100 Jahre DIN Normen Happy Birthday, DIN!

Am Sitz des Deutschen Institutes für Normung in Berlin ist der Schriftzug und das Logo «DIN» für die DIN-Norm zu sehen.
Am Sitz des Deutschen Institutes für Normung in Berlin ist der Schriftzug und das Logo «DIN» für die DIN-Norm zu sehen.

Sie stehen klischeehaft für deutsche Bürokratie. Doch ohne sie wäre weder auf Schuhmaße noch auf die Elektrotechnik Verlass: die DIN Norm wird 100.

Aktuell gibt es in Deutschland nahezu 40.000 DIN-Normen. Die berühmteste: das DIN A4  Papierformat, nur ein Beispiel von knapp 34 000 Normen, welche das DIN kreiert hat.

Es begann 1917 mit einer Norm für Kegelstifte, einem konischen Stift, der als Verbindungselement im Maschinenbau verwendet wird. Heute sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit Herausforderungen für das Deutsche Institut für Normung in Berlin, das 100 Jahre alt wird.

Mit rund 450 Beschäftigten veröffentlicht das Institut mehr als 2000 neue und überarbeitete Normen pro Jahr und schafft veraltete ab - etwa die für Gewebeschreibbänder für mechanische Schreibmaschinen. «Standards müssen immer den Stand der Technik widerspiegeln», sagt DIN-Chef Christoph Winterhalter.

Das Institut in Berlin ist das größte weltweit. Rund 30 Prozent der in Europa geltenden Normen entstehen unter deutscher Sekretariatsführung. Mit über 32 000 Experten aus Wirtschaft und Forschung, von Verbraucherseite und der öffentlichen Hand hat das DIN Fachleute für jeden Lebensbereich.

Normen sind keine von oben befohlenen Vorschriften. Erst nach Anstoß von außen, etwa von Firmen, macht sich das DIN an die Arbeit - falls die Norm nötig ist. «Komplexe Standards können bis zu drei Jahren dauern und 300 Seiten umfassen», sagt Winterhalter. Andere passten auf zehn Seiten.

An Bedeutung gewannen Normen mit der Industrialisierung, die Standards im Handel und eine effiziente Produktion in den Fabriken erforderte. So gab es zur Jahrhundertwende mitunter 25 Varianten für ein Ventil einer Dampflok. Nach und nach entstanden in Europa Normungsorganisationen - in Großbritannien (1901), Frankreich (1916) und Deutschland (22.12.1917), hierzulande als Normenausschuss der deutschen Industrie im Kaiserreich. Die erste DIN-Norm war 1918 jene zu Kegelstiften, einem Verbindungselement im Maschinenbau.

Noch heute gibt es die meisten Normen in Maschinenbau und Elektrotechnik. Zwar kostet die Nutzung von Normen die Wirtschaft Millionen. Doch Standards liefern einen großen Beitrag zum Wachstum: Etwa 0,8 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts oder rund 15 Milliarden Euro, zeigen Berechnungen der Technischen Universität Berlin.

Auch der globale Warenverkehr würde ohne Normen ausgebremst - etwa, weil Container aus Asien in Hamburg nicht auf deutsche Frachter oder Züge gehievt werden könnten. 147 Staaten weltweit unterstützen den dafür geltenden Standard. «Ohne Normen wäre der Welthandel in diesem Ausmaß nicht vorstellbar», sagt Knut Blind, Experte für Standardisierung an der TU Berlin. Auch der Europäische Binnenmarkt könnte seine ökonomischen Vorteile ohne Normen nicht voll entfalten.

Viele große Firmen nutzten Normen, um ihre Standards im Markt zu etablieren oder mit Verweis auf bestehende Normen auch staatlichen Regulierungen zuvorzukommen, sagt Blind. «Normen sind ein strategisches Werkzeug.»

Mit der Globalisierung schwindet indes die Zeit nationaler Vorschriften. Bereits 85 Prozent der hierzulande erarbeiteten Normen sind laut Winterhalter internationaler Natur und würden bei zwischenstaatlichen Organisationen wie der Genfer Internationalen Organisation für Normung (ISO) eingebracht.

Künftig dürften aber Normen noch wichtiger werden, meint Professor Blind. Denn standen einst einzelne Produkte im Fokus, geht es nun um Vernetzung - etwa in der Industrie 4.0. «In der Digitalisierung sind Standards entscheidend, etwa bei Informations- und Kommunikationssystemen.» Habe die Industrialisierung Normen groß gemacht, sei heute das Internet der Treiber, sagt Blind. «Da geht es um die Märkte der Zukunft.»

Die nächste Herausforderung ist die Digitalisierung im Allgemeinen und das Thema Industrie 4.0 im Speziellen, in dem die reale mit der virtuellen Fabrik und den digitalen Produkten durch Normen verbunden und koordiniert werden müssen. Ferner müssen Normen nicht nur den technischen oder ökonomischen Herausforderungen entsprechen, sondern auch dem Umweltschutz und den sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit. Deshalb ist auch eine engere Kooperation der Normung mit der Wissenschaft notwendig geworden.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) im Jahr 2008 mit der TU Berlin einen Kooperationsvertrag geschlossen. Ziel ist die verstärkte Zusammenarbeit in Forschung und Ausbildung.

Das Fachgebiet Innovationsökonomie der TU Berlin, geleitet von Prof. Dr. Knut Blind, bietet durch tatkräftige Unterstützung von DIN seit mehr als zehn Jahren Vorlesungen im Bereich Normung an, die durch Gastredner aus der Industrie und anderen interessierten Kreisen, aber auch durch Besuche von Normungssitzungen bei DIN bereichert werden. In der Forschung wurde im Jahre 2012 durch DIN das Deutsche Normungspanel etabliert, das vom TU-Fachgebiet durchgeführt wird und als Quelle zahlreicher Forschungsarbeiten dient.

»Wir sind froh, schon einen Teil der 100 Jahre gemeinsam mit DIN bestritten zu haben und freuen uns auf weitere Jahre der Zusammenarbeit, um die Normung mit gut ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen sowie interessanten Forschungsarbeiten zu unterstützen. Wir gratulieren!«, so Prof. Dr. Knut Blind.