Leserbriefe Ingenieure und ihr "Nerd-Image"

Ingenieure beklagen ein schlechtes Image. Zu Unrecht?
Ingenieure beklagen ein schlechtes Image. Zu Unrecht?

Uns erreichten lesenswerte Briefe zur „öffentlichen Darstellung von Ingenieuren“ und „Frauen und Diversity“.

Helmut Kundel, Geschäftsführer der HKI GmbH in Weinheim: »Ich habe gerade Ihr Interview mit Herrn Prof. Dr.-Ing. Klaus Diepold  gelesen und dort auch den Abschnitt über die Darstellung der  Ingenieure im Fernsehen. Da ist er nicht ganz auf dem Laufenden, der Herr Professor: neben Scotty und Old Shatterhand gibt es doch derzeit eine ganze Serie, die sich nur mit (Natur)-Wissenschaftlern und Ingenieuren beschäftigt, nämlich "Big Bang Theory". Nur, wir kommen "wir" da weg? Genauso, wie der manisch antitechnikaffine Serienschreiber sich das vorstellt: zwar durchaus wissend, aber ansonsten weltfremd, kontaktscheu, sozialbindungsunfähig, lebensuntüchtig, entweder in der Arbeit oder in einem Videogame aufgehend.

Und die beiden in der Serie vorkommenden Damen werden dann auch noch genau in dieses Schema eingepasst und ebenso schräg dargestellt. OK, das ist zum Lachen, aber eigentlich sollte unsereinem dieses im  Halse steckenbleiben, ob dieser verzerrten Darstellung der Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker als notorische Nerds. Also, ich glaube nicht, dass eine Fernsehserie das Image unseres Berufsstandes verbessern kann, so lange die üblichen Serienschreiber das machen. #

Es gilt ja heute geradezu als chic, von Technik keine Ahnung zu haben und das auch noch wortgewaltig zu verbreiten, aber bei jeder Gelegenheit über die (scheinbar) nicht funktionierende Technik herzuziehen, auch wenn das Problem "zwischen den Ohren" liegt.... Wenn ein Wissenschaftler/Ingenieur/Techniker es schafft, seine Arbeit populär zu präsentieren, genießt er ja durchaus Ansehen (Konrad Zuse, Wernher v. Braun, Steve Jobs, Bill Gates), aber der Beruf als solcher wir doch mehr oder weniger gering geschätzt. Man stelle sich vor, eine Fernsehserie über durchgeknallte Anwälte oder Banker würde in Erwägung gezogen, ob die einer finanziert?

Ich beschäftige mich schon Jahre mit dem Thema: in meiner "alten" Schule (humanistisches Gymnasium...) gibt es sog. Berufsfindungsseminare, die den angehenden Abiturienten praktische Einblicke in mögliche Berufe geben sollen. Das machen dann z.T. ehemalige Schüler und so habe ich seit fast 20 Jahren den Part Vorstellung der Elektrotechnik / Elektronik / technischen Informatik übernommen. Dabei merkt man dann sehr schnell, welchen Vorurteilen man sich da gegenüber sieht. Zitat: "Das ist ja alles sehr interessant, was Sie da erzählen. Aber ich glaube, ich mache da lieber etwas mit Menschen" (eine Schülerin im Gruppengespräch, nach dem ich die Vorgehensweise beim Entwickeln eines elektronischen Gerätes beschrieben hatte).