Erfahrungen von Ingenieuren mit Leiharbeit und Werkverträgen "Man sprach nicht offen über sein Gehalt"

40 Prozent Preisaufschlag in der Kantine für Externe, arrogantes Auftreten der Festangestellten, Abstriche bei der Bezahlung - als Leihingenieur beim OEM hat man es nicht immer leicht. Zwei Erfahrungsberichte.

Daniela Schubert (Name ist der Red. bekannt) beendete 2007 ihr Studium der Elektrotechnik und fing im Anschluss bei einem Ingenieurdienstleister an, der seine Mitarbeiter in ganz unterschiedliche Branchen vermittelte.

„So verschlug es mich 2009 zu einem Entwicklungsdienstleister, der Unterstützung brauchte für seine Tätigkeiten bei einem großen OEM aus Köln. Das Team, welches sich dieser Entwicklungsdienstleister „zusammen gecastet“ hatte, bestand zu Spitzenzeiten aus ca. 20 Personen, die von 6 bis 7 verschiedenen Ingenieurdienstleistern stammten. Man sprach nicht offen über sein Gehalt, aber allen war klar, dass man weit weniger verdiente als ein direkt beim OEM angestellter Ingenieur.“, erzählt Schubert.

Manche Kollegen hätten den Ingenieurdienstleister alle paar Monate gewechselt, „um für sich das finanzielle Optimum herauszuholen“, sagt Schubert. Dadurch habe es eine hohe Fluktuation im eigenen Team gegeben, immer wieder gingen Information und angeeignetes Wissen verloren und musste neu erarbeitet werden.

Da die Arbeit für sie aber sehr interessant und lehrreich war, war Schubert das Geld nicht so wichtig. „Viel schlimmer war die Art und Weise, wie man beim OEM behandelt wurde“, erinnert sie sich. „Wir redeten untereinander von einer Mehrklassengesellschaft mit einer bestimmten Hierarchie. An erster Stelle standen die Ingenieure des OEMs, danach kamen Ingenieure der Ingenieurdienstleister, die direkt beim OEM beschäftigt waren, dann die Ingenieure der Entwicklungsdienstleister und dann „wir“, vom Ingenieurdienstleister an den Entwicklungsdienstleister überlassen Arbeitskräfte.

In einem Großraumbüro saßen wir mit bis zu acht Personen in einem Cubicle, der normalerweise beim OEM von maximal vier Personen belegt wird. Im Labor an den „Yellow Boards“ wo wir arbeiteten, musste man sich mit zwei Kollegen einen kleinen Schreibtisch teilen und saß auf uralten Stühlen, die sich in keiner Form auch nur irgendwie verstellen ließen. Die OEM Kollegen saßen dabei immer auf den neuesten ergonomisch einzustellenden Stühlen.“

Weiter ging es bei der Verpflegung: Die günstigen Preise in Kantine und Cafeteria waren den OEM Kollegen vorbehalten. Alle anderen externen Kräfte hätten für die gleichen Speisen einen Aufschlag von 40 Prozent bezahlt, erzählt Schubert. „Ich hatte das Gefühl, dass bei diesem OEM sehr viel Wissen ausgelagert wurde Schätzungsweise waren ca. 50 Prozent der Ingenieure an diesem Entwicklungsstandort externe Kräfte, also nur gut die Hälfte direkt beim OEM beschäftigt. Dadurch muss ja zwangsläufig Wissen auf der Strecke bleiben und verloren gehen.“

Schubert sah für sich keine Chance, beim OEM festangestellt unter zu kommen, wollte aber weg vom Ingenieurdienstleister. Sie kam schließlich als Quereinsteiger in der Klimabranche unter und arbeitet heute nur noch 35 Stunden statt 40, „mit wesentlich mehr Annehmlichkeiten und einer höheren Vergütung viel entspannter als früher.“