Trotz massiver Sparmaßnahmen F&E-Ausgaben steigen tatsächlich

Trotz massiver Sparmaßnahmen halten Firmen an ihren F&E-Aktivitäten fest, um nicht geschwächt aus der Krise hervorzugehen. Jetzt erhalten sie Bestätigung von unabhängiger Seite: Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt, dass sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland auch im letzten Jahr weiter erhöht haben.

Dr. Alfred Gossner, Vorstand Finanzen, Controlling, IT der Fraunhofer-Gesellschaft, belegt Bullingers Aussage mit Zahlen: 2008 war für Fraunhofer ein Rekordjahr. Das Finanzvolumen stieg gegenüber 2007 um 6 Prozent auf über 1,4 Mrd. Euro. Gleichzeitig hat die Fraunhofer-Gesellschaft ihre Mitarbeiterzahl um 1400 auf rund 15.000 erhöht. Und auch für dieses Jahr ist ein Ausbau des Personals um weitere 600 neue Stellen geplant.

Gossner weiter: »Die Projekterträge stiegen trotz Konjunkturkrise deutlich an, bei den Auslandserträgen haben wir mit einem Plus von 18 Prozent ein neues Höchstniveau erreicht.« Das Finanzvolumen setzt sich aus »Vertragsforschung«, »Verteidigungsforschung« und »Ausbau- Investitionen« zusammen. Mit 1,29 Mrd. Euro entfällt der Großteil des Finanzvolumens auf die Vertragsforschung, die sich aus den Projekterträgen und der Grundfinanzierung von Bund und Ländern zusammensetzt und die im letzten Jahr um 11 Prozent gestiegen ist.

Laut Gossner erzielte die Fraunhofer-Gesellschaft aus Projekten mit der Wirtschaft und öffentlichen Auftraggebern Erträge in Höhe von rund 860 Mio. Euro. Gossner betont: »Trotz der negativen konjunkturellen Entwicklung konnte die Fraunhofer- Gesellschaft durch direkte Aufträge aus der Wirtschaft 369 Mio. Euro erwirtschaften, das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent.« Hinzu kommen Lizenzerträge in Höhe von 83 Mio. Euro, so dass sich die Wirtschaftserträge auf 452 Mio. Euro belaufen.

Doch nicht nur das letzte Jahr war erfolgreich, der Fraunhofer-Vorstand gibt sich auch für dieses Jahr optimistisch. So erklärt Bullinger, dass die Fraunhofer-Gesellschaft in diesem Jahr bislang mehr Aufträge erhalten hat, als dies im letzten Jahr der Fall war. Gossner: »Trotz der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten wir in diesem Jahr eine Steigerung unseres Finanzvolumens, plus 2 bis 3 Prozent sollten in der Vertragsforschung möglich sein. Der Grund: Zahlreiche Firmen investieren auch in der Krise in Forschung und Entwicklung.«

Aufträge haben sich stark gewandelt

Allerdings haben sich laut Bullinger die Aufträge stark gewandelt. So steigt in Zeiten der Krise die Nachfrage nach geförderten Projekten, der reine Wirtschaftsertrag geht zurück, Bullinger spricht von 10 Prozent. »Die Kunden wünschen keine Entwicklungen mehr, die eine Technologie-Roadmap bis 2030 haben. Unsere Entwicklungen sollen bereits in diesem oder spätestens im kommenden Jahr greifbare Ergebnisse erzielen«, so Bullinger.

Der Rückgang der Wirtschaftserträge wird allerdings durch die öffentliche Hand mehr als kompensiert. So hat der Haushalt des BMBF für 2009 ein Gesamtvolumen von 10,2 Mrd. Euro, was einem Zuwachs von 854 Mio. Euro gegenüber 2008 entspricht. Zusätzlich stehen mit den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung (BMWi und KfW) für 2009 und 2010 insgesamt 52,5 Mrd. Euro für Unternehmer, Bürger und Kommunen zur Verfügung.

Hinzu kommen noch die Zusagen aus dem Pakt für Forschung und Innovation, in dem den fünf großen Forschungsorganisationen zwischen 2011 und 2015 eine jährliche Steigerung des Etats um 5 Prozent garantiert wird. Gossner: »Der Unsicherheitsfaktor für 2010 sind die weitere Wirtschaftsentwicklung und die Handhabung der öffentlichen Finanzen nach der Wahl im Herbst 2009.« Und Bullinger mahnt: »Hält die Krise weiter an, dann besteht kein Zweifel daran, dass auch im Bereich Forschung und Entwicklung der Rotstift angelegt wird.