Kommentar Inflation der Hackathons 

Umworben: Unternehmen suchen neue Ideen, wollen sich präsentieren und veranstalten dann oft einen Hackathon. Doch leider sind es mittlerweile zu viele unechte Events, meint Robert Weber.
Umworben: Unternehmen suchen neue Ideen, wollen sich präsentieren und veranstalten dann oft einen Hackathon. Doch leider sind es mittlerweile zu viele unechte Events, meint Robert Weber.

Nach Greenwashing kommt jetzt Hackwashing. Immer mehr Unternehmen und Verbände veranstalten zu allen möglichen Themen Hackathons. Man bekommt das Gefühl, den Unternehmen gehen die Ideen aus oder ist der Hackathon nur ein Marketing-Werkzeug? Bitte nicht!

Ich könnte jede Woche an einem Hackathon teilnehmen, wenn ich auf alle Einladungen in meinem Mailpostfach antworten würde - heute Energiesoftware in München, morgen IoT in Nürnberg und dann nach Aachen zum Healthcare-Hack. Sind die Branche so unkreativ oder sogar planlos oder was verbirgt sich hinter den Treffen - Werbung? Jüngst lud sogar die Versicherungswirtschaft zu dem Happening ein - eine Branche, die in der Mehrheit immer noch in Papierformularen denkt. 

Passt der Hackathon zur Unternehmenskultur?

Zu jedem Thema veranstalten Unternehmen oder Verbände heute gefühlt einen Hackathon, weil es cool ist, weil es junge Menschen wohl anspricht und weil sich die Veranstalter als moderne, kreative Arbeitgeber präsentieren können - Recruiting 4.0 nennen das manche, vom Hackathon selber bleibt oft nur noch wenig und passt der eigentlich zur Unternehmenskultur? Die Idee des Hackathons ist toll, ist wertvoll und es gibt viele gute Beispiele; Menschen kommen zusammen, arbeiten mit Technologien und entwickeln im Team eine Lösung oder sogar ein Vorserienprodukt - im Idealfall, wenn es das Format zulässt. 

Hackwashing ist angesagt

Doch die Inflation der Hackathons nervt nur noch, der Hackathon wird kommerzialisiert mit viel Werbung, mit viel PR. Er wird zum HR-Marketing-Tool neben Snapchat, Social Media, Hochschulmarketing und der klassischen Stellenanzeige. Christian Fizia, Online Marketing Manager bei M-Net, spricht im Karrierenetzwerk Xing von der Tendenz des »Hackwashing« analog zum »Greenwashing« und er sieht die Gefahr, dass der Slogan »wir machen auch Hackathons« durch  dasUnternehmen geistert, weil man das eben macht. Die Gefahr ist begründet, nicht jeder Hackathon macht wirklich Sinn. 

Ach ja, ich versuche es übrigens nochmal – im März beim Hackathon in Ostwestfalen. Mal schauen, ob die Macher ihr Versprechen einlösen.