Mit Spielraum nach oben: Ingenieursgehälter in Ostwestfalen-Lippe »Man bekommt hier mehr für sein Gehalt«

Anja Galka-Jürgens, Senior Personalberaterin bei Jobware.
Anja Galka-Jürgens, Senior Personalberaterin bei Jobware.

Wie ist das Gehaltsniveau für Ingenieure in OWL verglichen mit anderen Regionen in Deutschland? Die Personalberater Anja Galka-Jürgens, Senior Personalberaterin bei Jobware und Arno Bokelmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Personalberatung, beide Paderborn, geben Auskunft.

K-Ing.: Wie verdient man denn so in der Region Paderborn?

Anja Galka-Jürgens: Es gibt in Deutschland ein Nord-Südgefälle und innerhalb Nordrhein-Westfalens ein Ost-Westgefälle sowohl bei den Lebenshaltungskosten als auch bei den Gehältern. Das bedeutet: In Ballungszentren wie München sind die Gehälter höher, aber eben auch die Lebenshaltungskosten, speziell die Mieten.  In OWL kann man sich von seinem Gehalt mehr leisten. Die Einstiegsgehälter von Ingenieuren in OWL liegen mit knapp 40.000 Euro im normalen deutschen Durchschnitt. Bei Berufserfahrenen kommt es auf die Tätigkeit, die Branche und das Unternehmen an, auch da liegt OWL im deutschen Durchschnitt. Für Spezialisten, die nicht einfach zu bekommen sind, greifen die Unternehmen auch tiefer in die Tasche.

Arno Bokelmann: Das Gehaltsniveau ist vergleichbar mit dem in Leverkusen, Köln oder Dortmund. Viele Unternehmen sind tarifgebunden und zahlen nach dem Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen. Im außertariflichen Bereich ist die Grenze nach oben offen, ebenso in Nischen oder bei besonders schwer zu besetzenden Positionen. Ein Ingenieur mit Berufserfahrung kann gut über 60.000 Euro verdienen, zuzüglich Gratifikationen wie Firmenwagen zur Privatnutzung oder betriebliche Altersvorsorge. Gerade letztere ist hier in OWL weit verbreitet.

Welche Argumente fahren Sie auf, wenn Sie Kandidaten für Ihre Kunden in OWL gewinnen möchten?

Anja Galka-Jürgens: OWL ist eine der stärksten Maschinenbauregionen Europas und liegt verkehrsgünstig an der A2 und der A44, der Flughafen ist Paderborn-Lippstadt. Es gibt praktisch keine Staus, lange Anfahrtszeiten zur Arbeit entfallen also. Die überschaubaren Städte bieten ein sehr aktives Kultur- und Freizeitleben mit vielen Naherholungszentren, denn die sehr wald- und seenreiche  Region ist ja auch Urlaubsgebiet. Immobilien und Mieten sind erschwinglich, die kurzen Wege zum städtischen und ländlichen Leben machen OWL sehr familienfreundlich. Und nicht zuletzt gibt es eine sehr ausgeprägte Schul- und Hochschullandschaft.

Arno Bokelmann: Es gibt viele Gründe, sich für OWL zu entscheiden. Wir sind unter anderem hier, weil Automatisierungstechnik in OWL zuhause ist und weil kein Auto dieser Welt ohne Teile aus OWL über die Straßen fährt. Weil es in der Mitte Deutschlands liegt und man hier – in einer der schönsten Gegenden Deutschlands - einfach angenehm leben und arbeiten kann!

Firmen in OWL suchen dringend Maschinenbau- und Elektroingenieure – welche Positionen sind besonders gesucht?

Anja Galka-Jürgens: Wir suchen gerade Ingenieure für den technischen Vertrieb oder technische Beratung, z.B. aus dem Maschinenbau oder der Elektrotechnik. Sie sollten kommunikativ sein: den Kunden die Technik erklären und verkaufen können! Auch Projektingenieure suchen wir, die effiziente Prozesse und Fertigungen sicherstellen sollen. Benötigt werden auch Ingenieure der Elektrotechnik oder Elektronikentwickler sowie Informatiker für die Hardware- und Softwareentwicklung.

Arno Bokelmann: Besonderen Bedarf haben wir und unsere Partner momentan insbesondere im Bereich Neue Energien. Ein wachstumsstarkes Marktsegment mit großer Nachfrage nach Ingenieuren jedweder Couleur. Für Softwareentwickler haben wir ebenso eine ganze Menge attraktiver Stellen im Angebot - Gleiches gilt auch für Maschinenbauer. Unser gut funktionierendes Netzwerk gibt uns darüber hinaus erfreulicherweise die Möglichkeit, motivierten und qualifizierten Fach- und Führungskräften eigentlich immer ein attraktives Stellenangebot unterbreiten zu können.

Die Region ist mittelständisch geprägt – was bedeutet das für mich als Arbeitnehmer?

Anja Galka-Jürgens: Es gibt verhältnismäßig viele Unternehmen mit einem hohen Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften. Diese Arbeitgeber stellen in sich schon einen interessanten Arbeitsmarkt innerhalb dieser Region dar. Das bedeutet zum einen, dass Arbeitnehmer hier ein wichtiges Rad in einem Unternehmen drehen: Sie können mehr bewegen, die eigenen Aktivitäten sind von größerer Bedeutung als in einem großen Unternehmen, in dem man nur ein kleines Rädchen ist. Auch die Aufgabenspanne ist viel breiter. Gerade Berufseinsteiger und Absolventen haben die Möglichkeit, in viele Unternehmens- und Aufgabenbereichen reinzuschauen und so viel mehr Wissen aufbauen. Man kann früh Verantwortung übernehmen. Das ist für die eigene Karriereentwicklung wichtig und man macht sich für den Arbeitsmarkt interessanter.

Das Betriebsklima ist oft besser, weil es persönlicher ist. Der Arbeitnehmer wird eher wertgeschätzt. Und nicht zuletzt sind mittelständische Unternehmen oft familiengeführt und meistern Krisen oft besser, wie die Vergangenheit gezeigt hat, weil sie nicht nur in Quartalszahlen denken, sondern weitsichtiger und nachhaltiger planen.  

Arno Bokelmann: Das kann ich nur unterschreiben. In Krisenzeiten ist man hier gerne bereit, zusammenzurücken. Es ist der hohe fürsorgende Anteil, nicht zuletzt beim Gehalt, der die Arbeitgeber hier auszeichnet.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck