David schlägt Goliath Große Überraschungen bei Vorstandsgehältern in der Chip-Industrie

Große Überraschungen beinhaltet eine Forbes-Liste, in welcher die Einkommen der CEOs u.a. der börsennotierten amerikanischen Halbleiter-Hersteller aufgelistet sind. Nicht der Marktführer, sondern ein Fabless-Hersteller hat im vergangenen Jahr die meisten Millionen an seinen Chef ausgeschüttet - mit einem passenden Firmennamen, der schon einmal Neid erwecken kann.

Wenn es nach Ex-AMD-CEO Jerry Sanders III geht ("Real men have fabs"), sind die CEOs der Chiphersteller Nvidia Jen-Hsun Huang und Altera John P. Daane nicht einmal richtige Männer, denn Erfolg und Mißerfolg ihrer Unternehmen hängen von den Produktionskapazitäten der taiwanischen Foundry TSMC ab - besonders Huang kann davon ein Lied singen, denn 2010 hatte TSMC signifikante Probleme mit einem 40-nm-Prozess, in welchem seinerzeit Nvidias Grafikchips gefertigt wurden.

Dennoch dürften nicht nur die beiden Marktführer Paul S. Ottelini (Intel) und Richard K. Templeton (Texas Instruments), sondern auch andere Fab-Eigentümer wie Jerald G. Fishman (Analog Devices), Steve Sanghi (Microchip), Lothar Maier (Linear Technology) oder Steven R. Appleton (Micron) neidvoll auf Huang (eNVIDIA bzw. iNVIDIA heisst auf spanisch bzw. lateinisch und italienisch "Neid") und Daane blicken, denn diese beiden Herren stellen zusammen mit IBMs Samuel J. Palmisano mit Jahreseinkommen von 31,4 Mio. Dollar (Huang), 30,32 Mio. Dollar (Palmisano) und Daane (23,19 Mio. Dollar) im jeweils letzten abgelaufenen Geschäftsjahr die Einkomms-Top-3 der CEOs von börsennotierten amerikanischen Chip-Konzeren dar. Ihr Einkommen übertrifft nebenbei bemerkt damit auch das der Konzernchefs von u.a. McDonalds, Boeing, American Express und Ford. Bei IBM muß man jedoch berücksichtigen, dass das Chip-Geschäft nur einen kleinen Anteil des Gesamtumsatzes darstellt, der von Hardware, Software und Services geprägt ist, deswegen ist ein Vergleich zu den reinen Chip-Herstellern nur sehr bedingt möglich.

Ottelini musste sich wohl auch auf Grund der extrem hohen Erwartung der Intel-Aktionäre mit 7,16 Mio. Dollar begnügen, Templeton bekam immerhin 7,86 Mio. Dollar ausgezahlt. Besonders wenig Freude dürfte jedoch Moshe Gavrielov empfinden, CEO von Xilinx, immerhin seit Jahren vor Altera Marktführer bei programmierbarer Logik: Er ging trotz höheren Umsatzes mit "nur" 1,26 Mio. Dollar nach Hause, das sind gerade einmal 5,4 % des Einkommens, das sein Konkurrent John Daane von Altera erzielte. Noch bitterer für Gavrielov: Auch langfristig wird er vergleichsweise schlecht bezahlt, denn in den letzten 3 Jahren (seit er bei Xilinx arbeitet) nahm er gerade einmal 2,54 Mio. Dollar in Summe ein, während Daane in den letzten 5 Jahren 32,96 Mio. Dollar von Altera ausgezahlt bekam.

Dies ist freilich wenig im Vergleich zu Nvidias Huang: Er kassierte in 5 Jahren 137,25 Mio. Dollar und toppt damit auch langfristig seine Kollegen von IBM, Intel und Texas Instruments. In der folgenden Tabelle sind nicht nur die Einkommen der CEOs, sondern auch die Umsätze und Gewinne ihrer Unternehmen dargestellt. Zum Vergleich sind auch einige bekannte CEOs von Nicht-Chip-Konzernen aufgeführt. Während Steve Ballmer von Microsoft in den letzten 5 Jahren nur 6,23 Mio. Dollar kassierte, toppte Apple-CEO Steve Jobs alle Kollegen mit unglaublichen 661,24 Mio. Dollar.

Last but not least: Sowohl Intel-CEO Ottelini als auch Steve Ballmer von Microsoft verdienten im letzten Geschäftsjahr weniger als einige Kollegen von Firmen, deren Umsatz geringer war als der Gewinn von Intel bzw. Microsoft.