Elektroingenieurinnen Ein Blick hinter die Rekordzahlen

Rekordzahlen - dennoch Schlusslicht. Die neuen Daten stammen vom Statistischen Bundesamt und aus eigenen Berechnungen des Kompetenzzentrums.
Rekordzahlen - dennoch Schlusslicht. Die neuen Daten stammen vom Statistischen Bundesamt und aus eigenen Berechnungen des Kompetenzzentrums.

Seit Deutschland 2011 beschloss, aus der Atomkraft aus- und in Erneuerbare Energien einzusteigen, studieren immer mehr Frauen das Fach Elektronik/IT - im aktuellen Studienjahr so viele wie nie zuvor. Im MINT-Fächervergleich liegen sie damit aber immer noch abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Im aktuellen Studienjahr (SS 2016 / WS 2016/17) haben sich laut Statistischem Bundesamt 17.388 Studenten in den Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik eingeschrieben. Davon 16,3 Prozent Frauen – ein nie da gewesener Rekord.

Zwar nimmt bereits seit 2011 ihr Anteil an den mehrheitlich von Männern frequentierten E-Lehrstühlen zu, seit 2011 von 10 auf heute über 16 Prozent. Doch den Wendepunkt in der Gunst der Frauen kann der VDE klar benennen: Es ist der Atomausstieg.

»Mit dem Beschluss zur Energiewende in Deutschland hat das Studienfach Elektrotechnik und Informationstechnik einen Auftrieb bekommen«, erklärt Prof. Dr.-Ing. Michael Berger, Vorsitzender des VDE-Ausschusses »Studium, Beruf und Gesellschaft«. Nun dürfe man gleichzeitig aber nicht nachlassen, für dieses Studium zu werben, mahnt der Vorsitzende.

Im MINT-Bereich sind mittlerweile fast 32 % aller Studienanfänger Frauen. Dabei sind Informatik und Bauingenieurwesen am beliebtesten, Schlusslicht im MINT-Vergleich ist auch im Rekordjahr 2016 die Elektronik- und Informationstechnik (vgl. Grafik). 

So liegt beispielsweise im Fach Bauingenieurwesen die Zahl der Studienanfängerinnen 2015 erstmals über der 30 %-Marke und damit so hoch wie noch nie.

Auch im Studienbereich Informatik, der 2015 erstmals zur Fächergruppe Ingenieurwissenschaften gezählt wurde, konnte die Zahl der Studienanfängerinnen deutlich erhöht werden und liegt 2015 bei 16.900 (2008: 6.400) und damit fast 25 %.

Weniger deutlich fällt die Steigerung im Studiengang Maschinenbau/Verfahrenstechnik aus: Der prozentuale Anteil von knapp 19 % Studentinnen im 1. Fachsemester in 2008 erhöhte sich auf 21 % in 2015.

Dennoch sind die Rekordzahlen in Elektrotechnik bemerkenswert: Starteten 2008 knapp 1.800 (unter 10 Prozent) junge Frauen im Studiengang Elektrotechnik, so waren es 2015 immerhin schon mehr als 4.300 (15 Prozent) und 16,3 Prozent zum jetzigen Wintersemester.
Zum Vergleich: In der Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften war im Studienjahr 2015 die Verteilung zwischen Frauen und Männern annähernd paritätisch: 48 % der Studienanfänger waren weiblich.

Bei der Wahl des Hochschultyps zeichnet sich laut VDE aktuell eine Verschiebung zu Gunsten der Universitäten ab. Hier nahmen 6,7 Prozent mehr Studienberechtigte ein Studium auf, während die Zahl an Fachhochschulen um 4,7 Prozent zurückging. Was die Ursachen der Verschiebung sind, ist laut VDE nicht bekannt.