Arbeitsmarkt für Ingenieure zum Jahresende Entspannt!

VDI-/IW-Ingenieurmonitor: Im November 2013 kamen 2,1 offene Stellen auf einen Arbeitslosen.
VDI-/IW-Ingenieurmonitor: Im November 2013 kamen "nur" 2,1 offene Stellen auf einen Arbeitslosen.

Neueste Zahlen zeigen: Der Arbeitsmarkt für Ingenieure zeigt sich zum Jahresende entspannt, die Gehälter bleiben moderat, die Ansprüche der Firmen an Bewerber hoch wie immer.

Subjektiv betrachtet kann Dr.-Ing. Ulrich Klages keinen Fachkräftemangel feststellen. Der Informatik-Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften „Ostfalia“ entlässt seine Studenten auf einen entspannten Arbeitsmarkt: „Unsere Studies sind mit der Arbeitsmarktsituation zufrieden. Die Absolventen bekommen brauchbare Jobs.“ Einen Mangel kann er nicht entdecken: „Die Gehälter stagnieren. Also besteht keine besonders große Nachfrage.“, so sein Fazit. Die Diskussion zum Ingenieurmangel wundere ihn schon, „da scheint jeder von jedem abzuschreiben und nachzuplappern“. Denn herrschte wirklich Mangel, dann wären die Ingenieurgehälter höher als die der Kaufleute.

Was sie allerdings auch sind. Ein Jahr nach ihrem Studienabschluss erzielen Elektrotechnik- und Wirtschaftsingenieure ein Bruttojahreseinkommen von gut 42 500 Euro (Quelle HIS-Hochschulinformationssystem). Kaufleute erhalten ein Jahr nach dem Uni-Diplom im Schnitt nur 32.850 Euro, was zum Teil an insgesamt weniger Vollzeitstellen für Kaufleute liegen mag. Im Durchschnitt 4.210 Euro brutto verdienen Diplomkaufleute und Diplombetriebswirte auf Basis einer 40-Stunden-Woche. Bei Ingenieuren sind es rund 4400 Euro brutto im Monat (Elektroingenieure verdienen 4657 Euro), ohne Sonderzahlungen. Dies geht hervor aus der Online-Umfrage von lohnspiegel.de, an der sich rund 11.000 Ingenieure und Ingenieurinnen beteiligt haben.

Lohnspiegel hat auch die Gehälter von Ingenieuren im Leih- und Fremdfirmeneinsatz untersucht. Sie bekommen dafür in der Regel ein geringeres Gehalt als die Stammbeschäftigten und müssen teilweise länger arbeiten. Das Gehalt liegt bei entsandten Ingenieuren bei 4355 Euro, bei Ingenieuren in Leih- oder Zeitarbeit bei 3823 Euro.

Und immer mehr Ingenieure arbeiten bei Dienstleistern. „Die Bedeutung der externen Technologie-Beratung und Engineering Services nimmt seit Jahren zu. Teilweise werden die Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services bereits als Systemdienstleister wahrgenommen, also als Innovationspartner – ähnlich den Systemlieferanten in der Automobilindustrie“, sagt Hartmut Lüerßen, Partner der Beratung Lünendonk GmbH.

Exemplarisch für die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt scheint auch ein Beispiel aus dem strauchelnden Konzern Siemens zu sein, das uns ebenfalls per Leserbrief erreichte. „Mein Sohn - jung, flexibel und unabhängig - studierte Maschinenbau mit Spezialisierung Energie- und Kältetechnik und schrieb seine Diplomarbeit bei Siemens Energy. Ein Jahr vor seinem Maschinenbaustudium arbeitete er bei Siemens als technischer Spezialist auf verschiedenen Baustellen, wo er beispielsweise bei Aleris in Koblenz die Hauptantriebe für ein Walzgerüst montierte, die Revision eines Stoßwellengenerators beim CERN mit machte oder in einem Tagebau in China den 6-MW-Antrieb eines Schürfkübelbaggers reinigte. Das machte ihm so viel Spaß, dass er zweimal in seinen Semesterferien – also acht Wochen, à 60 Stunden – Umrichter auf einer Gasverflüssigungsanlage in Qatar und einmal die Umrichter in einem Stahlwerk in Indien reparierte.“ Doch trotz dieses Einsatzes und Gesamtdiplomnote von 1,9 habe Siemens den jungen Mann nicht haben wollen. „Es fand sich kein Vorgesetzter, der den Mut hatte ihn einzustellen, angesichts der derzeitigen Konjunkturlage im Energiebereich bzw. auch in seiner alten Abteilung im Automatisierungsbereich.“ Jetzt arbeite er bei der Konkurrenz in der Schweiz.

Solch punktuelle Argumentation lässt der VDI in der Regel nicht gelten, doch auch er stellt angesichts der aktuellen Novemberzahlen fest: „Der deutsche Ingenieurarbeitsmarkt hat sich im November weiter entspannt.“ Er macht dafür vor allem die in diesem Jahr auf 56 000 Menschen gestiegenen Absolventenzahlen in Ingenieurswissenschaften verantwortlich.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitskräftenachfrage in den Ingenieurberufen sei im Vormonatsvergleich sogar geringfügig gesunken und läge jetzt bei 57.600 zu besetzenden Stellen, errechnet durch das Institut der Deutschen Wirtschaft. Dennoch sei das ein weiterhin hohes Niveau.

Die Arbeitslosenzahl unter den Ingenieuren sei im November geringfügig auf 26.791 gestiegen und liege damit deutlich unterhalb der errechneten Arbeitskräftenachfrage. Im Schnitt kamen so in den Ingenieurberufen bei sinkender Tendenz 2, 1 offene Stellen auf einen Arbeitslosen. Wobei in zwei von acht Ingenieurberufskategorien - Rohstofferzeugung und –gewinnung sowie Sonstige Ingenieurberufe - zumindest rechnerisch im November keinerlei Engpässe zu verzeichnen waren.

Anders in Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in Energie- und Elektrotechnik: Hier übertraf das Stellenangebot das Arbeitskräfteangebot um den Faktor 3,8 beziehungsweise 3,3. Auf diese beiden Kategorien entfielen laut IW 50 Prozent aller offenen Stellen in Ingenieurberufen, jedoch nur 30 Prozent aller Arbeitslosen.

„Gesucht wird sehr, sehr speziell“, fasste der auf die Elektronikbranche spezialisierte Personalberater Michael Köhler die Situation noch im August zusammen, „nahezu keine Chancen für Quereinsteiger. Unsere Klienten suchen nach exakt definierter Spezifikation.“ Daran dürfte sich auch jetzt zu Jahresende nicht viel geändert haben.