Ingenieure als Freelancer

Ingenieure sind eine vielseitige Spezies: In der Wirtschaft kommen sie sowohl als Angestellte wie als Gewerbetreibende und Freiberufler vor. Manchen zieht es gleich nach dem Studium zur Selbstständigkeit, andere brauchen dafür Jahrzehnte und fühlen sich selbst dann nicht wohl in ihrer Haut. Denn nicht jeder ist den Unwägbarkeiten des Unternehmerdaseins gewachsen.

Matthias Horx vom Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main verdient sein Geld damit, der Zeit Jahrzehnte voraus zu sein. Kürzlich sagte der Trendforscher voraus, dass sich der Anteil der Selbstständigen in den kommenden Jahrzehnten auf 20 bis 25 Prozent mehr als verdoppeln würde. Die aktuelle Entwicklung fortgeschrieben, dürfte das freilich bei Ingenieuren noch schneller gehen. Denn immer mehr von ihnen stürzen sich mit viel Elan ins Unternehmerdasein.

Viele werden darin glücklich und wollen nie wieder zurück »ins Geschirr«. Jochen Schmid aus Offenburg gehört dazu. 16 Jahre lang war der Maschinenbauingenieur fest angestellt, zuletzt als Betriebsleiter im Sondermaschinenbau. 2004, nach einem erfolgreichen Turnaround, wusste er: »Dieses Unternehmen ist nicht mehr meine Zukunft.« Schmid kündigte und suchte sich einen Coach, um die neue berufliche Marschroute festzulegen. Der Weg zurück ins Angestelltendasein lockte ihn ebenso wenig wie eine Tätigkeit als Unternehmensberater. »Ich bin keiner, der dicke Papiere erzeugt und die Leute danach allein lässt«, sagt Schmid, »ich will etwas umsetzen.«

Das wollen die meisten Ingenieure, und wer sie als Angestellte machen lässt, behält hoch engagierte Mitarbeiter. Vielen reicht es freilich nicht, auf Dauer fremdbestimmte Ziele zu erfüllen. Die genaue Zahl der selbstständig tätigen Ingenieure in Deutschland liegt zwar im Dunklen, weil sie sowohl als Freiberufler wie als Gewerbetreibende firmieren können und damit statistisch kaum erfassbar sind. Sicher ist nur: Wie in vielen anderen Berufen werden es immer mehr.