Spanische Ingenieure in Deutschland Hola, Alemania!

In Spanien suchen Hunderte von Ingenieuren Arbeit, in Deutschland suchen Arbeitgeber händeringend nach Ingenieuren. Weil auch die Behörden die Anwerbung spanischer Techniker nach Deutschland kräftig unterstützen, finden Angebot und Nachfrage unkompliziert zusammen. Der gemeinsame (Arbeits-)Markt Europa macht’s möglich.

Oscar Seoane Rodriguez kennt Deutschland von klein auf – aus den Erzählungen seiner Eltern. „Vor 40 Jahren haben die beiden hier gearbeitet und mir oft davon berichtet“, sagt der 33-jährige Elektroingenieur, der in der spanischen Hauptstadt groß geworden ist.

Die früh geweckte Neugier auf ein anderes Land, die schwierige Arbeitsmarktsituation in Spanien und die attraktiven Stellenangebote für Ingenieure, die der Madrilene auf eigene Faust im Internet gefunden hatte, machten ihm den Entschluss leicht, sich bei ABB zu bewerben.

Es klappte: Seit März arbeitet Seoane Rodriguez in Mannheim als Projektingenieur und entwickelt Bauteile für Niederspannungs-Heizkraftwerke und elektrische Pumpstationen. Dem verheirateten Spanier gefällt es gut in der Stadt am Rhein, so schnell möchte er gar nicht mehr nach Hause. „Niemand weiß, was die Zukunft bringt“, sagt er, „aber es ist eine Riesenerfahrung für mich, mit den Kollegen aus Deutschland und anderen Ländern zusammenzuarbeiten.“

Rodriguez spricht gut Englisch, es fällt ihm noch leichter als Deutsch. Kein Problem bei einem Global Playern wie Siemens oder ABB. Aber sonst brauchen die jungen Spanier fast überall gute Deutschkenntnisse. Oder etwa nicht?

 „Ach was“, hält Frank Soballa, Account Manager bei Euro Engineering in Braunschweig dagegen.

Die Zeiten, da in einem deutschen Büro zwingend Deutsch gesprochen werden müsse, seien vorbei. Soeben rekrutiert Soballa in Spanien Ingenieure für Deutschland, seine Kunden riefen danach. Entscheidend im Engineering seien Fachkenntnis und Erfahrung, meint der Manager, und so spürt er deutlich, dass sich auch deutsche Mittelständler immer stärker für ausländische Ingenieure interessieren.

An fehlenden Deutschkenntnissen scheitere ein Personaleinsatz selten. „Das ist eine Generationsfrage“, glaubt Soballa. „Die spanischen Ingenieure unterscheiden sich fachlich nicht von ihren deutschen Kollegen.

Fachlich nicht, dass kann Michael Schanz, Experte für Arbeitsmarkt und Beruf beim VDE, bestätigen: „Insbesondere für die gute theoretische Ausbildung der spanische Ingenieure wird sehr gelobt“, sagt er. Nachholbedarf sieht er hingegen bei der Praxiserfahrung – und bei Deutsch.

„Ein spanischer Elektroingenieur hat mir kürzlich das Sprachproblem folgendermaßen beschrieben: Überleben kann man im High-Tech-Umfeld mit Englisch zwar irgendwie, leben kann man aber in Deutschland nur, wenn man die Landessprache spricht“, erzählt er. Sein Rat also: „So schnell wie möglich deutsche Freunde finden und Deutsch lernen!"

Natürlich gebe es auch einen Mentalitätsunterschied, der vielleicht mit den Sprachkenntnissen manchmal in einen Topf geworfen werde, sagt Frank Soballa. „Aber da muss man differenzieren können.“ „Ja, die Kulturen sind ein bisschen unterschiedlich“, bestätigt Amanda Garcia Muñoz, ebenfalls aus Madrid, ebenfalls Elektroingenieurin.