Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Ist Technik dem Nachwuchs zu anstrengend?

Nur jeder zehnte Schüler zieht den Beruf des Ingenieurs in Erwägung – trotz glänzender Berufsaussichten und hoher Arbeitszufriedenheit unter Ingenieuren. Wie kann das sein? Dieser Frage ist die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften nachgegangen.

Ergebnis: Am Image liegt es nicht. Ingenieurberufe werden als fortschrittlich, praktisch und wichtig für die Weiterentwicklung der Gesellschaft angesehen. Aber eben auch als anstrengend, komplex und lernintensiv. Die Studienabbrecherzahlen sprechen für sich.

Die Studienanfängerzahlen in Elektrotechnik sind seit 2003 kontinuierlich gesunken – aller Lockrufe der Wirtschaft zum Trotz. Erst 2008 – das Jahr des vorläufigen Höhepunktes der Klagen über Ingenieurmangel bei faktischer Vollbeschäftigung in diesem Bereich – brachte mit 17.419 Erstsemestern wieder eine leichte Erhöhung. Von den Spitzenzahlen Anfang der 90er Jahre (über 20.000 Studienanfänger in Elektrotechnik) sind wir in Deutschland aber weit entfernt.

Dass daran aber nicht nur der Pillenknick schuld ist, zeigt eine Analyse der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech). Wissenschaftler der Universität Stuttgart haben für das »Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften« empirische Befunde zur Techniksozialisation, Technikbildung und den Einflussfaktoren auf die Studien- und Berufswahl in Deutschland zusammengetragen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mir dem VDI unter 13.000 Schülern, Studenten sowie Ingenieuren und Naturwissenschaftlern durchgeführt.

Das Ergebnis muss all diejenigen ernüchtern, die sich in der Vergangenheit um den deutschen Techniknachwuchs bemüht haben, Girlsdays oder Invent-a-chip-Programme veranstaltet haben: Nur jeder zehnte Schüler zieht ein Ingenieursstudium in Erwägung.

Schüler haben falsche Vorstellungen von Technikberufen

Laut Studie haben Schülerinnen und Schüler in Deutschland falsche Vorstellungen von Technikberufen. Sie unterschätzen die Anforderungen des Studiums und rechnen sich vergleichsweise schlechte Perspektiven aus. Tatsächlich sind aber laut acatech immerhin 90 Prozent der berufstätigen Ingenieure mit ihrer Tätigkeit zufrieden.

Selbst unter den Schülern, die an Technik und Naturwissenschaften interessiert sind, finden sich nicht einmal 50 Prozent, die einen Beruf in diesen Bereichen ergreifen wollen. Liegt es am falsch transportierten Image? Nein, das Image der Ingenieurberufe unter den Schülern ist besser als vielfach angenommen: Ingenieurberufe werden als anstrengend, komplex und lernintensiv eingeschätzt, aber auch als fortschrittlich, praktisch und wichtig für die Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Dann muss es etwas anderes sein, dass die Abiturienten BWL statt Kybernetik studieren lässt. Und in der Tat: Laut Studie sieht ein »idealer« Beruf für den Nachwuchs anders aus. Arbeitsplatzsicherheit, gute Aufstiegschancen, hohes Einkommen, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine vielseitige Tätigkeit sind wichtige Kriterien für die Berufswahl. Die Schüler bezweifeln, dass technische und naturwissenschaftliche Berufe diese Kriterien erfüllen.