Gewerkschaften kritisieren Werkverträge Gleiche Arbeit, weniger Geld

Gewerkschaften werfen Unternehmen vor, dass sie Werkverträge dazu missbrauchen, ihre eigenen Tarifverträge zu umgehen: Ingenieure leisteten über Werkverträge ein- und dieselbe Arbeit wie die Stammbelegschaft, nur zu geringerem Lohn und Absicherung. Nun will BMW als einer der ersten solche Aufträge stärker kontrollieren. Wie sieht es in der Elektronikindustrie aus?

Autokonzerne wie BMW oder Audi zahlen nicht nur hohe Tariflöhne, ihre starken Betriebsräte haben für die Belegschaften auch so manches Zuckerl erwirkt, von denen Ingenieure in anderen, nicht tarifgebundenen Unternehmen nur träumen können. Kritiker bemängeln, angesichts des „Klammergriffs“ durch die Gewerkschaften sei es doch mehr als verständlich, dass Unternehmen sich über Werkverträge die notwendige Flexibilität durch die Hintertür beschafften.
 
Nun hat BMW angekündigt, Werkverträge zukünftig nur noch dann abschließen zu wollen, wenn das zu leistende Werk dafür auch in Frage kommt. Das meldet die Süddeutsche Zeitung. Die Führungsmannschaft von BMW werde diesbezüglich schon geschult.

Die Gewerkschaften werden das gerne hören. Ihr Vorwurf lautet, dass seit Leiharbeit seit Jahresbeginn zugunsten der Beschäftigten strenger reglementiert ist, Unternehmen stattdessen Werkverträge dazu missbrauchen, um Externe dauerhaft im Unternehmen zu geringeren Löhnen als die Stammbelegschaft beschäftigen zu können. Die Arbeitgeber-Lobby weist diesen Vorwurf entrüstet von sich.

Der Vorwurf des Lohndumpings betrifft auch Ingenieure. Entwicklungs- oder Ingenieurdienstleister entsendeten mitunter ganze Teams ins das Entwicklungszentrum von BMW, das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ), so der DGB Bayern.

Sandra Siebenhüter, Autorin einer neuen Studie des DGB Bayern, hat mit derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern des FIZ anonym gesprochen. Die SZ zitiert ihre Vorwürfe: Gute Leute aus Drittfirmen wie spezialisierten Ingenieurdienstleistern (z.B. IAV, EDAG)  übernähmen über Jahre hinweg Kernaufgaben in der dortigen Entwicklung. Stellenweise würden derartige Werkverträge sogar um bestimmte Personen „herumgestrickt“, um sie für ein BMW-Projekt zu bekommen. Siebenhüter halte das FIZ demzufolge für ein reines Projekthaus.

Zusätzlich zur Stammbelegschaft sollen bei BMW inzwischen bis zu 20.000 Menschen über Werkverträge in unterschiedlichsten Formen ihren Dienst tun, schreibt die SZ mit Berufung auf Arbeitnehmervertreter. BMW weist das freilich zurück.

Eigenen und fremden Untersuchungen zufolge geht der DGB davon aus, dass Automobilfirmen inzwischen zwischen 40 und 60 Prozent der Arbeiten fremd vergeben.

Und tatsächlich machen Ingenieurdienstleister mit Sitz in oder nahe München stellenweise bis zu 50 Prozent ihres Umsatzes mit dem Autokonzern, haben Recherchen von karriere-ing.de ergeben, hängen also direkt am Tropf des weiß-blauen Riesen.

Wie sieht es mit der Verbreitung von Werkverträgen in der Elektronikindustrie aus?  Die Branche macht annähernd so viel Umsatz mit Ingenieurdienstleistern, wie eine Untersuchung von Lünendonk zeigt, Geschäftsführer Hartmut Lüerßen zufolge liegt der Umsatzanteil bei nur 3,4 Prozent. Daraus lasse sich jedoch kein direkter Rückschluss ziehen, wie "üblich" die Zusammenarbeit zwischen externen Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering-Services und der Elektrobranche sei.

Die Automobilindustrie in Deutschland investiere laut Branchenverbänden ungefähr 50 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung und sei damit auch die wichtigste Kundenbranche für die Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering-Services. Luerßen: „Sie macht damit knapp die Hälfte der Umsätze“.

Die Elektronik-Industrie hingegen investierte in Deutschland im Jahr 2009 laut ZVEI 10,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. „Der Unterschied in den Forschungsaufwendungen ist also 5:1“, sagt Luerßen. Die Unterschied der Umsatzanteile der beiden Branchen liege bei 14:1. „Die Nutzungsintensität ist in der Automobilindustrie also schon deutlich höher. Ich würde aber schon sagen, dass Engineering Services auch in der Elektroindustrie gängige Praxis sind.“
 
Für die einzelnen Branchen könne Lünendonk die Vertragsformen nicht herunterbrechen. „Ich gehe jedoch davon aus, dass eine etwa vergleichbare Verteilung wie im Gesamtmarkt über alle Branchen hinweg vorhanden ist.“, so Luerßen. Eine neue Studie dazu will Lünendonk voraussichtlich im September veröffentlichen.