Fachkräftebedarf ist ungebrochen Elektroindustrie soll 2010 um 6 Prozent wachsen

Die Elektroindustrie wird in diesem Jahr um 20 Prozent schrumpfen, im nächsten Jahr aber wegen ihres Fokus auf Investitionsgüter als eine der ersten Branchen wieder um 6 Prozent wachsen. Der Fachkräftebedarf ist ungebrochen.

Das ist die Einschätzung von »Deutsche Bank Research« in ihrem Branchenbericht »Deutsche Elektroindustrie«. Auch der Präsident des ZVEI, Friedhelm Loh, sieht die Elektroindustrie derzeit noch im Abschwung. »Die deutsche Elektroindustrie kann sich dem Abwärtssog der Weltwirtschaft nicht entziehen. 40 Prozent weniger Aufträge im April gegenüber dem Vorjahr, über 30 Prozent minus bei Umsatz und Produktion – einen größeren Rückganghaben wir noch nie verzeichnet.«



Doch die Ausrichtung auf Investitionsgüter – weit mehr als 70 Prozent des Produktportfolios seien Investitionsgüter und 13 Prozent Bauelemente – werde der Branche nutzen, sobald es mit der Wirtschaft wieder bergauf gehe, urteilt Philipp Ehmer, Branchenanalyst bei Deutsche Bank Research und Autor der Studie. Ein wichtiger Treiber für die nächsten Jahre sei der Klimawandel, der Nachfrage nach energieeffizienten Produkten schaffe.

Dagegen werde der demografische Wandel und der absehbare Mangel an Ingenieuren das Wachstum der Branche hemmen, heißt es in der Studie. Schon heute liegt das Durchschnittsalter der Ingenieure in der Elektroindustrie bei 45 Jahren. Noch aber herrscht gedämpfte Stimmung am Arbeitsmarkt.

Der VDI hat in Zusammenarbeit mit dem »Institut der deutschen Wirtschaft Köln« aktuelle Ingenieur-Arbeitsmarktzahlen für den Monat Juni herausgegeben. Demnach nahm zwar die Arbeitslosigkeit im Ingenieursegment gegenüber Mai zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder leicht ab, aber im Vergleich mit dem Vorjahresmonat Juni 2008 betrug der Anstieg knapp 48 Prozent. Die Unternehmen in Deutschland reduzierten die Anzahl ihrer offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Prozent auf 58.854 Stellen.

Ingenieurlücke hat sich im Juni verringert

Über alle Branchen hinweg hat sich die Ingenieurlücke (Anzahl offener Stellen minus arbeitslos gemeldete Ingenieure) im Juni auf immerhin rund 35.000 verringert. Was aber, wenn die Konjunktur wieder anzieht? Die Deutsche Bank warnt in ihrem Report, den demographischen Wandel zu unterschätzen. Er sei für die Elektroindustrie sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite relevant. Er drossele die Konsumnachfrage in Deutschland und schränke so das Wachstumspotenzial der Branche ein.

Die Globalisierung sei zumindest für die Konsumgütersparten überlebenswichtig, denn die Unternehmen exportierten ihre Produkte vorwiegend in Länder, die keinen solchen demografischen Wandel erleben. Der Exportanteil dürfte somit künftig weiter ansteigen. Darüber hinaus dominieren Investitions- und nicht Konsumgüter die Elektroindustrie. Und mit der Elektromedizin gibt es sogar eine Sparte, die mit zunehmender Alterung der Gesellschaft profitieren dürfte.

Demografischer Wandel ruft Mangel an Fachkräften hervor

Auf der Angebotsseite belastet der demografische Wandel, indem er einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften hervorruft. Laut einer Umfrage unter den ZVEI-Mitgliedsunternehmen liegt der Ingenieuranteil in den Betrieben bei über 20 Prozent. Das Durchschnittsalter von Ingenieuren in der Elektroindustrie beträgt derzeit 45 Jahre und steigt stetig. 2007 waren mehr als 60 Prozent von ihnen über 40 Jahre alt. Zehn Jahre zuvor lag dieser Anteil noch unter 50 Prozent.

Viele werden bis 2020 in Rente gehen. Das verschärfe einen Engpass, den die Branche schon heute feststellen muss: Den rund 9.000 Elektroingenieuren, die jedes Jahr ihr Studium erfolgreich abschließen, steht laut ZVEI ein langfristiger Bedarf von jährlich 14.000 gegenüber. Die Ingenieurlücke vergrößere sich somit stetig, zumal die Zahl der Studienanfänger im Fach Elektrotechnik seit 2003 um 13 Prozent gesunken ist. Die Folgen eines Ingenieurmangels: eine spätere Marktreife von Produkten bzw. ganz ausbleibende Innovationen, Verlust von Marktanteilen und Umsätzen.

Als eine der ersten Branchen dürften die Optischen Technologien, vertreten durch den Verband Spectaris, wieder über Fachkräftemangel klagen. Der Verband erwartet mittelfristig eine Markterholung für dieses Segment. 2008 war die Branche ein Jobmotor, die Mitarbeiterzahlen zogen um 4 Prozent auf 243.000 an.