Maker »Es geht um die Demokratisierung der Produktion«

Martin Laarmann von der Make Munich präsentiert auch Kurioses aus Makerhand: Ein vollautomatisches Papierflieger-Maschinengewehr auf Basis eines Bosch-Akkuschraubers. Der Rest stammt aus dem 3D-Drucker.
Martin Laarmann von der Make Munich präsentiert auch Kurioses aus Makerhand: Ein vollautomatisches Papierflieger-Maschinengewehr auf Basis eines Bosch-Akkuschraubers. Der Rest stammt aus dem 3D-Drucker.

Kommendes Wochenende findet die Maker-Messe Make Munich statt. Warum interessieren sich immer mehr B2B-Elektronikunternehmen für die Bastler 2.0-Szene? Wir haben darüber mit Martin Laarmann gesprochen, Experte für Maker Communities und Geschäftsführer der Make Germany GmbH.

Markt&Technik: Herr Laarmann, Sie haben ein kurioses Teil dabei, schaut aus wie ein Maschinengewehr, was ist das? 

Martin Laarmann: Der Ingenieur, der dieses Papierflieger-Maschinengewehr aus einem Akku-Schrauber von Bosch entwickelt hat, macht das als Hobby. Seine Spezialgebiete sind die Avionik und eben Papierflieger. Der Rest des Gerätes stammt aus dem 3D-Drucker. 

Was unterscheidet einen Maker von einem Bastler im heimischen Keller?  

Das Motto der ersten Make Munich 2013 war: Raus aus dem Keller! Maker sind anders, treffen sich in »FabLabs« oder »Makerspaces«, wollen diskutieren, ihr Wissen austauschen. Das Besondere an der Maker-Bewegung ist, dass jeder mitmachen kann. Die »Industrie 4.0«, der Begriff der von der deutschen Industrie gemeinsam mit der Bundesregierung geprägt wurde, soll die nächste Industrielle Revolution einleiten, die auf Digitalisierung, Automatisierung und dem Internet of Things basieren soll.  Die Tools die beim Internet der Dinge verwendet werden, sind aber für jedermann erschwinglich und durch die Dokumentation, die auch von den Makern vorangetrieben wird, leicht erlernbar.
Das ist ein gewaltiger Schritt, die Geschichte der industriellen Revolution setzte ja sonst immer unglaubliche Investitionen voraus. Alleine konnte sich das keiner leisten. 

Ist das Maker-Movement politisch links?

Das würde ich nicht sagen. Und es spielt auch keine Rolle. Die Welt ein bisschen besser zu  machen, das ist den Makern wichtig. Es geht um die Demokratisierung der Produktion, um den Prosumenten: der Konsument selbst setzt seine Ideen in ein Produkt um. Heutige Maker arbeiten mit Digital-Werkzeugen, die sich je nach Anwendung schnell anpassen lassen. Der Sinn und Zweck: Gutes noch besser zu machen. Das Maker Movement ist »Open Source«. Es geht vor allem um den Austausch von Wissen. Aber natürlich auch um Unternehmensgründung und Serienfertigung: 37 Prozent der Aussteller sind Startups. 

Und die »Make Munich« ist Sprachrohr der Bewegung?  

Das ist unser Motto: Nicht gucken, mitmachen! Themen wie die Welt des 3D-Druck, Elektronik, Rapid Prototyping, Robotik, Internet of Things, Maker Startups und FabLabs/Maker Community Spaces haben die Make Munich groß gemacht und sind klassische Highlights der Messe, bei denen sich Fachleute genauso wie Laien über die rasante Entwicklung der Bereiche informieren können. 
Das Maker-Hauptland ist die USA. Präsident Obama war der prominenteste Förderer, hat 2014 eine eigene Maker-Fair im Weißen Haus veranstaltet, Maker Cities gefördert, eine Vision der Nation of Makers vertreten. 

Was haben B2B-Konzerne wie Make-Munich-Sponsor Infineon von der Maker-Szene?

Es ist die ganze Elektronikbranche, die uns trägt. Firmen wie Infineon möchten mit der Maker-Szene in Kontakt kommen und stellen auf der Make Munich ihre Komponenten zur Verfügung. Das Ziel: Co-Creation, die Meinungen der Maker abfragen und in ihre Produkte einfließen lassen. Das gleiche gilt für Lemonbeat, ein IoT-Spin-off von RWE. Die eigene smart Device Language (LsDL) steht im Mittelpunkt, eine flexible, einfache und universelle Sprache, die auch für IoT-Kleingeräte geeignet ist. Sie alle kommen mit ihren Komponenten und wollen intensiv mit der Szene zusammenkommen. 

Das klingt optimistisch nach Win-Win. 

Klar, noch reden wir über vorsichtige Antast-Versuche. Die Konzerne probieren das aus, sind sehr begeistert! Doch meines Erachtens ist das Maker-Movement mit seinen Projekten noch nicht in den obersten Konzern-Etagen angekommen. Aber das ist auch eine Chance. Die Maker-Szene ist aktuell auf einem Stand wie das Internet 1989. Sein Durchbruch kam mit HTML. Damit konnten auf einmal Privatleute publizieren, auch wenn meist noch die Inhalte fehlten. Die Maker-Szene arbeitet an Dingen, auf die Konzerne oft noch gar nicht gekommen sind. Maker können ausprobieren, ohne viel zu verlieren, das ist ihr Vorteil gegenüber Konzernen. Manche haben das schon erkannt, zum Beispiel Audi. Es geht darum, den »Spirit zu fühlen«. Denn die etablierten Prozesse der Großunternehmen sind zwar erfolgreich, aber eben auch behäbig.