Universität Duisburg-Essen Hilfe in der "Rushhour"

Ein Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat Wege aus der Demographie-Falle vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei die Reserve "Frauen und Ältere". Sie sollen die Arbeitskräftelücke durch die älter werdende Gesellschaft füllen. Allerdings müssten dazu die Arbeitszeiten familienfreundlicher gestaltet und das Personalmanagement demografiegerechter werden.

Die IAQ-Wissenschaftler Dr. Anja Gerlmaier und Dr. Erich Latniak untersuchten im Projekt „Arbeitslebensphasensensibles Personalmanagement als Innovationstreiber im demografischen Wandel (pinowa)“ des Bundesforschungsministeriums, inwieweit Innovationspotenziale wirklich genutzt werden und zwar in Berufen mit vorhersehbarem Fachkräftemangel.

Analysiert wurden die Ingenieure, IT-/DV-Fachleute und Techniker mit zusammen rund 1,3 Millionen Beschäftigten. Deren Erwerbsbiografien sind vergleichsweise stabil, zum Berufseinstieg wird das Potenzial an hochqualifizierten Fachkräften auch noch weitgehend ausgeschöpft, so die Studie.

Das ändert sich in der mittleren Erwerbsphase: „In der „Rushhour“ des Lebens wird es vor allem für Frauen schwierig, den Spagat zwischen den beruflichen Anforderungen und Karriereambitionen einerseits und den Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Familiengründung andererseits zu bewältigen“, so Gerlmaier.

Ein deutlicher Trend ist: Je älter eine Ingenieurin ist, desto weniger ist sie beschäftigt. Die Technikerin steigt nach dem „Babyknick“ wieder ins Berufsleben ein, bei der IT-Spezialistin bleibt die Beschäftigung fast gleich.

Teilzeitarbeit wird sehr unterschiedlich genutzt: insbesondere im IT-Bereich ist Vollzeit der Standard. Konkret umsetz- und nutzbare Teilzeit-Angebote könnten also weitere Beschäftigungspotenziale zu erschließen, raten die IAQ-Wissenschaftler. So könnten vor allem interessierte weibliche Fachkräfte einfacher und früher in ihren Job zurückkehren.

Im späteren Erwerbsabschnitt ab 50 Jahren haben vor allem IT-Fachkräfte ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben. Offensichtlich werden sie seltener wieder eingestellt. „Bio-physiologisch ist das nicht erklärbar, da geistige Tätigkeiten durchaus eine längere Beschäftigungsperspektive erlauben und auch durchaus üblich sind“, so Latniak. Hier müsse frühzeitig durch betriebliche Maßnahmen gegengesteuert werden.

Offenbar wurde in der Personalpolitik vieler Unternehmen bisher zu wenig Wert auf den Erhalt der Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Beschäftigten gelegt. Kontinuierliche Weiterbildung und gesundheitliche Prävention können verhindern, dass Qualifikationen veralten oder sich stressbedingte Folgeerkrankungen einstellen.

„Die Unternehmen haben es selbst in der Hand, wie sehr sie sich auf schwer kalkulierbare Anstrengungen verlassen müssen, etwa zur Anwerbung hoch qualifizierter ausländischer Fachkräfte“.