Führungskräfte Haben Sie das Zeug zum Chef?

Unternehmen erwarten heute von ihren Führungskräften, dass sie mit rasanten Entwicklungen auf nationalen und internationalen Märkten und immer kürzer werdenden Wirtschafts- und Konjunkturzyklen nicht nur fertig werden, sondern sie visionär zu nutzen wissen. Offenheit, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit sind mittlerweile wichtiger als internationale Berufserfahrung.

Expertenwissen reicht heute nicht mehr aus um an die Spitze zu rücken, entscheidend ist die Persönlichkeit. Was moderne Manager aus Sicht der Unternehmen heute mitbringen müssen, hat eine Untersuchung der EBS Business School im Auftrag der Personalberatung Boyden global executive search ergeben.

Aus den Befragungsergebnissen ergibt sich ein verändertes, differenziertes Profil der Führungskräfte von heute. Klassische Kriterien wie fachliche Eignung und Ausbildungshintergrund rücken zunehmend in den Hintergrund, zugunsten von persönlicher Führungsqualität, Menschenkenntnis und Überzeugungskraft.

Unternehmen erwarten heute von ihren Führungskräften, dass sie mit rasanten Entwicklungen auf nationalen und internationalen Märkten und immer kürzer werdenden Wirtschafts- und Konjunkturzyklen nicht nur fertig werden, sondern sie visionär zu nutzen wissen.

So rückt die Persönlichkeit immer stärker in den Vordergrund und wird zum entscheidenden Kriterium für den Einstieg, hat die Studie ergeben. Offenheit, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit sind mittlerweile wichtiger als internationale Berufserfahrung.

Unternehmen setzen mittlerweile auch verstärkt auf den Einsatz von Interim-Managern. Dr. Rolf E. Stokburger, Managing Partner bei Boyden erklärt: „Der durchsetzungsfähige Top-Manager, der sich hauptsächlich aufgrund seines beruflichen Fachwissens im oberen und mittleren Management erfolgreich durchsetzt, hat wohl ausgedient. Für komplexe Aufgabenstellungen suchen Unternehmen eher offene und sensible Persönlichkeiten, die sich auch im Ausland den dortigen Gegebenheiten schnell anpassen können. Die Parameter, die eine erfolgreiche Führungskraft auszeichnen, haben sich in den letzten Dekaden stark verändert.“

Da Diversity laut Befragung einen immer größeren Stellenwert einnimmt, müssen Führungskräfte heute auch nicht mehr unbedingt deutscher Herkunft sein. Prof. Ansgar Richter, Leiter des Departments Strategy, Organization & Leadership an der EBS Business School, meint: „Führungskräfte hierzulande sind offensichtlich der Meinung, dass ihre Unternehmen sich stärker öffnen sollten. Ihnen ist wohl bewusst, dass in die Führungsetagen deutscher Unternehmen mehr Vielfalt einziehen muss“.

Laut Studie haben deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich hin erheblichen Nachholbedarf, vor allem was den Umgang mit weiblichen Führungskräften angeht. Nur sehr wenige Unternehmen erreichen bislang eine 40-prozentige Frauenquote auf erster und zweiter Führungsebene.

Die Mehrheit der Befragten sieht hier Handlungsbedarf und spricht sich für flexible Arbeitszeit-Modelle und Home-Office für alle Führungskräfte aus. Prof. Ansgar Richter ist sich sicher: „Die Erwartungshaltung der Unternehmen an ihre Führungskräfte scheint – weg vom reinen Leistungsprinzip – einem Kulturwandel zu unterliegen“.

Mehr als ein Drittel der Befragten ist überzeugt, dass Unternehmen ihr Employer Branding stärken sollten. Dabei werden Aufstiegschancen im Unternehmen als wichtigster Erfolgsfaktor für die Rekrutierung von Spitzenkräften favorisiert, attraktive Vergütungspakete stehen nicht immer im Vordergrund. „Das Familienleben hat für viele Kandidaten hohe Priorität. Sie fragen oft erst nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bevor sie wissen wollen, wie hoch das Gehalt ist. Dadurch verändern sich für Unternehmen die Parameter bei der Suche nach den passenden Kandidaten“, so Stokburger. Und: „Immer häufiger korrigieren Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften ihre Vorstellungen, was das Alter betrifft. So liegt die Obergrenze für viele Kandidaten oft 10 Jahre über dem idealen Eintrittsalter von vor zwei Dekaden. Auch hier zeigt sich der Paradigmenwechsel sowohl auf Unternehmensseite als auch auf Seiten der Kandidaten, denen nun andere Karrierewege offen stehen als zuvor“.