Rückgang Erstmals Minus an Arbeitsplätzen im Bereich Erneuerbarer Energien

Mittlerweile sind schon 37 Prozent der Arbeitskräfte im Anlagenbestand beschäftigt: sie kümmern sich u.a. um den Betrieb und die Wartung der Anlagen.
Mittlerweile sind schon 37 Prozent der Arbeitskräfte im Anlagenbestand beschäftigt: sie kümmern sich u.a. um den Betrieb und die Wartung der Anlagen.

377.800 Menschen arbeiteten im Jahr 2012 in Deutschland im Bereich der Erneuerbaren Energien, etwa ein Prozent weniger als noch im Vorjahr. Experten erwarten „turbulente Zeiten“ und weiteren Rückgang.

Erstmals erfährt der „Jobmotor Erneuerbare Energien“ einen Dämpfer und stellt weniger Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Abschätzung, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Prognos AG im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) vorgenommen hat.

An erster Stelle der Hintergründe steht die Pleitewelle in der Photovoltaik: Die massiven Überkapazitäten, die weltweit die Preise in den freien Fall befördern, führten zu zahlreichen Unternehmensschließungen und Insolvenzen weltweit, und haben auch in Deutschland zu einem Rückgang der Produktion geführt.

Der größte Teil der Arbeitsplätze war 2012 wie auch im Vorjahr dem Bereich Biomasse zuzuordnen, gefolgt von der Windenergie und der Solarenergie.

Des Stromsektor ist beim Ausbau der Erneuerbaren Energien der dominante Faktor, blickt man auf die Beschäftigtenzahlen: Etwa 73 Prozent der ermittelten Arbeitskräfte entfallen auf diesen Bereich. 21 Prozent sind dem Wärmesektor zuzuordnen und sechs Prozent der Biokraftstofferzeugung.

71 Prozent der Tätigkeiten im Jahr 2012 können laut DLR auf die Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zurückgeführt werden – was die Abhängigkeit der Branche von der politischen Förderung beweist.

Dabei steigt die Bedeutung der Erneuerbare Energien weiterhin,  in Deutschland lag der Anteil am Stromverbrauch 2012 bereits bei fast 23 Prozent. Doch die Investitionen lagen unter dem Niveau des Vorjahres, genauso wie die Umsätze der deutschen Unternehmen. Diese Entwicklung sei insbesondere auf den starken Preisverfall bei Photovoltaikanlagen zurückzuführen, der sich auf Grund massiver weltweiter Überkapazitäten auch in 2012 fortsetzte, so das DLR.

Zuwachs gab es lediglich bei Wind (On- und Offshore) und fester Biomasse (Holzverfeuerung in Kaminöfen, Pellet-Heizungen sowie Holzkraftwerke), in den meisten anderen Bereichen der Erneuerbaren Energien sind die Beschäftigtenzahlen rückläufig.

Der größte Teil der 377.800 Personen, die im Jahr 2012 direkt wie indirekt im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiteten, ist im Anlagenbau beschäftigt (61 Prozent). Diese Anlagen kommen im In- und im Ausland zum Einsatz. Mittlerweile sind jedoch schon 37 Prozent der Arbeitskräfte im Anlagenbestand beschäftigt, das heißt, sie kümmern sich um den Betrieb und die Wartung der Anlagen sowie um die Brennstoff- und Kraftstoffbereitstellung.

Etwa 26 Prozent der Beschäftigten arbeiten für  Anlagen, Komponenten, Biomasse und Biokraftstoffe die für den Export bestimmt sind. 74 Prozent der Beschäftigung fallen auf für das Inland bestimmte Aktivitäten.

Marlene O'Sullivan vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik rechnet mit turbulenten Zeiten in der Branche: "Den Unternehmen in den erneuerbaren Energien steht eine Periode voller Herausforderungen bevor. Wir rechnen damit, dass auch in den Jahren 2013/2014 Arbeitsplätze verlorengehen und Unternehmen schließen müssen. Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass am Ende dieser Entwicklung eine Industrie steht, die sehr viel unabhängiger von politischer Förderung sein wird und damit ihren Beschäftigten nachhaltige Perspektiven bieten kann."