DIW-Studie Forschungsintensive Industrie hat Spitzenstellung in der Krise verteidigt

Jahrelang wurde die deutliche industrielle Ausrichtung der deutschen Wirtschaft moniert. Doch die deutsche forschungsintensive Industrie konnte ihre internationale Spitzenposition nicht nur verteidigen, sondern hat ihre Marktanteile während der Wirtschaftskrise sogar noch ausgebaut.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Jahrelang wurde die deutliche industrielle Ausrichtung der deutschen Wirtschaft moniert. Sie sei zu stark exportorientiert, zu anfällig für Wirtschaftskrisen, Nachfrage- und Kursschwankungen, so die Kritik. Ein oberflächlicher Blick auf die Daten der jüngsten Wirtschaftskrise scheint die Sorgen zu bestätigen: Die Produktivität der forschungsintensiven Industrie sank deutlich, die Exporte brachen ein. Auf einen zweiten Blick sind die Daten jedoch weit weniger dramatisch. Der Rückgang der Produktivität ist eine statistische Folge des Beschäftigungspaktes, der der Wirtschaft jetzt im Aufschwung zu einer besonders guten Startposition verhilft. In den USA und Großbritannien brach die Produktivität durch die vielen Entlassungen zwar weit weniger ein, dafür fällt es den Firmen jetzt schwerer, die wieder anziehende Nachfrage zu bedienen. „Wenn die Arbeitskräfte fehlen, kann die Produktion kann erst langsam wieder hochgefahren werden“, sagte Alexander Schiersch, Mitautor der Studie. „In Deutschland hat die Krise die Arbeitsproduktivität in der Hoch- und Spitzentechnologie nicht dauerhaft verändert. Schon 2010 lag sie wieder auf dem Vorkrisenniveau."

Für die Untersuchung verglichen die DIW-Forscher erstmals internationale Daten zu Wertschöpfung, Produktivität und Außenhandel des Hoch- und Spitzentechnologiesektors vor, während und nach der Krise. Das Ergebnis: Die Industrie hat die Wirtschaftskrise gut überstanden und ist bereits auf den alten Wachstumspfad zurückgekehrt. Zu diesem Erfolg in erheblichem Maße beigetragen hat den Wissenschaftlern zufolge auch der Beschäftigungspakt zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und Politik. Um auch künftig stärker auf Nachfrageeinbrüche angemessen reagieren zu können, sollte die Regierung nach Meinung der Experten ein internationales Industrie-Monitoring aufbauen, mit dem zwischen temporären Nachfrageausfällen und dauerhaften Veränderungen der Standortbedingungen unterschieden werden kann.

Seit 2007 ist Deutschland der größte Brutto- wie auch Nettoexporteur forschungsintensiver Waren. Dieser Spitzenplatz konnte auch im Krisenjahr 2009 behauptet werden: Während die beiden Hauptkonkurrenten im Exportbereich – USA und Japan – Exportrückgänge von 27 und 29 Prozent hinnehmen mussten, gab der deutsche Export „nur“ um 24 Prozent nach. Eine große Zahl, aber insgesamt verbesserte sich die deutsche Marktposition sogar noch. Die meisten forschungsintensiven Industrien, so fanden die DIW-Forscher heraus, konnten ihre Export-Import-Relation in der Krise verbessern. „Das gilt vor allem für den Maschinenbau und die Elektrotechnik. Lediglich in der Automobilindustrie führte die Abwrackprämie zu höheren Importen“, so DIW-Forscher Florian Mölders. Mittlerweile haben auch die Exporte wieder deutlich angezogen, auch wenn der Anteil der Industrie an der gesamtdeutschen Wertschöpfung 2010 noch nicht wieder so hoch lag wie vor der Krise.

Gut für die Zukunft ist den Experten zufolge vor allem die wachsende Bedeutung der Schwellenländer wie China. Zwar sei Europa derzeit immer noch der größte Abnehmer deutscher Hoch- und Spitzentechnologieprodukte. Die Zukunftsmärkte legen jedoch deutlich zu. „Das Wachstumspotenzial dieser aufstrebenden Volkswirtschaften und der damit einhergehenden Nachfragesog nach deutschen Produkten verhelfen der Industrie zu einer guten Perspektive“, so Florian Mölders.