Venture Capital Kräftiges Plus in Deutschland

Der Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hat heute seine Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2016 vorgestellt.

Demnach habe sich der deutsche Beteiligungskapitalmarkt »in wechselhaften Zeiten« als robuster Anker erwiesen, insbesondere im Start-up-Bereich. Insgesamt wurden im letzten Jahr 5,7 Mrd. Euro in rund 1.000 Unternehmen investiert, teilte der Sprecher des Vorstands vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Joachim von Ribbentrop, mit.

Thema der heutigen Pressekonferenz war die heute veröffentlichten Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2016. Das Volumen des Vorjahres wurde damit um 14 Prozent »knapp« verfehlt.

Im Jahr 2015 hatten Beteiligungsgesellschaften 6,6 Mrd. € in Deutschland investiert. Die Private Equity-Investitionen bewegen sich aber seit 2011 in Deutschland auf einem insgesamt stabilen Niveau zwischen 5,1 Mrd. € (2013) und 7,1 Mrd. € (2014).
Die großen Mehrheitsübernahmen machen den Löwenanteil der Marktentwicklung aus.

Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen wurden vom BVK mit Beteiligungskapital unterstützt: Neun von zehn im Jahresverlauf finanzierte Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter oder setzen weniger als 100 Mio. € um.

Die Venture Capital-Investitionen legten auf 0,93 Mrd. € zu und erreichten damit die höchsten Jahresinvestitionen seit 2008. Im Jahr zuvor wurden 0,84 Mrd. € investiert.
Die 568 VC-finanzierten Unternehmen machten erneut deutlich mehr als die Hälfte aller im letzten Jahr finanzierten Unternehmen aus. »Der seit 2012 zu beobachtende Aufwärtstrend in der Start-up-Finanzierung bleibt damit ungebrochen«, so von Ribbentrop.

2016 konnten die deutschen Gesellschaften mit 2,33 Mrd. € gut die Hälfte mehr Kapital einsammeln als im Jahr zuvor. Während Buy-Out-Fonds mit 1,27 Mrd. € die neuen Mittel mehr als verdoppeln konnten, blieb das Venture Capital-Fundraising mit 0,55 Mrd. € rund ein Viertel unter dem starken Vorjahresergebnis.

»In der aktuellen Niedrigzinsphase suchen institutionelle Investoren verstärkt nach renditeträchtigen Investitionsmöglichkeiten. Dies kommt vor allem den Buy-Out-Gesellschaften zugute, wogegen Venture Capital-Fonds nicht im gleichen Maß profitieren«, so von Ribbentrop.

Im Venture Capital-Segment investierten Beteiligungsgesellschaften 2016 mit 0,93 Mrd. € 13 % mehr als im Vorjahr, wobei insbesondere Later Stage-Venture Capital deutlich zulegen konnte. Wachstumsfinanzierungen (Growth) und weitere Minderheitsbeteiligungen (Replacement, Turnaround) summierten sich auf 0,45 Mrd. € und blieben aufgrund weniger großer Einzelinvestitionen bei etablierten Mittelständlern deutlich unter dem Vorjahreswert von 0,93 Mrd. €. Die Buy-Out-Investitionen sanken leicht von 4,83 Mrd. € auf 4,3 Mrd. €. Auch die Transaktionszahl ging leicht von 120 auf 110 zurück.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden durch Beteiligungskapital unterstützt. 94 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter, 79 % sogar weniger als 100 Mitarbeiter. Vier von fünf Unternehmen setzten weniger als 10 Mio. € um und nur 5 % mehr als 100 Mio. €.

Die mehr als 5.000 mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland beschäftigen rund 912.000 Mitarbeiter und setzen insgesamt 179 Mrd. € um.

An der Spitze der Bundesländer stehen Bayern (22 % der Investitionen) und Hessen (19 %) mit deutlichem Abstand vor Baden-Württemberg (11 %) und Rheinland-Pfalz (10 %). Bayern konnte damit die Spitzenposition verteidigen.

Das Fundraising summierte sich auf 2,33 Mrd. €, ein Plus von mehr als der Hälfte gegenüber dem Vorjahr (1,53 Mrd. €). Buy-Out-Fonds konnten mit 1,27 Mrd. € das Volumen der neuen Mittel mehr als verdreifachen (0,36 Mrd. €).

Ebenfalls deutlich mehr einsammeln konnten Generalisten. Hier stieg das Fundraising von 0,16 Mrd. € auf 0,46 Mrd. €. Dagegen blieb das Venture Capital-Fundraising mit 0,55 Mrd. € rund ein Viertel unter dem Vorjahresergebnis von 0,74 Mrd. €.  

Die Entwicklungen in wichtigen Ländern wie den USA, Großbritannien oder China sind für die Exportnation laut BVK Deutschland von genereller Bedeutung, ebenso die Zinspolitik in Europa.

Marktspezifische Unsicherheiten liegen im weiterhin hohen Bewertungsniveau. Hier erwarten die Beteiligungsgesellschaften laut »Private Equity-Prognose« auch 2017 keine grundsätzliche Trendumkehr.