Stellenmarktanalyse West-Ost Mehr Vakanzen im Osten

Eine Analyse vergleicht den Arbeitsmarkt in West und Ost 27 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung. Ergebnis: Während in westdeutschen Ländern vor allem hoch qualifizierte Fachkräfte begehrt sind, sind es in Ostdeutschland Ausbildungsberufe.

Den deutschen Arbeitsmarkt im West-Ost-Vergleich hat die Meta-Jobsuchmaschine Joblift zum Tag der Deutschen Einheit untersucht.

Demnach enstehen in einem westdeutschen Bundesland im Schnitt dreimal so viele Jobs wie in einem ostdeutschen, jedoch nehmen die Vakanzen in den neuen Bundesländern mit knapp 43 Prozent stärker zu.

Zudem sind die Signale für den ostdeutschen Arbeitsmarkt der Untersuchung zufolge positiv: dortige Beschäftigungsverhältnisse sind in der Regel weniger prekär als westdeutsche.

Während in westdeutschen Ländern vor allem hoch qualifizierte Fachkräfte wie Softwareentwickler begehrt sind, sind es in Ostdeutschland vorrangig Ausbildungsberufe, etwa in der Pflege, die auf hohe Nachfrage stoßen. 

In den drei Stadtstaaten stagniert der Stellenmarkt nahezu, während er in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Saarland um rund 3 % jeden Monat wächst.

Insgesamt wurden in westdeutschen Bundesländern in den letzten 24 Monaten 12.551.199 Stellen ausgeschrieben, wohingegen in ostdeutschen Bundesländern 2.115.495 Jobanzeigen geschaltet wurden. Die Inserate der Hauptstadt wurden aufgrund der nicht eindeutigen Zuordnung von der Analyse ausgeschlossen.

Pro Bundesland wurden in Ostdeutschland im beobachteten Zeitraum durchschnittlich 423.099 Jobanzeigen veröffentlicht, in Westdeutschland waren es 1.255.120, also dreimal so viele Ausschreibungen.

Nichtsdestotrotz weist der ostdeutsche Arbeitsmarkt eine überraschende Dynamik auf: Eine Untersuchung der Wachstumsraten hat ergeben, dass ostdeutsche Vakanzen in den letzten beiden Jahren um durchschnittlich 2,0 % jeden Monat anstiegen. In westdeutschen Ländern betrug die Zunahme indes lediglich 1,4 %.

Die größte positive Stellenentwicklung fand im Saarland (3,3 %), in Sachsen-Anhalt (2,9 %) sowie in Brandenburg (2,7 %) statt, wohingegen der Zuwachs in Berlin und Hamburg mit je 0,4 % sowie in Bremen mit 0,3 % am geringsten ausfiel.

Darüber hinaus kann man deutliche Unterschiede feststellen, was die Nachfrage nach bestimmten Berufen angeht: Während in den neuen Bundesländern vor allem Ausbildungsberufe gefragt sind, stehen in den alten Ländern gut ausgebildete Fachkräfte hoch im Kurs. Mechaniker (5,0 %), Pflege- (3,6 %) sowie Verkaufskräfte (3,0 %) bildeten in Ostdeutschland dementsprechend die beliebtesten Berufsgruppen.

Im Westen erfahren Softwareentwickler (4,0 %), Mechaniker (3,8 %) und Ingenieure (3,5 %) die größte Nachfrage. Diese Verteilung spiegelt sich auch in den geforderten Ausbildungsgraden wider. So setzen 25,6 % der ostdeutschen Stellenanzeigen ein Studium voraus und 54,6 % alternativ oder stattdessen eine Berufsausbildung.

In den alten Bundesländern beträgt dieses Verhältnis 30,6 % zu 51,6 %.
Ostdeutsche Anstellungen sind 55 % häufiger unbefristet als westdeutsche

Auch wenn ostdeutsche Bundesländer aktuell deutlich weniger Jobs hervorbringen, scheinen diese stabilere Verhältnisse mit sich zu bringen.

Zwar geben nicht alle Ausschreibungen Auskunft über die Art des Vertrags und der Beschäftigung, jedoch stellen 47,1 % der westdeutschen Inserate ausdrücklich eine Vollzeitposition in Aussicht, bei den ostdeutschen betrifft dies 58,0 % der Anzeigen.

Auf ähnliche Weise sind 29,3 % der Anstellungen in Westdeutschland eindeutig unbefristet, wohingegen es in den neuen Bundesländern 45,4 % sind. Auch geringfügige Beschäftigungen liegen im Westen vorne: 3,6 % der Ausschreibungen beziehen sich explizit auf einen Minijob, im Osten beträgt diese Quote 2,6 %.