Corporate Social Responsibility Lockmittel für High Potentials

Wenn der Vorstand den örtlichen Sportverein oder das Krankenhaus sponsert, dann freut sich das Firmenimage. Doch obwohl sich immer mehr Unternehmen ernsthaft zu ihrer sozialen Verantwortung bekennen, kehren sie ihre Taten beim Recruitment bescheiden unter den Tisch. Das sei unklug, meint ein Berliner Professor. Denn hoch qualifizierte Fachkräfte fänden das toll. Umdenken!

Nicht nur die Unternehmen in der E-Branche suchen nach Fachkräften und polieren deshalb ihre Arbeitgebermarke auf Hochglanz. Etwa so: »Wir sind mitarbeiterorientiert, umweltbewusst, verhalten uns politisch korrekt und sind sozial eingestellt.«

Aber dass viele Betriebe dem Gemeinwohl konkret Gutes tun, indem sie Vereine, die Heilungschancen von Kindern, die Hospizbewegung oder zeitgenössische Kunst finanziell fördern, halten sie nicht für sonderlich mitteilungswert. Jedenfalls nicht, wenn es um die Personalgewinnung geht. Dabei macht nichts das Engagement von Unternehmen glaubwürdiger als die breite Unterstützung und eigene Initiativen der Mitarbeiter. Rund 10,4 Millionen, also knapp 40 Prozent aller Arbeitnehmer, sind hierzulande ehrenamtlich tätig.

Nun gut, in der Mitarbeiterzeitung und auf dem monatlich neu bestückten Display in der Empfangshalle ist hin und wieder schon von der wahrgenommenen Verantwortung der Betriebe zu lesen. Aber dass die ernst genommene und tatsächlich ausgeübte soziale Verantwortung, neudeutsch: Corporate Social Responsibility (CSR), ein gewichtiges Pfund in der Waagschale des Recruiting ist, haben die Wenigsten verstanden. Nur eine Minderheit setzt solche Aktivitäten werbend im Recruiting ein.

Das ist das tragische Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie der Humboldt-Universität zu Berlin und der Beratungsagentur Scholz & Friends Reputation. Tragisch deshalb, weil gerade Mitarbeiter mit Herz und Verstand, mithin die gesuchtesten Fach- und Führungskräfte, sehr gerne zu solchen Arbeitgebern wechseln würden, die nicht nur auf ihren eigenen Gewinn schielen. »Wir konnten feststellen, dass sich gerade Führungskräfte in Unternehmen stark gesellschaftlich engagieren «, sagt Professor Joachim Schwalbach von der Humboldt-Universität in Berlin. »Es verwundert deshalb, dass Firmen ihr soziales Engagement bei der Personalsuche nicht stärker hervorheben. Denn Corporate Volunteering kann eine bedeutende Strategie im Wettstreit um hochqualifiziertes Personal sein.«

Daran könnte wirklich etwas sein. Denn sämtliche Untersuchungen der letzten Jahre, in denen die Faktoren der Arbeitgeberattraktivität bei Hochschulabsolventen abgeklopft wurden, weisen in dieselbe Richtung: Neben dem guten Gehalt, Aufstiegschancen, Freiräumen bei der Arbeit und einem warmen, menschlichen Betriebsklima achten insbesondere die begehrten Leistungsträger immens stark auf den sozialen Ruf eines Unternehmens. Und den bestimmen nicht Wachstum und sprudelnde Gewinne, sondern das Engagement der Geschäftsleitung für Mitarbeiter und Gesellschaft.