Top-Wachstumstreiber Elektroindustrie profitiert vom Klimawandel

2010 soll sich die Elektroindustrie wieder erholen und erst 6 Prozent, dann bis 2020 jährlich 3 Prozent wachsen – dank ihrer Fokussierung auf Investitionsgüter, beziffert eine Studie von Deutsche Bank Research. Die Top-Wachstumstreiber heißen Energieversorgung und -effizienz.

Der Klimawandel ist für die nächsten Jahre ein wichtiger Stellhebel, der Nachfrage nach energieeffizienten Produkten schafft. Dagegen hemmt der demografische Wandel und der absehbare Mangel an Ingenieuren das Wachstum der Elektrobranche, heißt es in der Studie. Zur Erinnerung: Schon heute liegt das Durchschnittsalter der Ingenieure in der Elektroindustrie bei 45 Jahren.

Ab Mitte 2009 soll es laut Deutsche Bank Research aber erstmal wieder bergauf gehen. Für das kommende Jahr erwarten die Experten gesamtwirtschaftlich gesehen ein Plus von 1 Prozent, da sich viele Investitionen der Unternehmen nicht mehr länger aufschieben ließen. Und tatsächlich gibt es wieder Meldungen von sich leerenden Lagern in der Elektronikbranche, Hinweise auf baldige Allokation mehren sich.

Auch wenn der private Verbrauch wegen steigender Arbeitslosenzahlen um rund 1 Prozent abnehmen dürfte – von den Konjunkturpaketen, die vor allem Investitionen in Infrastruktur stimulieren, dürfte die Elektroindustrie profitieren, so Deutsche Bank Research, etwa in der Energietechnik.

Die Zeichen stehen langfristig auf Wachstum

Langfristig stehen die Zeichen auf Wachstum. Ein wichtiger Treiber für die deutsche Elektroindustrie ist zum Beispiel das rasche Wachstum und der große Nachholbedarf vieler Schwellenländer; neben den vier weiteren Trend-Faktoren Klimawandel, wachsender Infrastrukturbedarf, Alterung der Gesellschaft und Innovationswettlauf der Branche.

Der größte Effekt allerdings, glaubt Deutsche Bank Research, dürfte von der Nachfrage nach energieeffizienteren Produkten ausgehen. Dieser Trend lasse sich sowohl in der Industrie als auch beim privaten Verbraucher feststellen. In der Industrie entfallen zwei Drittel des Stromverbrauchs auf Maschinen, die mit Elektromotoren angetrieben werden, z.B. Pumpen oder Ventilatoren. Nach Angaben des ZVEI können 15 Prozent dieses Stromverbrauchs durch effizientere Antriebe – die bereits auf dem Markt verfügbar sind – eingespart werden. Dies entspricht 10 Prozent des gesamten industriellen Stroms und nach Berechnungen des ZVEI jährlich etwa 2,2 Mrd. Euro.

Auch Antriebssysteme stellen laut einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie einen großen Hebel dar, um in der Industrie CO2-Emissionen einzusparen. Damit ließen sich sogar Gewinne erzielen, denn künftige Stromeinsparungen kompensieren mindestens die Investitionskosten – mehr denn je bei künftig steigenden Öl- und Energiepreisen.

Auch Vorleistungsgüter sollen energieeffizienter werden. Bei Halbleitern zum Beispiel liegt das Thema Green IT im Trend. Informations- und Kommunikationstechnologien sind weltweit für etwa 2 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Hersteller entwickeln leistungsfähigere Chips, die beim Rechnen weniger Wärme produzieren und somit weniger gekühlt werden müssen.

Im Konsumsegment achten Käufer auf den Verbrauch

Auch im Konsumsegment der Elektroindustrie achten Käufer stärker auf den Verbrauch. Laut Umweltbundesamt entfallen 12 Prozent des Stromverbrauchs eines Vier-Personenhaushalts auf den Betrieb von Elektrogeräten im Leerlauf. Für Wohnungen und Büros hochgerechnet sind das für Deutschland jährliche Kosten in Höhe von 4 Mrd. Euro. Effizientere Produkte gekoppelt mit »smart metering« (intelligente Stromzähler) können dazu beitragen, diese Verluste zu minimieren.

Doch besonders bei der Energieversorgung besteht großes Potenzial für die Branche, hat Deutsche Bank Research errechnet. Einige Industrieländer stellen ihren Energiemix neu zusammen; Schwellenländer verbrauchen durch rasantes wirtschaftliches Wachstum mehr Strom. In Verbindung mit steigender Weltbevölkerung bedeutet dies: Der Energiehunger nimmt zu.

Immer mehr Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. Gleichzeitig wird Strom nicht mehr nur in eine Richtung durch die Leitungen gelenkt: Hausbesitzer selbst speisen Energie, die sie selbst z.B. mit Solaranlagen erzeugen, ebenfalls ins Netz ein. Somit muss die Energie-Infrastruktur an die veränderten Gegebenheiten angepasst werden. Davon kann die Elektroindustrie profitieren. DBR rechnet allein für den deutschen Kraftwerkspark mit erforderlichen Investitionen bis 2030 in Höhe von 190 bis 230 Mrd. Euro.

Die Krise verlangsame den Infrastrukturausbau nicht, da die weltweiten Konjunkturprogramme in erster Linie das Baugewerbe fördern. Sie zielen weltweit auf eine moderne Infrastruktur ab, so etwa das 600 Mrd. Dollar schwere Paket in China. Das schnell wachsende Land benötige neue Kraftwerke und muss Übertragungsnetze modernisieren – besonders in den entlegeneren Teilen des Landes. Das Konjunkturprogramm der USA sieht 4,5 Mrd. Dollar allein für die Modernisierung des Stromnetzes und die Weiterentwicklung neuer Netztechnologien vor. Auch das deutsche Konjunkturpaket II setzt bis Ende 2010 14 Mrd. Euro für Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen ein.