Personalkosten einsparen, ohne sich der Zukunft zu berauben »Es gibt noch andere Instrumente außer Kurzarbeit«

Kienbaum gehört zu den großen Personalberatungen in Deutschland. Geschäftsführer Dr. Walter Jochmann spricht über die schwierige Rolle von Personalabteilungen dieser Tage: Personalkosten einsparen, ohne sich der Zukunft zu berauben.

Markt&Technik: Neueste Zahlen vom Deutschen Personalberatertag prognostizieren der Branche für 2009 ein Umsatzminus von durchschnittlich 19,4 Prozent gegenüber 2008. Ihre Prognose?

Dr. Walter Jochmann: Die derzeitige Situation ist für das Leistungsfeld Executive Search in der Tat schwierig: Der Markt wird 2009 mit Sicherheit mit einem Minus von 20 Prozent, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber noch deutlich schlechter abschneiden. Bei Kienbaum haben wir aktuell einen eher geringen Umsatzrückgang zu verzeichnen, wobei es durchaus noch Branchen mit einem erheblichen Besetzungsbedarf gibt, zum Beispiel im Markt für Fast Moving Consumer Goods. Schwierige Branchen sind aktuell natürlich die Automobilindustrie mit Erstausrüstern und Zulieferern, der Maschinen- und Anlagenbau und auch die Elektroindustrie.

Vor dem Markteinbruch dauerte es im Schnitt drei bis vier Monate, manchmal sogar ein halbes Jahr, bis eine Stelle im technischen Bereich vom Headhunter besetzt werden konnte. Wie sieht es nun aus?

Im Schnitt dauert die Besetzung im technischen Bereich aktuell zwischen zwei und drei Monaten. Sicher hat sich das Repertoire an guten Kandidaten erhöht. Ein systematischer Research, der nicht allein auf Datenbanken zurückgreift, sondern die besten aktuell verfügbaren Kandidaten im relevanten Wettbewerbs- oder Funktionsfeld anspricht und motiviert, braucht allerdings ein Mindestmaß an Zeit. Hier hat sich natürlich die Verfügbarkeit von Alternativen erhöht, wenn auch die generelle Wechselbereitschaft von Kandidaten aus sehr gut geführten Unternehmen sogar leicht abgenommen hat.

In den letzten Jahren wurden auch ältere Ingenieure immer häufiger eingestellt. Hat Ihrer Erfahrung nach tatsächlich ein Umdenken hinsichtlich der demographischen Entwicklung stattgefunden?

Ältere Techniker und Manager werden heute nicht aus der Not heraus eingestellt. Sicher hat ein Umdenken mit Blick auf die Gewichtung von Erfahrung und Alter eingesetzt. Entscheidend ist, wie viele Jahre jemand noch für eine berufliche Entwicklung bei guter Leistungsfähigkeit wahrscheinlich zur Verfügung stehen wird und ob fundierte Erfahrungen in interessanten Märkten oder Vorbildunternehmen erworben wurden. Auch die Diversity-Ziele in vielen Unternehmungen, die sich neben Geschlecht, Region etc. auch auf das Alter beziehen, haben zu mehr gewollter Vielfalt geführt.

Welche Beratungsfunktionen üben Sie derzeit in den Unternehmen hauptsächlich aus?

Personalberatung im erweiterten Sinne bedeutet das Coaching von Top- und Führungskräften, die Konzeption und Begleitung von Nachfolgeplanungssystemen und Talent-Management-Programmen und die Beurteilung des bestehenden Managements in seinen Kompetenzen. In all diesen Feldern sind wir überaus aktiv. Die Rolle eines Personalberaters in der Krise ist die Unterstützung im Executive New Placement und die des erfahrenen Sparringspartners für Personalchefs, die in ihrer Personalstrategie die richtigen Prioritäten setzen wollen.