Wieviel Geistesblitze von Steve Jobs stecken im iPhone? „Kreativität wird überschätzt und sollte minimiert werden!“

"Ich verdamme Kreativität keineswegs - diese wird man nie ausschalten können und das ist auch nicht mein Ziel. Ich versuche sie aber zu lenken und den Einsatz zu minimieren.
"Ich verdamme Kreativität keineswegs - diese wird man nie ausschalten können und das ist auch nicht mein Ziel. Ich versuche sie aber zu lenken und den Einsatz zu minimieren.

Innovation hat nichts mit Kreativität zu tun, sondern vor allem mit systematischer Planung und Umsetzung, sagt Volker Lippich, Senior Consultant bei der Unternehmensberatung Invensity. Das Geld für „Ideenfindungsworkshops“ könne man sich sparen, selbst das iPhone sei alles andere als ein Geistesblitz gewesen.

karriere-ing.de: Herr Lippich, Innovation verbindet man gemeinhin mit Kreativität - was soll falsch daran sein? Was kritisieren Sie an herkömmlichen Innovationsprozessen?

Volker Lippich: An Kreativität ist nichts falsch, gesegnet sind die, die sie besitzen, doch das sind nur wenige Leute. Eine Firma kann und soll sich nicht allein auf diese rar gesäte Gabe verlassen. Ziel einer Firma ist es ja, dass man ein Produkt besser und effizienter herstellt als andere. Dies bedeutet, dass man die dafür zugrunde liegenden Prozesse wiederholbar gestalten muss. Und dies ist genau der Punkt, den ich an herkömmlichen Innovationsprozessen kritisiere: Diese bauen zu stark auf das kreative Element. Kreativität ist inhärent zufallsbasiert, nicht planbar in den Ergebnissen und damit auch nicht wiederholbar. Setzt man allein auf Kreativität, so wie es heute in fast jedem Ideenfindungsworkshop der Fall ist, widerspricht man sogar der Idee einer Firma.

Systematische Innovation - wie geht das?


Systematische Innovation gestaltet den Innovationsprozess wiederholbar. Das fängt bei der Ideenfindung an, geht über Entwicklungsmethoden bis hinein in die Vermarktung. Generell zielt systematische Innovation auf hochwertige und umsetzbare Ideen. Dies hat viele Vorteile: Es setzt ein Lernprozess ein, der bei einer zufallsbasierten chaotisch-kreativen Vorgehensweise nicht existiert. Außerdem sind die Aufwände im Innovationsmanagement deutlich geringer, da weniger Ideen betreut werden müssen. Aufwändiges Filtern von Ideenmüll und unrealistischen Konzepten entfällt, da diese gar nicht erst entstehen. Und: - Jeder kann einen Beitrag leisten, nicht nur die, die kreativ sind. So kann man 100 Prozent der Mitarbeiterschaft einsetzen, nicht nur vielleicht 10 Prozent.
Für eine systematische Ideenfindung haben wir mit RGI - Requirements Guided Innovation bei Invensity eine eigene Methode entwickelt, die fast ganz ohne Kreativität auskommt und zuverlässig hochwertige und realistische Innovationen produziert.

Innovation ist eine Führungsaufgabe - welche Rolle spielt der Chef bei systematischer Innovation? Wieviel Geistesblitze von Steve Jobs stecken im iphone?

Innovation ist insofern eine Führungsaufgabe, als dass auf ihr die Zukunft einer Firma beruht, da man ansonsten von der Substanz lebt. Ein Chef hat also dafür zu sorgen, dass die Firma in der Lage ist, zuverlässig neue Produkte zu generieren. Von daher kommt er gar nicht an systematischer Innovation vorbei. Er hat neben den Prozessen auch die Aufgabe, eine Kultur der Innovation zu schaffen. Denn ohne eine interne Akzeptanz von Neuerungen ist jede noch so gute Idee zum Scheitern verdammt. Innovation ist anstrengend, da man sich nicht mit Routinen befasst und sie eine Störung des Arbeitsalltags bedeutet. Ein Chef muss dafür sorgen, dass Innovationen belohnt werden. Das ist nicht selbstverständlich. In den meisten Firmen wird das Management für Routineleistungen belohnt. Unsichere Innovationen stören dann sogar bei der Karriere.
Was das iPhone betrifft: Das faszinierende daran ist, dass es von allen als "Die Geistesblitz-Innovation" wahrgenommen wird, es aber nie war. Hier stecken nur bekannte Technologien dahinter, die clever kombiniert wurden, eigentlich ein sehr gutes Beispiel für einen systematischen Innovationsansatz. Das einzig innovative Konzept ist die Bedienung, die aber auch nur aus einem anderen Produktbereich übertragen wurde. Steve Jobs Geistesblitz ist insofern der, erkannt zu haben, dass es auf die Vermarktung ankommt, nicht allein auf die Technik. Erst der Markterfolg macht die Invention zur Innovation.