Neuartige Lehrmethoden Hochschule Tuttlingen revolutioniert das Ingenieurstudium

Mit einem neuen Hochschulcampus und drei neuen Bachelor-Studiengängen will die Hochschule Tuttlingen das Ingenieurstudium revolutionieren: Zentraler Ansatz ist ein hoher Praxisbezug und neuartige Lehrmethoden.

Im Wintersemester 2009/2010 startet der neu gegründete Hochschulcampus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen zunächst mit drei Bachelor-Studiengängen mit je 35 Studienplätzen: Industrial MedTec, Industrial Manufacturing und Industrial Systems Design.

Der Hochschulcampus Tuttlingen ist die erste Hochschuleinrichtung Deutschlands, in der die Industrie über einen Förderverein – bestehend aus etwa 100 Unternehmen der Region Schwarzwald – die Lehre nicht nur mitfinanziert, sondern auch mitgestaltet. So wurden die drei angebotenen Ingenieurstudiengänge gemeinsam mit der Industrie entwickelt; Lehrbeauftragte, Projekte in Firmen, Praktika und konkrete Aufgabenstellungen sollen einen permanenten Praxisbezug garantieren.

Die Studierenden forschen beispielsweise in Ourhouse-Labs der beteiligten Firmen. Großen Wert legt die Hochschule auch auf die Vermittlung der sogenannten Softskills. »Kommunikationsfähigkeit ist für Ingenieure ein Muss. Firmen erwarten von ihren Nachwuchskräften, dass sie Ideen im Team erläutern und Innovationen verkaufen können – auch im internationalen Umfeld«, erklärt Prof. Dr. Rolf Schofer von der Hochschule Furtwangen University. Rhetorik, interkulturelle Zusammenarbeit und Selbstmanagement stehen daher ebenfalls auf dem Lehrplan.

Als Gründungsbeauftragten des neuen Hochschulcampus konnte die Hochschule Furtwangen (HFU) Prof. Dr. Günter Pritschow, den ehemaligen Rektor der Universität Stuttgart, gewinnen. Pritschow hat sich in seiner Eigenschaft als Hochschullehrer, Rektor und Mitglied des Vorstandes der deutschen Akademie der Technikwissenschaften in Fragen einer zeitgemäßen, praxisnahen Ingenieurausbildung engagiert.

Er selbst versteht sich als »Grenzgänger zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Industrie« und erwartet dies auch von seinen Studenten: »Ingenieure, die heutzutage Erfolg haben wollen, müssen nicht nur im Labor glänzen, sondern auch im wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen«, ist er überzeugt. »In Tuttlingen wollen wir Pionierarbeit leisten und gemeinsam mit der Industrie eine Ingenieurausbildung bieten, die modern und anspruchsvoll zugleich ist.«

In einem Interview mit dem Manager-Magazin sagt Pritschow, dass es in Deutschland zwar sowohl an FHs als auch an Unis gut ausgestattete Labore gebe, die technische Ausstattung sei jedoch nach vier bis fünf Jahren veraltet, und dann sei kein Geld da, um neue Geräte anzuschaffen. In Tuttlingen werde das anders sein: Die Studierenden werden in den Laboren der Industrie eingebunden und haben damit die Chance, stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein.

Studienanfänger können sich unter www.hfu-campus-tuttlingen.de für einen der ersten Studienplätze am Hochschulcampus Tuttlingen bewerben. Schon vor Studienbeginn die Praxis zu kennen, kann ein Vorteil sein; dies betrifft Bewerber, die keine gewerbliche Ausbildung abgeschlossen haben. Der Nachweis eines Vorpraktikums kann die Zulassungschancen verbessern. Wer keinen Praktikumsplatz findet, kann sich an das Büro des Hochschulcampus Tuttlingen wenden. Dort können Plätze in den Trägerfirmen des Hochschulcampus Tuttlingen vermittelt werden. Außerdem hält der Hochschulcampus eine begrenzte Anzahl an Krippenplätzen bereit.