Konjunktur Maschinenbau zwischen Sorge und Euphorie

Ein Mitarbeiter des Maschinenbauers Schuler AG reinigt am 03.03.2017 in Göppingen (Baden-Württemberg) ein Exzenterrad. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer rechnen auch 2018 mit einem Produktionsplus von drei Prozent.
Ein Mitarbeiter des Maschinenbauers Schuler AG reinigt ein Exzenterrad. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauern geht es prächtig, doch es gibt Risiken.

Die Erholung der Weltwirtschaft kurbelt die Geschäfte der Maschinenbauer an, der Branche geht es so gut wie seit Jahren nicht. Trump, Brexit und Fachkräftemangel drücken jedoch auf die Stimmung.

Deutschlands Maschinenbauer stehen so gut da wie seit einigen Jahren nicht mehr. 2017 füllten sich die Auftragsbücher der exportorientierten Branche kräftig - allein im November stiegen die Bestellungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 14 Prozent. Selbst das zeitweise schwächelnde Inlandsgeschäft kam zuletzt in Schwung. Doch es gibt auch viele Unwägbarkeiten im In- und Ausland, wie VDMA-Präsident Carl-Martin Welcker jüngst sagte.

Chancen

  • Inland: Die deutsche Konjunktur läuft auf Hochtouren. Manche Unternehmen arbeiten bereits an der Grenze der Auslastung und müssen in Maschinen und Anlagen investieren, um die wachsende Nachfrage nach ihren Produkten zu befriedigen. Das Inlandsgeschäft zieht an. Der Anstieg sei angesichts der Kapazitätsauslastung der deutschen Industriekunden «längst überfällig, aber zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auch dringend notwendig», erläutert VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.
  • Export: Die Weltwirtschaft wächst kräftig. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem und dem kommenden Jahr mit einem globalen Wirtschaftswachstum von jeweils 3,9 Prozent - das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als zuletzt im Oktober prophezeit und auch mehr als in den Vorjahren. «Alle Zeichen deuten auf Wachstum hin», sagte IWF-Chefin Christine Lagarde jüngst. Davon profitieren auch die exportorientierten Maschinenbauer.
  • Digitalisierung: Viele der älteren Maschinen und Anlagen der Kunden sind nach Einschätzung der Branche für die Digitalisierung nicht hinreichend gerüstet. Die Maschinenbauer hoffen daher auf steigende Nachfrage. Eine Studie der Commerzbank bescheinigte den Branche vor kurzem: «Die Mehrheit der deutschen Maschinenbauer sind Anbieter technisch komplexer und hoch spezialisierter Systemlösungen.» Die Einführung von Industrie-4.0-Lösungen - der Einsatz von Software, etwa zur vollautomatischen Steuerung und Vernetzung von Maschinen - werde derzeit als Kernaufgabe in vielen Unternehmen angesehen. Die Digitalisierung ermögliche neue Geschäftsmodelle für den Maschinenbau. Eine Voraussetzung dafür ist aus Sicht der Branche aber der flächendeckende Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes in Deutschland, das die Übertragung von Daten in Echtzeit ermöglicht.

Risiken

  • Wirtschaftliche Abschottung: US-Präsident Donald Trump macht seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr Front gegen den Freihandel. Schritt für Schritt setzt die US-Regierung ihre «America First»-Politik um. Zuletzt verhängte Washington hohe Einfuhrzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule. Dies wurde als direkter Angriff auf die großen Produzenten-Länder China und Südkorea gewertet. Die deutsche Industrie ist beunruhigt: «Ein eskalierender Handelsstreit zwischen den USA und China könnte den gesamten Welthandel und insbesondere Deutschland als große Exportnation empfindlich treffen», warnt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. Für die deutschen Maschinenbauer sind die USA der wichtigste Einzelexportmarkt. «Wir müssen alles dafür tun, damit es nicht zur einer Spirale des Protektionismus kommt», mahnt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
  • Brexit: Ein reibungsloser Abschied Großbritanniens von der EU (Brexit) wird nach Ansicht des VDMA immer unwahrscheinlicher. «Die schleppenden Verhandlungen geben bislang kaum Anlass zu der Hoffnung, dass am Ende der Gespräche mehr als ein einfaches Freihandelsabkommen steht», warnt Brodtmann. Nach Berechnungen des Verbandes drohen bei einem Ausscheiden Londons aus der Zollunion beim Export von Maschinen «Made in Germany» in das Land Zusatzkosten von mehr als 180 Millionen Euro im Jahr. Hinzu kämen Belastungen für den Import von Maschinen aus dem Vereinigten Königreich in Höhe von 44 Millionen Euro jährlich sowie zusätzliche Kosten für die Einfuhr von Komponenten aus britischer Produktion.
  • Fachkräftemangel: «Die anhaltend hohe Nachfrage nach technischen Fachkräften, IT-Spezialisten oder Ingenieuren führt für unsere Unternehmen immer häufiger zu Engpässen in der Mitarbeitersuche», klagt VDMA-Chef Welcker. Ende 2017 gab es nach Schätzungen des Verbandes insgesamt 27 000 offene Stellen im Maschinenbau. Nach früheren Prognosen müssen bis 2025 allein rund 32 000 Ingenieur-Stellen wiederbesetzt werden. Vor allem von 2020 an rechnet die mittelständisch geprägte Branche mit steigendem Bedarf, weil die geburtenstarken Jahrgänge dann in Rente gehen. Zudem brauchen viele Unternehmen zusätzliche Ingenieure.