Kommentar zum TV-Duell Digitalisierung: Wird schon nicht so schlimm werden

Digitalisierung spielt im Wahlkampf keine Rolle.
Digitalisierung spielt im Wahlkampf keine Rolle.

Am Ende war es Angela Merkel, die das Thema Digitalisierung noch kurz unterbringen konnte – ein kleiner Punkt für die CDU. Davor kam der Begriff in dem TV-Duell nur einmal vor. Das ist tragisch. 

Das TV-Duell konzentrierte sich auf die Außen- und Migrationspolitik – wie in Zukunft gearbeitet wird, was KI mit uns macht, wie wir coden lehren und lernen, wie Industrie 4.0 unsere Gesellschaft verändert, wie wir neues Lernen ermöglichen und wie wir mit Uber und anderen Geschäftsmodellen umgehen, interessierte die fragenden Moderatoren nicht. Ganz klar: Die Redaktionen haben auf die falschen Themen gesetzt. Viele Wähler sorgen sich um ihren Job, reicht ihr Fachwissen noch aus, sie sorgen sich um ihre Kollegen, um ihre Daten und im Frühjahr feierte Angela Merkel noch das neue deutsche, digitale Wirtschaftswunder. Wie passt das zusammen? 

Diese Fragen fehlten mir – eine Auswahl, kein Anspruch auf Vollständigkeit: 

Wie bereiten wir unsere Kinder auf die digitale Zukunft vor?

Wie muss sich die Lehrerausbildung verändern? 

Wie können möglichst viele Menschen von der Digitalisierung profitieren? 

Wo finden wir Softwareentwickler?

Erleben Sie noch black factories? 

Wie sicher sind unsere Daten?

Wie schützt die Bundesregierung Daten?

Wann kommt das schnelle Internet bundesweit?

Wann kommt 5G?

Warum ist das Mobilfunknetz in Österreich besser als in Deutschland? 

Ist KI gefährlich? 

Wie finden Sie Uber? 

Was macht der Taxifahrer in Zukunft?

Bremsen wir neue Geschäftsmodelle in Deutschland aus und was können wir dagegen tun?

Kommt eine zeitlich begrenzte Steuerfreiheit für junge Unternehmen?

Warum ist Estland bei e-government schneller und besser als Deutschland?

Brauchen wir ein neues Arbeitsrecht?

Was muss sich im Arbeitsrecht verändern?

Brauchen wir ein Roboterrecht?

Brauchen wir einen Schutzschirm gegen chinesischen Investoren?

Wie verändert die Digitalisierung die Mitbestimmung?

Gibt es zukünftig einen Anspruch auf Homeoffice?

Passt Blockchain und Plattformökonomie zu unserem Kartellrecht? 

Keiner überzeugt

Schulz schwieg das Thema ganz tot – trotz einiger Ideen im Frühjahr dieses Jahres und Angela Merkel verbindet mit der Digitalisierung vor allem das Smartphone – Blockchain, Industrie 4.0, KI, Halbleiter und Co. gehören aber auch dazu Frau Bundeskanzlerin. Beide Spitzenkandidaten sind thematisch blank bei dem Thema – das ist ein schlechtes Zeichen für die zukünftige Regierung, egal unter welcher Führung, denn wir brauchen eine Digitalkanzlerin oder einen Digitalkanzler. Der neue Regierungschef muss die massiven Veränderungen in der Gesellschaft und Wirtschaft erkennen, Ideen entwickeln, Geld ausgeben und die Menschen aufklären und ihnen Ängste nehmen.

Lieber 25 Euro mehr Kindergeld

Das Kanzler-Duell ist leider keine Ausnahme. Auch im Wahlkampf ist Digitalisierung nur ein Nischenthema – nur für die Nerds!? Im Wahlomat der Bundeszentral für politischen Bildung existiert keine These zum Thema. Ich fordere von den Spitzenkandidaten keine Codekenntnisse aber Ideen für Qualifizierungen, für digitales Lernen, für Startup-Förderung, für Gründermentalität sind nicht zu viel verlangt. Doch darüber sprechen wollen nur wenige. Wir verteilen lieber 25 Euro mehr Kindergeld.