New Work Kosmetik statt echter Kulturwandel

Im Hintergrund die Schließfächer der Mitarbeiter. Stark digitalisierte Arbeitsabläufe benötigen wenig Stauraum und machen das flexible Arbeiten möglich.
Vorreiter Microsoft hat in München im Zuge stark digitalisierter Arbeitsabläufe die Büros abgeschafft. Schließfächer reichen als Stauraum. Von einem echten Kulturwandel hin zu New Work sind die meisten Unternehmen aber noch weit entfernt, zeigt eine Stichprobe von Kienbaum.

»New Work«-Strategien beschränken sich meist noch auf Homeoffice und Mobilarbeit, ein ganzheitlicher Ansatz fehlt. Das hat eine Untersuchung von Kienbaum ergeben.

Zwar haben schon 74 Prozent der deutschen Firmen das Trendthema New Work auf ihrer Agenda, aber viele Unternehmen begnügen sich damit, ihren Mitarbeitern zu erlauben, von zu Hause aus zu arbeiten anstatt zum Beispiel ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln.

Das ergab eine Stichprobe der Personal- und Managementberatung Kienbaum. Für den New Work Pulse Check haben im Mai dieses Jahres 112 Firmen einen Einblick in Status quo und Zukunft ihrer Art zu arbeiten gegeben.

Bilder: 9

Microsoft hat das Büro abgeschafft

Microsoft führte 1998 die Vertrauensarbeitszeit ein, vor zwei Jahren fiel die Anwesenheitspflicht. In der neuen Deutschlandzentrale in München hat der Konzern nun auch die Büros abgeschafft. Stattdessen gibt es Cafés und Co-Working-Spaces.

»Wer New Work will, muss seine Kultur und Führung kritisch hinterfragen. Vertrauen und Transparenz sind essenziell«, sagt Fabian Kienbaum, Co-CEO von Kienbaum Consultants International.

Immerhin 63 Prozent der befragten Firmen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um New Work zu etablieren.

Dabei ist die Geschäftsführung am häufigsten beteiligt. In zwei Drittel der Unternehmen ist auch die Personalabteilung involviert; Marketing und Organisationsentwicklung werden bei nur einem Drittel der Befragten einbezogen.

Kienbaum hat nach den konkreten Maßnahmen gefragt, mit denen New Work in Unternehmen etablieren werden sollen: Die beliebteste Maßnahme ist, den Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben, von zu Hause aus zu arbeiten.

Damit hängt auch eine Maßnahme zusammen, die auf Rang zwei der beliebtesten New-Work-Instrumente steht: neue mobile Geräte wie Smartphones und Laptops zur Verfügung zu stellen, mit denen man ortunabhängig arbeiten kann.

Immerhin die Hälfte der Befragten setzt auf ein offenes und flexibles Bürokonzept mit tätigkeitsbezogenen Arbeitsplätzen, die frei wählbar sind. 

Lediglich jedes vierte Unternehmen setzt auf Initiativen zur Kulturveränderung und auf eine stärkere Werteorientierung. In nur jedem fünften der befragten Unternehmen werden neue Führungsmodelle angewendet, die den Mitarbeitern mehr Freiheit und Mitgestaltung erlauben.

»Erstaunlich viele Unternehmen beschäftigen sich mit New Work, aber vielen fehlt noch der ganzheitliche Ansatz und der Spirit, New Work zu leben«, sagt Kienbaum.