Leibniz Universität Hannover Fehlschläge erlaubt

Um hohen Abbrecherquoten entgegenzuwirken, gibt es an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik der Uni Hannover eine Reihe von Maßnahmen. Beispielsweise persönliche Beratungsgespräche bei Professoren, wenn ein Semester nicht so gut gelaufen ist. Außerdem dürfen Studierende die Hälfte der Klausuren beliebig oft wiederholen.

Mehr Studienerfolg im Ingenieurstudium ist das Ziel der Initiative „Maschinenhaus – Campus für Ingenieure“ des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Seit Sommer 2013 lief an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik der Leibniz Universität Hannover ein Transfer-Projekt der Maschinenhaus-Initiative, bei dem sich alles um die Themen Studienqualität und Qualitätsmanagement gedreht hat.

Die Weichen für den Studienerfolg werden meist im ersten Studienjahr gelegt. Um hohen Abbrecherquoten entgegenzuwirken, gibt es an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik neben vielen anderen Maßnahmen beispielsweise persönliche Beratungsgespräche bei Professoren, wenn ein Semester nicht so gut gelaufen ist.

Außerdem dürfen Studierende Klausuren beliebig oft wiederholen, sofern sie pro Semester und im Schnitt – durch das Bestehen der Hälfte der Klausuren – 15 von 30 Leistungspunkten gesammelt haben. „Die Zeiten, in denen nach zwei oder drei Fehlschlägen in einem bestimmten Fach die Studierenden einfach exmatrikuliert wurden, sind vorbei“, betont Prof. Wagner.

Als zusätzliche Maßnahmen sind nun unter anderem Didaktikschulungen für wissenschaftliche Mitarbeiter, die in der Lehre tätig sind, geplant. Um Wissenslücken bei Studierenden frühzeitig zu schließen, will die Fakultät ihr Angebot an Vorkursen ausbauen.

Zudem sollen spezielle Erstsemesterprojekte für das Studium der Elektrotechnik begeistern und motivieren. Auch besondere Angebote für Fakultätsmitarbeiterinnen und –mitarbeiter wird es geben: In Workshops mit externen Beratern können sie ihre Fähigkeiten in Sachen Gesprächsführung stärken. Künftig werden außerdem Kennzahlen für eine erfolgreiche Lehre systematisch erfasst und ausgewertet.

Das Maschinenhaus als Campus für Ingenieure besteht aus zwei Phasen: Gemeinsam mit dem Partner, dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, wurde das theoretische Fundament gelegt. Zunächst wurden die Studienbedingungen in den Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik analysiert.

Darauf aufbauend entstand das Referenzmodell für gute Lehre, das mithilfe einer Befragung aller Hochschulen weiter ausgearbeitet wurde. Fallstudien an ausgewählten Pionierhochschulen stellten das zentrale Element zur Praxiserprobung dar. Phase zwei läuft seit Jahresbeginn 2013. Mit mehreren VDMA-finanzierten Beratertagen in je einer Fachhochschule und Universität pro Bundesland gelangt die Theorie in die Hochschulpraxis.

Zurzeit laufen außer dem Projekt an der Leibniz Universität Hannover noch 22 weitere Maschinenhaus-Transfers an deutschen Hochschulen oder sind bereits abgeschlossen. Bis Mitte 2015 sollen es 32 Projekte in ganz Deutschland gewesen sein. Eine Toolbox mit den erfolgversprechendsten Maßnahmen, Indikatoren und Instrumenten übersetzt das Konzept für die Praxis.

Im „Erfahrungsaustausch (ERFA) Maschinenhaus“ kommen Vertreter von Hochschulen zweimal jährlich zusammen, um über aktuelle Fragen rund um das Thema Qualitätsmanagement und Lehre zu diskutieren.