Mittelstandsberatung Hilfe geholt, Prozesse verbessert

Produktionsmitarbeiter Alexander Schenke beim Erklären einer Platine des Kamerasystems TK4, rechts Chef Johannes Steller.
Produktionsmitarbeiter Alexander Schenke beim Erklären einer Platine des Kamerasystems TK4, rechts Chef Johannes Steller.

»Förderung unternehmerischen Know-hows« heißt ein Programm, das sich vor allem an kleinere Unternehmen und Gründer richtet. Steller Technology hat die vom Bund bezuschusste Mittelstandsberatung genutzt, um seine Prozesse zu verbessern und mehr Ertrag zu erzielen.

Seit zwei Jahren ist Johannes Steller dran, die Prozesse in seinem Betrieb zu verbessern. Mit 31 Jahren hat er die Firma seines Vaters übernommen: Steller Technology stellt elektronische Lesehilfen für Menschen mit Sehbehinderungen her.

Weil der inzwischen 66-jährige Gründer vor allem ein ausgebuffter Tüftler ist, wächst das 15 Mitarbeiter zählende Unternehmen seit 1991 eher wild wie ein Kräuterbusch statt mit Strukturen und Plan. Sohn Johannes will das nun ändern.

Ein Problem, das er mit vielen anderen Gründern teilt, vor allem in schnellwachsenden Unternehmen.  Der Bund gewährt deshalb Klein- und Mittelständischen Unternehmen seit zwei Jahren den Beratungszuschuss »Förderung unternehmerischen Know-hows«. Ziel: sie sollen sich von qualifizierten Beratungsunternehmen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung Hilfe holen, auch und gerade, wenn sie in Schwierigkeiten sind. 

Drei Beratungsschwerpunkte werden gefördert:

  • Allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung.
  • Spezielle Beratungen (etwa von Frauen, Migranten oder Unternehmern mit Behinderung) zu den Themen Fachkräftegewinnung und -sicherung, zur Gleichstellung und besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder zur alternsgerechten Gestaltung der Arbeit sowie
  • Unternehmenssicherungsberatung zur Wiederherstellung und anschließenden Vertiefung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit.

Wichtig ist, dass der Beratungsvertrag erst unterschrieben wird, wenn das BAFA den Antrag genehmigt hat. Eine rückwirkende Förderung ist nämlich ausgeschlossen.

Mittelständler wie Steller entsprechen genau der Zielgruppe, die das BMWI im Blick hat, um sie für den härter werdenden Konkurrenzkampf zu rüsten. Größere Konkurrenten entwickeln clevere Software, die Mittelständler wie Steller verdrängen sollen. Also gilt es, die eigene Marktpräsenz zu erhöhen und gleichzeitig interne Prozesse zu straffen.

Steller ließ sich den Antrag genehmigen und holte sich Hilfe von Manuel Marburger, Chef der Unternehmensberatung muve. Und Marburger entdeckte einiges. 

Beispiel Marketing. Etwa 1000 Lesehilfen - bestehend aus Kameras, Schwenkarmen, Stativen, Akkus, Bildschirmen und anderem Zubehör - produziert das Unternehmen aus Salzatal bei Halle in Sachsen-Anhalt jährlich. Obwohl die Geräte mit Hightech ausgestattet sind, wirkten Broschüre und Webauftritt nicht mehr zeitgemäß. Und als Marburger und Steller sich Datenbanken und daraus resultierende Controlling-Instrumente anschauen, zeigt sich auch hier: zu wenig Struktur.

So legt bis heute jeder Mitarbeiter zwar für ihn logisch, im Gesamtkontext des Betriebs jedoch vollkommen willkürlich, Dokumente auf dem Server ab. »Da ist Chaos programmiert«, sagt Experte Marburger. Die Lösung ist eine einheitliche Ordnerstruktur, die Steller und seine Mitarbeiter gemeinsam erarbeiten.

Zudem merkt der Chef, dass er nur umständlich auf wichtige Kennzahlen seines Unternehmens zugreifen kann. Ein Datev-Online-Modul ist die Lösung. Es verbindet Firma und Steuerberater. Steller kann nun auf Knopfdruck Werte ermitteln und lesen – ohne, wie bisher, auf die Buchhaltung zu warten.

Marburger rät ihm auch, den Vertrieb transparenter zu gestalten: »Der Chef muss jederzeit sehen können, welche der 20 Produkte wohin verkauft werden«, erläutert der Business-Coach. Nur so könne er Marketingaktionen steuern und schauen, was warum gut läuft – oder eben nicht. Der Kreis schließt sich, als Steller sich entschließt die Werbemittel von einer Grafikerin überarbeiten zu lassen.

Bislang war das Aufgabe eines Mitarbeiters. Der hat das zwar mit Herzblut erledigt, ist allerdings kein Profi. »Das Ergebnis ist frappierend«, findet Steller, »unser Auftritt ist jetzt im Heute angekommen.« Von Marburger motiviert, plant er, zwei neue Stellen zu schaffen, um stärker im Markt präsent zu sein.

Und auch der Chef selbst erhält Tipps in Form einer Persönlichkeitsanalyse. 1,5 Millionen Euro Umsatz will er im kommenden Jahr erstmals machen. Dazu braucht es mehr »Silberrücken-Mentalität«, wie Marburger erklärt und das gerne anhand eines Tiermodells veranschaulicht.

Viele Unternehmer, so auch Johannes Steller, hätten Hund-Qualitäten: Die Sorge um das Wohl des Rudels, sprich Mitarbeiter, leite sie, so Marburger. Neben Hund und Silberrücken kennt das Denkmodell noch die Typen Eule und Katze. »Eulen sind Listenmenschen und Perfektionisten«, beschreibt Marburger. Zu erkennen etwa daran, bei Excel-Tabellen zu sehr in Details zu gehen. Katzen-Typen wollen sich in erster Linie wohl fühlen und Spaß bei der Arbeit haben. Er empfiehlt vor allem jüngeren Führungskräften, mehr zu delegieren und klare Ansagen mit Zielen und Zeitvorgaben zu machen – ganz so, wie ein Silberrücken.