrer Pensionierung, geringere Honorarsätze als die externer Beratungen helfen, die Kosten für Beratungsleistungen im Rahmen zu halten und die BMS-Experten verdienen noch nebenbei.

Auf die begehrte Dienstleistung können weltweit nur Bosch-Bereiche zurückgreifen. Neben speziellem Expertenwissen der Berater können dadurch auch vorübergehende Kapazitätsengpässe abgedeckt werden, häufig zur Unterstützung von jüngeren Kollegen am Standort. Daraus entsteht ein generationenübergreifender Austausch im Sinne gemeinsamen Lernens. Während die Jungmanager den Älteren etwa neue Software besser vermitteln können, haben die erfahrenen BMS-Experten oft jahrelange Routine in Führungs-, Motivations- und Fachfragen.

Entscheidend für den Erfolg einer solchen Organisationseinheit sei aber auch die Unternehmenskultur. Odendahl: »Alter ist in unserem Unternehmen mit Erfahrung und damit positiv besetzt. Wo dies nicht der Fall ist, kann ein solcher Ansatz auch nicht funktionieren.«

Es war Tilman Todenhöfer, seinerzeit neben Hermann Scholl stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Bosch-Gruppe, der die BMS maßgeblich mit ins Leben gerufen hat. Bevor BMS aber 1999 an den Start gehen konnte, lag eine harte Wegstrecke vor den Initiatoren, besonders das deutsche Sozialversicherungsrecht. Ein Jahr lang mussten Fragen zur Krankenversicherungspflicht, Hinzuverdienstgrenzen, Antragsfristen geklärt und andere Holpersteine aus dem Weg geräumt werden, bevor die Manager an die Arbeit gehen konnten.

Neben dem Sitz in Leonberg bestehen nunmehr Niederlassungen in Lohr am Main, Wetzlar, Denham (UK) und Broadview (USA). Die weitere Internationalisierung ist eines der wichtigsten Zukunftsziele: »Wir wollen die Vorteile von BMS auch in andere Märkte tragen und streben daher weitere Standbeine etwa in Indien, Japan und Brasilien an«, so Odendahl.