Kommunikation Lernen von den Alpha-Tieren

Nicht ohne Grund bemüht der Volksmund  Analogien aus dem Tierreich, um Dominanz und Führungsstärke bei bestimmten Menschen zu beschreiben: "Platzhirsch", "Alphatier" oder "Rudelführer". Die Art und Weise, wie solche Menschen kommunizieren, ist Thema von Seminaren wie z.B. von Barbara Liebermeister.
Nicht ohne Grund bemüht der Volksmund Analogien aus dem Tierreich, um Dominanz und Führungsstärke bei bestimmten Menschen zu beschreiben: "Platzhirsch", "Alphatier" oder "Rudelführer". Die Art und Weise, wie solche Menschen kommunizieren, ist Thema von Seminaren wie z.B. von Barbara Liebermeister.

Manche Menschen treten auf und überzeugen wie ein Chef, ohne es zu sein. Kann man das lernen? Wir fragten Kommunikationsexpertin Barbara Liebermeister, die Seminare zum Thema „Alpha-Kommunikation“ veranstaltet.

Frau Liebermeister, wann haben dominante Menschen das Zeug zum Chef und wann sind sie einfach nur Unsympathen? 

Barbara Liebermeister:  Alpha-Menschen sind „selbst-bewusst“. Für fast alle offiziellen und informellen Leader gilt: Sie wissen, zu welchen Leistungen sie bereit und fähig sind. Darauf sind sie stolz, sie zeigen sich selbstbewusst, auch in ihrer Körpersprache: die Körperhaltung ist aufrecht, der Händedruck fest. Sie schauen Gesprächspartnern selbstsicher in die Augen. Ihre Sprache ist nicht  unsicher, sondern selbst-sicher. Sie sprechen eine klare Sprache, reden nicht um den heißen Brei. Sie bevorzugen kurze, knackige Sätze mit einer klaren Botschaft. Sie sagen nicht „Man könnte …“, sondern „Wir sollten ….“ Oder: „Ich werde …“ Und ihre Aussagen sind nicht gespickt mit relativierenden Adverbien wie „eigentlich“ und „vielleicht“. Alpha-Menschen sind extrem leistungs- und ergebnisorientiert.

Leistungsorientiert oder einfach "nur" fleissig? Worin liegt der Unterschied? 

Fangen wir bei den Grundlagen an: Alpha-Menschen können sich motivieren. Alpha-Menschen wollen etwas bewegen. Und sie haben Ziele. Entsprechend viel Energie haben sie und strahlen sie aus. Und wenn sie mal einen schlechten Tag haben, geben sie sich einen Ruck und motivieren sich selbst für die anstehenden Aufgaben. Sie beeinflussen ihre Laune und Ausstrahlung positiv.

Alpha-Menschen ducken sich auch nicht, sondern beziehen Position. Denn sie wissen: Gerade wenn die meisten Menschen dazu neigen, den Kopf einzuziehen, ist Führung gefragt. Und gerade dann ist es nötig, den Mitarbeitern oder Kollegen Orientierung und Haltung zu geben.

Das zeigt sich am auffälligsten in ihrer Sprache: statt vager Konjunktiv-Aussagen wie „Wir könnten erwägen….“. Stattdessen sagen sie beispielsweise: „Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir …, oder wir… Ich plädiere dafür, dass wir …, weil …“ Dabei nehmen sie in Kauf, dass sie auf Widerspruch stoßen – was selten geschieht. Denn meist sind die anderen froh, dass endlich jemand die Entscheidung vorantreibt und Verantwortung übernimmt, vor allem wenn die Aufgabe risikobehaftet ist. Alpha-Menschen sind Tat-Menschen. Von ihnen hören Sie Sätze wie: „Ich kümmere mich darum, dass ….“ Sie benennen jedoch zugleich Bedingungen, die hierfür erfüllt sein müssen. „Dafür benötige ich ….“ Oder: „Im Gegenzug erwarte ich ….“

Spontan dürfte das aber nicht jedem gelingen.

Natürlich sind Alpha-Menschen keine Hasardeure, sondern im Gegenteil gut präpariert! Bevor sie das Wort ergreifen, analysieren sie die Situation. Erst dann beziehen sie Position. Entsprechend fundiert sind ihre Aussagen, weshalb die anderen ihnen gerne folgen. Alpha-Menschen gehen auch nicht unvorbereitet in Meetings oder gar Verhandlungen. Sie fragen sich vielmehr vorab: Was ist das Thema? Welche Möglichkeiten gibt es? Was spricht dafür und was dagegen? Und was ist folglich meine Position? Deshalb hinterlassen sie einen besseren Eindruck als Kollegen, die unvorbereitet in Meetings schlurfen – gemäß der Maxime „Schauen wir mal, was da kommt“.

Sind Alpha-Menschen Karrieristen? Klingt unsympathisch.

Alpha-Menschen wollen andere Personen (ver-)führen. Echte Leader haben, wenn sie mit Menschen beruflich kommunizieren, stets das übergeordnete Ziel vor Augen. Und weil sie gut vorbereitet sind, können sie ihre Aufmerksamkeit darauf konzentrieren: Was sagt mein Gegenüber? Welche Bedürfnisse artikuliert er? Entsprechend sensibel nehmen sie Stimmungen wahr, und können ihre Aussagen deshalb so formulieren, dass andere ihnen vertrauen. Und sie können andere Menschen motivieren – zum Beispiel, indem sie diese davon träumen lassen, wie schön es wäre, wenn das übergeordnete Ziel erreicht würde.

Was ist mit dem subtilen Instrumentarium wie der Körpersprache?

Alpha-Menschen nutzen natürlich auch ihre Körper-Sprache als Instrument und setzen sie gezielt ein. Es hängt oft davon ab, wie man etwas sagt, ob man sein Ziel erreicht. Entsprechend gezielt wählen sie ihre Worte abhängig vom Gegenüber oder der Gesprächssituation – bewusst oder intuitiv. Zum Beispiel um Zustimmung zu signalisieren. Aber auch um zu zeigen: Jetzt reicht es, jetzt müssen wir zu Potte kommen. Und sie markieren ihr Revier. Alpha-Menschen wissen, was sie wollen – und was nicht. Entsprechend klar bringen sie es auch ihre Ablehnung potenzieller Entscheidungen zum Ausdruck. Und da sie gut vorbereitet sind, ist ihre Argumentation meist schwer zu widerlegen. Das wissen auch die Personen, die mit ihnen regelmäßig zu tun haben. Deshalb fragen sie sich in Entscheidungssituationen oft schon vorab: „Was sagt wohl der Mayer…“ oder  „…die Müller dazu?“ Sie beziehen also die Position der Alpha-Menschen bereits in ihre Planungen ein. Auch deshalb haben Alpha-Menschen in ihren Unternehmen meist ein sehr starkes Standing.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck

Barbara Liebermeister ist Expertin für Business Relationship Management und Autorin des im FAZ-Verlag erschienenen Buchs „Effizientes Networking: Wie Sie aus einem Kontakt eine werthaltige Geschäftsbeziehung entwickeln“. Am 10. Mai und am 7. Juni führt sie in Frankfurt zwei offene Tagesseminare zum Thema „Alphakommunikation“ durch. Nähere Infos: www.barbara-liebermeister.de.