MINT-Frühjahrsreport Jetzt fehlen vor allem die Nicht-Akademiker

Laut dem MINT-Frühjahrsreport des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlten in Deutschland Ende April 315.000 MINT-Fachkräfte – mehr als jemals zuvor. Doch die MINT-Lücke hat sich strukturell verändert.

In Deutschland fehlen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik so viele Arbeitskräfte wie noch nie, wie aus dem MINT-Frühjahrsreport 2018 des Instituts der deutschen Wirtschaft hervorgeht.

Vor allem nicht akademische Fachkräfte:  Fehlten vor einigen Jahren in erster Linie Hochschulabsolventen, mangelt es heute vor allem an Facharbeitern, Meistern und Technikern, so das IW. Bei zwei von drei fehlenden Kräften sind aktuell Facharbeiter- , Meister- und Techniker-Qualifikationen gefragt.  Außerdem gibt es laut IW thematisch eine deutliche Verschiebung in Richtung IT-Sektor. Während im April 2014 rund 16.000 IT-Experten – in der Regel Akademiker – benötigt wurden, sind es heute 39.600, also mehr als doppelt so viele.

Um die Lücke zu verkleinern, sollten mehr Fachkräfte aus dem Ausland gewonnen und mehr Flüchtlinge ausgebildet werden.

Die Engpässe in den MINT-Berufen könnten aber noch um einiges größer sein, wenn die Zahl der ausländischen MINT-Kräfte in den vergangenen Jahren nicht überproportional zugenommen hätte, wie die Grafiken zeigen. Insgesamt waren im April 2018 in Deutschland knapp 600.000 Ausländer in MINT-Berufen beschäftigt.

Ausländische Arbeitnehmer sollen auch in Zukunft dazu beitragen, die MINT-Lücke zu verkleinern oder zumindest stabil zu halten, so das IW. Dazu sei es wichtig, dass qualifizierte Zuwanderer aus Drittstaaten »problemlos nach Deutschland kommen können«. Aus strategischer Sicht böten sich dafür vor allem demografiestarke Länder wie Indien an: Seit Anfang 2013 sind fast 5.000 Inder in die Bundesrepublik gekommen und arbeiten als Ingenieur oder Informatiker. Insgesamt sind hierzulande derzeit etwa 8.700 Zugewanderte aus Indien in akademischen MINT-Berufen beschäftigt – außerdem 7.250 Italiener, 6.800 Spanier, 6.400 Franzosen und 6.100 Chinesen.

Eine Chance für Flüchtlinge

Erste Impulse für die MINT-Berufe seien auch aus der Flüchtlingsmigration zu verzeichnen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Menschen aus Eritrea, Irak, Afghanistan und Syrien – den Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge – sei deutlich gestiegen: Im Jahr 2012 kamen aus diesen vier Ländern rund 2.700 MINT-Beschäftigte, im Herbst 2016 waren es bereits gut 8.000. Ein Jahr später zählten die Statistiker 16.400 Beschäftigte. Eine genaue Prognose, wie viele Flüchtlinge in den kommenden Jahren den MINT-Sektor verstärken werden, sei schwierig. Laut IW gehen Forscher anhand verschiedener Szenarien von 30.000 bis 50.000 MINT-Beschäftigten gegen Ende des Jahres 2020 aus.

Auch die Unternehmen, die Schulen und die Politik müssten laut IW versuchen, mehr junge Menschen für MINT-Berufe zu begeistern und wirbt mit den Arbeitsbedingungen: MINT-Beschäftigte verdienen demnach im Durchschnitt mehr als ihre gleich qualifizierten Kollegen und Kolleginnen in anderen Fachrichtungen.

Rund 76 Prozent der erwerbstätigen MINT-Akademiker haben im Monat mehr als 2.000 Euro auf dem Konto, 20 Prozent liegen sogar über 4.000 Euro. Unter den sonstigen Akademikern liegen die Quoten dagegen nur bei 63 beziehungsweise 13 Prozent. Von den MINT-Fachkräften verdienen knapp 40 Prozent monatlich mehr als 2.000 Euro netto. Diese Marke überspringen bei den sonstigen Fachkräften lediglich 22 Prozent.

Die MINT-Berufe böten jungen Menschen darüber hinaus sehr gute Chancen für einen Bildungsaufstieg. Zwischen 2001 und 2016 gehörten laut IW fast 70 Prozent der Ingenieure und 66 Prozent der sonstigen MINT-Akademiker zu den sogenannten Bildungsaufsteigern: Das heißt, sie haben ihre Eltern überholt, denn weder Mutter noch Vater hatten einen akademischen Abschluss. In den Fächern Jura und Medizin liegt die Quote bei 44 beziehungsweise 50 Prozent.