Widerstand gegen 28-Stunden Woche »Marktfremd und praktisch nicht umsetzbar«

Sebastian Döberl, Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Bayern e.V.
Sebastian Döberl, Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Bayern e.V.

Anlässlich der Pilot-Einigung der Metaller in Südwest formiert sich Widerstand in Bayern. So lehnen die Wirtschaftsjunioren Bayern e.V. eine pauschale tarifliche Vereinbarung zu der Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden strikt ab.

 Die Junge Wirtschaft in Bayern sieht das Ergebnis der Metall-Tarifverhandlungen »mit großer Besorgnis«.

Sebastian Döberl, Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Bayern e.V., lehnt eine pauschale tarifliche Vereinbarung zu der Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden, wie kürzlich in den Verhandlungen der IG Metall in Baden-Württemberg beschlossen, strikt ab.

Vielmehr sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuelle Vereinbarungen treffen, welche auf die jeweilige Situation zugeschnitten werden.

Grundsätzlich sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern: »Wir sind grundlegend für eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf«, so Döberl.

»Aber es muss ein Weg gefunden werden, die individuellen Bedürfnisse der Arbeit-nehmer mit den betrieblichen Erfordernissen in einen sinnvollen Einklang zu bringen. Eine Pauschallösung greift hier viel zu kurz.«

Die Kinderbetreuung und Pflege von kranken Eltern würden zunehmend wichtiger. So ist laut einer aktuellen Studie jeder Elfte mit der Pflege eines Angehörigen beschäftigt - und das neben dem Beruf. Eine klare Einigung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber mithilfe eines tragbaren Konzeptes für alle Seiten sei notwendig, diese muss aber so individuell sein wie die Situation selbst, sagen die Wirtschaftsjunioren.
 
Für die aktuelle Einigung im Tarifstreit findet Döberl klare Worte: So eine Regelung dürfe nicht tariflich geschehen. Es müsse Arbeitnehmern und Arbeitgebern selbst überlassen werden, sich zu einigen. Eine generelle Forderung von einer 28 Stunden-Woche mit teilweise gleichzeitigem Lohnausgleich halte Döberl für »nicht umsetzbar« und »marktfremd«. Auf lange Sicht könne solch eine Regelung »bei der aktuellen Auftragslage die Stabilität einer der Säulen unseres Mittelstands gefährden.«
 
Mehrheit der Arbeitnehmer sei laut Studie zufrieden

Döberl nennt eine Studie  aus 2017 des Bundesamtes für Statistik, wonach 9 von 10 Arbeitnehmern mit ihrer Situation zufrieden seien. »Von 29 Mio. Erwerbstätigen in Vollzeit sind über 90% mit ihrer Wochenarbeitszeit zufrieden. Bei den Teilzeit-Beschäftigten sind immerhin 46% mit ihren Wochenstunden zufrieden (Baua Arbeitszeitreport 2016). Die jungen Unternehmer und Führungskräfte setzen auf flexible und betriebliche Vereinbarungen. Denn die Arbeitszeitwünsche hängen stark von der jeweiligen Lebensphase und individuellen Situation ab.«

Die Wirtschaftsjunioren Bayern e.V. sind mit über 4.500 jungen Unternehmern und Führungskräften unter 40 Jahren der größte Landesverband der Wirtschaftsjunioren Deutschland e.V., der mit über 10.000 Mitgliedern und einer Wirtschaftskraft von mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz nach eigenen Angaben als »die Stimme der jungen Wirtschaft»« gilt. Die jungen Unternehmer verantworten rund 300.000 Arbeits- und 35.000 Ausbildungsplätze in 214 Kreisen, 62 davon in Bayern.