Gesundheit Mehr Autonomie für mehr Lebensqualität

Wie zufrieden sind die Menschen in Deutschland?
Wie zufrieden sind die Menschen in Deutschland?

Wie beeinflusst der Arbeitsplatz die Lebensqualität und was machen moderne Techniken mit den Mitarbeitern? Eine neue Studie liefert Antworten. Ein Ergebnis: Die Deutschen sind eigentlich zufrieden mit ihrem Leben.

Die Deutschen schätzen ihre Lebenszufriedenheit weitestgehend positiv ein. Für 49,4 % aller berufstätigen Deutschen entspricht das Leben in den meisten Bereichen ihren Idealvorstellungen. Weitere 33,9 % stimmen dieser Aussage zumindest teilweise zu. Das geht aus einer Studie der Universität St. Gallen unter Leitung von Professor Dr. Stephan Böhm hervor. Für die Studie »Lebensqualität und Lebenszufriedenheit von Berufstätigen in der Bundesrepublik Deutschland« wurden mehr als 8.000 deutsche Arbeitnehmer befragt. Initiatoren der Studien waren die Krankenkasse Barmer und Axel Springer. 

Quelle der Lebenszufriedenheit ist für viele Menschen die Arbeit - aber nicht für alle: Jeder Fünfte sei mit seiner Arbeit gar nicht zufrieden. Die Ergebnisse zeigen auch, die positiven Einschätzungen seien keine Selbstläufer. Unternehmen, Arbeitgeber und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sozialpartner und Politik müssten gemeinsam daran arbeiten, die Arbeitswelt von morgen menschlicher zu gestalten, so Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. 

Insgesamt spielen die Unternehmen bei der Förderung der Lebenszufriedenheit eine wichtige Rolle, so die Studie. Dabei sind weniger die beruflichen Anforderungen ausschlaggebend, sondern die beruflichen Ressourcen. Das heißt: Flexible Arbeitszeiten, eine gute Beziehung zum Chef oder die Möglichkeit selbstbestimmt arbeiten zu können, stärken die Lebenszufriedenheit erheblich. »Betriebe können auch in kompetitiven, von Digitalisierung und technischem Wandel geprägten Umfeldern die Lebenszufriedenheit ihrer Beschäftigten aktiv fördern, so Professor Dr. Stephan Böhm vom Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen. Hierzu müssen sie deren Autonomie stärken, die Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und -zeit ausbauen und die Führungskräfte sensibilisieren und trainieren.«

Arbeit und Privatleben trennen

Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind ebenfalls bedeutende Belastungsfaktoren. So berichten nur 38 % der Beschäftigten, die diskriminiert worden sind, dass ihr Leben ihren Idealvorstellungen entspricht. Bei Teilnehmern ohne diese Erfahrung sind es dagegen 51,7 %. Einen hohen Stressfaktor stellt auch der Druck dar, durch Technologie deutlich schneller arbeiten zu müssen. Von denjenigen, die diesen Druck empfinden, sagen 53,5 %, dass sie emotional erschöpft sind. Außerdem gilt: Arbeit und Privatleben müssen voneinander abgegrenzt werden können. Eine ständige arbeitsbezogene Kommunikation in der Freizeit trägt zu Schlafproblemen bei und vermindert damit wesentlich die Lebenszufriedenheit der Berufstätigen.   

Eine höhere berufliche Stellung und damit ein höheres Einkommen haben laut Studienergebnissen einen positiven Einfluss auf Zufriedenheit und Gesundheit. Während nur 37,9 % der Beschäftigten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro im Monat ihr Leben ideal empfinden, sind es bei den Topverdienern mit mehr als 4.000 Euro im Monat 70,2 %. Der Geld-Faktor ist aber nur ein Eckpfeiler für das Lebensglück. Ein stabiles soziales Umfeld mit Familie, Kindern und Freunden trägt ebenfalls maßgeblich zum Erhalt von Gesundheit und Zufriedenheit bei. Der familiäre Anker ist wichtig: Bei geringer Unterstützung sind nur 26,2 % mit ihrem Leben zufrieden, bei hohem Beistand 57,8 %. Gerade Kinder sind keine Belastung, sondern Ausgleich und emotionale Stabilität. Sie führen nicht zu erhöhter emotionaler Erschöpfung oder mehr Stress: 55,2 % aller Teilnehmer mit Kindern gaben an, mit dem Leben zufrieden zu sein, nur 46,9 % der Kinderlosen waren derselben Meinung.

Die gesamte Studie können Sie hier runterladen.