Arbeitsmarkt Krise im Euroraum bremst Nachfrage nach Ingenieuren ab

Etwa ab 2020 erwartet der VDE, dass der Ersatzbedarf an Ingenieuren durch die Absolventen nicht mehr gedeckt werden kann.
Etwa ab 2020 erwartet der VDE, dass der Ersatzbedarf an Ingenieuren durch die Absolventen nicht mehr gedeckt werden ann.

Zwar sprechen manche Experten weiterhin von einem gravierenden Ingenieur-Engpass, vor allem in Elektrotechnik, doch ist auch hier die Zahl der offenen Stellen seit Juni 2012 immer weiter zurückgegangen. Wie wird sich der Arbeitsmarkt langfristig entwickeln? Ein Blick auf die Statistik.

Die Zahl der offenen Stellen in Ingenieurberufen in Deutschland lag im Mai um 20.900 oder 23,9 Prozent niedriger als im Vorjahr. Als Hauptgrund für den Nachfragerückgang nennt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) die europäische Staatsschuldenkrise.

Die Wirtschaft in der Eurozone verharrt in einer Rezession - das bremst die Nachfrage nach Arbeitskräften. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im ersten Quartal 2013 gegenüber dem Schlussquartal 2012 um 0,2 Prozent. Damit schrumpfte das BIP in der Währungsunion zum sechsten Mal in Folge. Das geht aus dem aktuellen „Konjunkturradar EU“ der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. hervor, das die wichtigsten Konjunkturdaten der 27 EU-Mitgliedsstaaten bündelt.

Trotzalledem hat das IW die Zahl der zu besetzenden Stellen für Ingenieure im Mai auf 66.600 hochgerechnet (zum Vergleich: Im Juni 2012 lag die Berechnung noch bei 107.100 offenen Stellen), gleichzeitig gab es im Mai 2013 branchenübergreifend 26.240 Ingenieure ohne Job.

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Statistik zu Elektroingenieuren

Die Studienanfängerzahlen in Elektrotechnik sind seit 2006 stark gestiegen. Die hohe Arbeitslosenquote aus den 90-er Jahren wurde nie wieder erreicht.Und dioch erwarten Experten, dass sichdie Situation durch den demographischen Wandel ab etwa 2020 massiv

Die meisten Ingenieure (51 Prozent aller offen Stellen) werden in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik  sowie in Energie- und Elektrotechnik gesucht. Letztere weist laut IW aktuell 14.900 offene Stellen aus, im Juni 2012 waren es noch 21.600, im vergangenen März 15.600. Dem gegenüber stehen aktuell 3506 arbeitslose Ingenieure für Energie- und Elektrotechnik (über alle Ingenieurberufe hinweg: 26.240 Arbeitslose), Stand Mai 2013. Keine Engpässe vermeldet das IW im Bereich Rohstofferzeugung und -gewinnung sowie in „Sonstige Ingenieurberufe“.

Niedrigste Arbeitslosenquote unter Elektroingenieuren seit 20 Jahren

Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr relativ stabil um einen Wert von 1,5 Prozent (vgl. Bildergalerie), die absolute Zahl arbeitsloser Elektrotechnik-Ingenieure lag bei 2.300. Im Vergleich: Noch im Jahr 2005 waren 11.800 Elektroingenieure ohne Job.

Michael Schanz, Experte für den Ingenieurarbeitsmarkt beim VDE: "Damit war im vergangenen Jahr der niedrigste Wert seit 20 Jahren erreicht, bei einer Bezugsgröße von knapp 170.000 Elektroingenieuren, die einer Ingenieurtätigkeit in Deutschland nachgehen. Eigentlich müsste die Quote noch geringer sein, denn es sind viel mehr Absolventen der Elektrotechnik auf dem Arbeitsmarkt, diese arbeiten aber nicht mehr als Ingenieure und tauchen bei der Berechnung der Arbeitslosenquote nicht auf."

Die zentrale Frage, über deren Ausprägung sich die Experten aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Lagern  streiten: Kann der zukünftige Bedarf an Ingenieuren trotz des demografischen Wandels in Deutschland gedeckt werden oder ist mit einem permanenten Mangel an Fachkräften zu rechnen?

Was sagen Unternehmer?

Beispiel  Dr.-Ing. H.H., Geschäftsführer aus Paderborn: „Die Arbeitsagenturzahlen als Rechengrundlage taugen nichts. Wir haben in den letzten 5 Jahren ein paar Hundert Ingenieure eingestellt und garantiert nichts über die Arbeitsagentur.  (…) Man muss so ehrlich sein zu sagen, dass man ein bestimmtes Leistungsniveau erwartet. Ich selbst mit meinem Unternehmen sehe jedenfalls Ingenieurmangel seit 14 Jahren aus nächster Nähe und wir unternehmen viel um dem zu begegnen. (…) Der Geschäftführer kritisiert Experten wie das DIW, das IMU-Institut oder den Statistik-Professor Gerd Bosbach, die den Ingenieurmangel in Zweifel ziehen, als  „alles gewerkschaftsnahe sogenannte Sozialwissenschaftler“.

Was sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)?

"In den nächsten Jahren ist in Deutschland aufgrund der demographischen Entwicklung mit einem Rückgang des  Erwerbspersonenpotentials zu rechnen. In Verbindung mit der zuletzt verbesserten Beschäftigungslage könnte sich in der nahen Zukunft ein Trend in Richtung eines Arbeitnehmermarkts etablieren. In einer solchen Situation würden Firmen verstärkt um Mitarbeiter mit gefragten Qualifikationen und Kompetenzen konkurrieren und Löhne in angespannten Arbeitsmarktsegmenten steigen. Kommen wirksame Anpassungsmechanismen wie veränderte Ausbildungsentscheidungen, berufliche Mobilität und auch Lohnsteigerungen nicht zum Tragen, könnte in manchen Bereichen der deutschen Wirtschaft der Faktor Arbeit knapp werden. Die Befürchtung nachhaltiger Engpässe erhält weitere Nahrung dadurch, dass bereits heute in bestimmten Regionen und Tätigkeitsfeldern über beträchtliche Rekrutierungsprobleme geklagt wird."