Rückläufige Bezüge Krise drückt Einstiegsgehälter

Europaweit müssen Berufseinsteiger mit rückläufigen Bezügen rechnen. Über Länder und Branchen hinweg sinkt die durchschnittliche Gesamtvergütung im Vergleich zum Herbst 2008 um 3,6 Prozent.

Am stärksten wirken sich mit -9,4 Prozent die Veränderungen in Großbritannien, am geringsten in Italien (-0,5 Prozent) aus. Im Branchenvergleich sinken die Gehälter am stärksten in der High-Tech- und Telecom-Industrie sowie bei Finanzdienstleistern. Ausnahme ist die Pharma- und Chemie-Industrie, in der Berufseinsteiger bis auf Großbritannien auf Vorjahresniveau oder – wie in Italien – sogar besser vergütet werden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Unternehmensberatung Towers Perrin, die die Vergütungen von Berufseinsteigern in sechs europäischen Ländern zwischen November 2008 und April 2009 verglichen hat.

Insgesamt erweist sich Deutschland jedoch nach wie vor als attraktives Land für Berufseinsteiger, so die Studie. Die Einstiegsgehälter fallen hier am höchsten in Pharma- und Chemie-Unternehmen sowie bei Finanzdienstleistern aus, wenngleich die Vergütungen im Vergleich zum Vorjahr in nahezu allen Branchen – außer Pharma und Chemie – zurückgegangen sind. Die größten Abstriche müssen Einsteiger in der Finanzbranche (-5,8 Prozent) und in Ingenieurberufen (-7,2 Prozent) machen.

»Berufseinsteiger sehen sich vielfach mit generellen Einstellungsstopps konfrontiert und sind, bedingt durch die krisenbedingt geringere Nachfrage, auch auf der Vergütungsseite erheblich betroffen«, erläutert Martin Hofferberth, Manager European Databases bei Towers Perrin. »Einstiegsgehälter sind immer ein Spiegel der Wirtschaftssituation.«

Bezüge von Einsteigern in Ingenieurberufen deutlich gefallen

Erhebliche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise auch auf die Bezüge von Einsteigern in Ingenieurberufen: Mit europaweit durchschnittlich -3,6 Prozent sind diese im Untersuchungszeitraum deutlich gefallen. Lediglich in Italien ist das Vergütungsniveau stabil geblieben. Am spürbarsten sind die Folgen für junge Ingenieure in Deutschland. Sie beziehen mit 53:200 Euro durchschnittlich 7,2 Prozent weniger Gesamtvergütung als noch im letzten Herbst.

Ingenieure in Großbritannien mussten einen Rückgang um 5,5 Prozent auf absolut 38.100 Euro verzeichnen. Der Spitzenwert in der Vergütung des Ingenieur-Nachwuchses ist erneut für die Schweiz zu konstatieren: Trotz eines Rückganges um 3,3 Prozent beläuft sich das Gesamteinkommen eines Ingenieur-Einsteigers auf 66.900 Euro. »Aufgrund des Mangels an Fachkräften unterschiedlicher Qualifikation und Berufserfahrung sind die Einstiegsgehälter von Ingenieuren jahrelang kontinuierlich und überproportional gestiegen«, sagt Hofferberth, »diese Entwicklung scheint gestoppt.«

In ihrer absoluten Höhe seien die Einstiegsgehälter nach wie vor attraktiv. Die aktuelle durchschnittliche Vergütung von jungen Ingenieuren liegt im europäischen Durchschnitt bei etwa 44.700 Euro und damit leicht über dem Niveau der Einsteigervergütung in Funktionen wie Marketing oder Finanzen.

 

Land

Gesamtvergütung (April 2009)

Veränderung zu Nov. 2008

Schweiz

66.900 Euro

-3,3 %

Österreich

41.700 Euro

-2,1 %

Deutschland

53.200 Euro

-7,2 %

Großbritannien

38.100 Euro

-5,5 %

Frankreich

40.300 Euro

-1,5 %

Italien

28.000 Euro

0,0 %

Den stärksten Rückgang bei den Einstiegsgehältern mussten deutsche Ingenieure hinnehmen. Gleichwohl sind die Einstiegsgehälter durchaus noch attraktiv. (Quelle: Towers Perrin)